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Russland: Verdacht auf Pest-Laborunfall in Sibirien - Behörden dementieren

Nation

In Proben der Patientin seien keine Mikroorganismen nachgewiesen worden, „die mit ihrer beruflichen Tätigkeit in Zusammenhang stehen“. Die Frau war am vergangenen Freitag im Kreiskrankenhaus der Stadt Schelechow bei Irkutsk in Sibirien gestorben.

Nach Angaben von Rospotrebnadsor ergaben Untersuchungen, dass es keinen Laborunfall in dem Institut in Irkutsk gab. Vorher hatte es unbestätigte Berichte gegeben, dass die Frau sich mit Lungenpest infiziert haben könnte, als ihr versehentlich ein Reagenzglas mit dem Pesterreger herunterfiel. Anderen Berichten zufolge war sie nach einer Dienstreise erkrankt. Örtlichen Medienberichten zufolge waren Warnungen vor Reisen in die Stadt Schelechow zuerst verbreitet und später wieder gelöscht worden, meldete das kremlkritische Nachrichtenportal Meduza. Die Behörden des Gebietes Irkutsk hatten zunächst über eine Beratung zu einer „besonders gefährlichen Infektionskrankheit“ informiert: Alle Kontaktpersonen seien unter „medizinischer Beobachtung“. Nach unbestätigten Berichten handele es sich dabei um bis zu 200 Menschen.

In Irkutsk sollen mehrere Kliniken unter Quarantäne gestellt worden sein

Nun teilte Rospotrebnadsor mit, die hygienisch-epidemiologische Lage in der Region Irkutsk sowie in den Städten Irkutsk und Schelechow sei stabil. Es werde ein „Maßnahmenpaket umgesetzt“. Nach Angaben des Telegramkanals „Ljudi Bajkala“ wurden in Irkutsk zwei allgemeine Krankenhäuser sowie eine Kinderklinik unter Quarantäne gestellt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts waren örtlichen Berichten zufolge an ihrem Arbeitsplatz in Quarantäne. Es seien keine weiteren Infektionen verzeichnet worden.

Lungenpest ist eine schwere Form der durch das Bakterium Yersinia pestis verursachten Pest. Sie kann entstehen, wenn sich die Infektion auf die Lunge ausbreitet. Sie kann auch durch das Einatmen infektiöser Tröpfchen von Erkrankten übertragen werden. Typisch ist eine rasch fortschreitende Lungenentzündung mit Fieber, Atemnot, Brustschmerzen und Husten, teils mit blutigem Auswurf. Ohne schnelle Behandlung kann die Krankheit tödlich verlaufen. Die Erkrankung ist jedoch mit Antibiotika behandelbar, wenn die Therapie früh beginnt.

In Russland wurde Meduza zufolge 2016 zuletzt eine Lungenpest-Infektion in der Republik Altai ebenfalls in Sibirien registriert. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) kommt die Pest noch in Ländern Afrikas, Amerikas und Asiens vor, in Deutschland nicht. Das Risiko der Einreise eines mit dem Pesterreger Infizierten sei gering.

Es sei kein Grund zur Beunruhigung, dass in Laboren mit Pesterregern gearbeitet werde, sagte die Immunologin und wissenschaftliche Leiterin von Sicherheitslaboren Zania Stamataki von der University of Birmingham dem britischen Science Media Center: „Die Pest ist keine Krankheit, die nur der Vergangenheit angehört.“ Sie komme weiterhin in Nagetieren vor, und jedes Jahr gebe es auch Infektionen sowie Ausbrüche der Lungenpest bei Menschen. „Für die Entwicklung diagnostischer Tests und von Impfstoffen sowie für die Überwachung von Antibiotikaresistenzen braucht es Labore, in denen der lebende Erreger aufbewahrt und untersucht wird. Diese Arbeit ist entscheidend, um auf Ausbrüche vorbereitet zu sein.“

Er rechne nicht mit größeren Folgen, ergänzte der Virologe Ian Jones von der University of Reading. Die Kontaktpersonen des Primärfalls seien bekannt und können behandelt werden, falls sie Anzeichen einer Infektion zeigen. Die Lebensbedingungen, welche einst die Ausbreitung der Pest begünstigt hätten, seien heute im Allgemeinen nicht mehr gegeben. „Außerdem stehen Antibiotika zur Verfügung, weshalb das Ausbreitungspotenzial begrenzt ist.“

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