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Russlands Angriffskrieg: Putin verschärft den Terror in der Ukraine

Welt

Putin verschärft den Terror

Dem hat die Ukraine kaum noch etwas entgegenzusetzen

Aktualisiert am 28.09.2026 - 18:52 UhrLesedauer: 5 Min.

Die Ukraine kann sich kaum noch gegen Raketen schützen, nun hat Russland auch noch seine Drohnen aufgerüstet. Dabei steht dem Land die härteste Zeit noch bevor.

Es ist ein großer diplomatischer Erfolg, den der ukrainische Präsident Ende voriger Woche verkünden konnte: Nach langem Hin und Her hat die US-Regierung Kiew die Erlaubnis zur Herstellung eigener Patriot-Flugabwehrraketen erteilt, sagte Wolodymyr Selenskyj nach der UN-Generalversammlung in New York. Für die Menschen in der Ukraine ist es ein Hoffnungsschimmer in düsteren Zeiten, doch ihren praktischen Nutzwert muss die Zusage aus Washington noch erweisen.

Auch mehr als viereinhalb Jahre nach dem russischen Überfall kämpft die Ukraine jeden Tag ums Überleben. An der mehr als 1.300 Kilometer langen Frontlinie konnten die Verteidiger zuletzt kleinere Erfolge erzielen, doch die Zivilbevölkerung in den frontnahen Städten und Kiew ist dem russischen Terror inzwischen weitgehend schutzlos ausgeliefert. Denn während der Ukraine die Mittel gegen Putins ballistische Raketen ausgehen, hat Russland auch seine Kamikazedrohnen technisch entscheidend weiterentwickelt.

Flugabwehr bleibt größte Schwäche der Ukraine

Geran-5 heißt die jüngste Version der russischen Terrorwaffe, die auf der iranischen Shahed-Drohne basiert. Erst Anfang des Jahres kamen die ersten Geran-5 zum Einsatz, inzwischen gehört der Klang ihres Jet-Antriebs zum Alltag für die Ukrainer. Denn während die früheren Versionen von Shahed und Geran noch mit Propellern angetrieben wurden, hat Russland die neueren Modelle mit Düsentriebwerken versehen. Das verleiht ihnen eine Geschwindigkeit von bis zu 600 Stundenkilometern – häufig noch zu schnell für ukrainische Abfangdrohnen, auch wenn die Hersteller ihre Modelle ständig verbessern.

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Die größte Bedrohung für die Ukraine bleiben aber Russlands ballistische Raketen wie die Iskander-M sowie Marschflugkörper wie Kinschal und Zirkon. Kamikazedrohnen wie die Geran-5 kann die ukrainische Armee auch mit Kampfflugzeugen oder mobilen Flugabwehreinheiten abfangen. Gegen Raketen und Marschflugkörper helfen dagegen in der Regel nur Patriot-Flugabwehrraketen. Und da ist die Ukraine inzwischen wohl weitgehend blank, auch wenn Kiew die genauen Bestände geheim hält.

Der Ukraine fehlen dringend Patriotraketen

Wie dramatisch die Lage sein muss, zeigt schon ein Vorschlag, der am Montag beim Treffen der EU-Verteidigungsminister in Brüssel diskutiert werden sollte: Um die Ukraine schneller mit Patriot-Raketen zu versorgen, könnten EU-Verbündete dem Land doch ihren Platz in der Warteschlange für die US-Waffen überlassen, hieß es. Hintergrund ist, dass die USA und ihre Verbündeten in der Golfregion im Krieg gegen den Iran so viele Patriots verschossen haben, dass die Fertigungslinien beim Hersteller Lockheed Martin auf Jahre ausgelastet sind.

Für die Ukraine sind das schlechte Aussichten. Denn die Lizenz zur Patriot-Produktion im Land selbst gilt für Raketen der älteren Version PAC-2, die zur Bekämpfung von Kampfjets ausgelegt sind. Als verlässlichere Abwehrwaffe gegen Russlands Raketen gelten dagegen die Raketen der neuen Version PAC-3, die nur in den USA und Japan gefertigt werden. Lockheed Martin will die Produktionsrate von etwa 600 PAC-3-Raketen in diesem Jahr auf etwa 2.000 Stück im Jahr 2030 hochfahren. Doch selbst diese Zahl dürfte die globale Nachfrage nach der US-Waffe nicht decken – und Kiew steht bei der US-Regierung von Präsident Donald Trump nicht sehr weit oben auf der Liste der wichtigen Verbündeten.

Freyja: Ukraine entwickelt eigenes Flugabwehrsystem

So dürften viele Ukrainer sehnsüchtig auf den ersten Einsatz des Flugabwehrsystems Freyja warten. Entwickelt wird es derzeit von der Firma Fire Point, deren Flamingo-Marschflugkörper schon regelmäßig gegen Ziele tief in Russland zum Einsatz kommt. Auch ihre Langstreckendrohnen FP-1 und FP-2 schlagen immer wieder etwa in russischen Ölraffinerien ein. Und mit der FP-9 arbeitet Fire Point an einer ballistischen Rakete, die einen 800 Kilogramm schweren Sprengstoff mehr als 850 Kilometer weit transportieren soll – sie wäre auch für das gut geschützte Moskau eine ernsthafte Bedrohung.

Noch aber befinden sich die Fire-Point-Raketen in der Entwicklung. Immerhin: Einen ersten Testflug mit der Freyja-Rakete FP-7.x absolvierte die Firma Anfang Juni. Den ersten Abfangeinsatz unter Gefechtsbedingungen strebt Fire Point für Mitte kommenden Jahres an. Bis zu 2.000 Abfangraketen pro Jahr will die Firma dann herstellen, bei einem Stückpreis von unter einer Million Euro. Zum Vergleich: Eine Patriot-PAC-3-Rakete kostet etwa 3,8 Millionen Euro. Inzwischen beteiligen sich auch mehrere EU-Länder an der Entwicklung des Freyja-Systems.

Russland gelingt kein Frontdurchbruch

Technisch werden die Freyja-Raketen allerdings eher den Patriots der älteren Version PAC-2 ähneln. Diese bekämpfen feindliche Flugzeuge oder Hubschrauber mit einem Gefechtskopf, der in der Nähe des Ziels detoniert und eine Splitterwolke erzeugt. Daher gehen Experten davon aus, dass Freyja zunächst eine Ergänzung zum Patriot-System sein wird. Langfristig will Fire Point die Freyja-Raketen aber mit einem "Hit-to-Kill"-Gefechtskopf ausstatten, über den auch die PAC-3-Raketen verfügen. Diese zerstören ihre Ziele durch direkte Treffer.

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Von diesen Fähigkeiten ist die Ukraine zurzeit aber weit entfernt. Noch geht es für Kiews Truppen darum, die eigene Bevölkerung mit begrenzten Mitteln so gut es geht gegen Bedrohungen aus der Luft zu schützen – und russische Durchbrüche an der Front zu verhindern. Das immerhin gelingt den Verteidigern trotz der Personalnot der ukrainischen Armee.

So konnte Russland über den Sommer zwar einen Großteil der strategisch wichtigen Stadt Kostjantyniwka in der Region Donezk erobern; der sogenannte Festungsgürtel, der die russischen Truppen in der Ostukraine aufhält und zu dem auch Kostjantyniwka gehört, steht allerdings nicht vor dem Fall.

Ukrainer blicken mit Furcht gen Winter

Tatsächlich konnte zuletzt auch die Ukraine einen Erfolg von der Front vermelden. Unter dem Decknamen "Operation Vivaldi" sind die ukrainischen Truppen seit mehreren Wochen im Raum Lyman in der Region Donezk auf dem Vormarsch. Bei der Offensive ging es zunächst darum, ein weiteres Vordringen der russischen Truppen auf die Stadt von Norden her zu unterbinden.

Wäre den Russen dies gelungen, hätten sie als Nächstes die Städte Slowjansk und Kramatorsk angreifen können – das Zentrum des ukrainischen Festungsgürtels in der Region. Stattdessen konnte die Ukraine bei Lyman zuletzt mehr als 50 Quadratkilometer Gelände zurückgewinnen und 250 russische Soldaten gefangen nehmen.

Größere Erfolge an der Front blieben in diesem Jahr aber auch der Ukraine verwehrt. Statt auf schwierige und verlustreiche Bodenoffensiven setzt Kiew darauf, die russische Kriegsmaschinerie durch strategische Angriffe im Hinterland zu schwächen. So hat die ukrainische Armee in diesem Jahr immer wieder Logistikzentren des Onlinehändlers Wildberries sowie Raffinerien und Öldepots in Russland angegriffen. Die wirtschaftlichen Folgen dieser Angriffe treffen durch ausbleibende Steuerzahlungen auch den russischen Staat – und damit die Kriegskasse des Kremls. Doch bislang zeigt die russische Führung keinerlei Anzeichen, von ihrem Kriegskurs abzuweichen.

Viele Ukrainer blicken daher mit großer Sorge auf die kommenden Monate. Die Menschen haben nicht vergessen, wie gnadenlos Russland im vergangenen Winter Energieanlagen und Heizkraftwerke angriff; viele Ukrainer mussten wochenlang bei teilweise bis minus 30 Grad in ihren Wohnungen ausharren, ohne Heizung und mit zugefrorenen Wasserleitungen. Es war der härteste Kriegswinter, den die Ukrainer bislang erdulden mussten. Und Präsident Selenskyj weiß, dass sein Land wegen der fehlenden Flugabwehrraketen noch schutzloser ist als zu Beginn des Jahres. Doch gefruchtet haben seine Bemühungen um ein Ende des Krieges vor dem Wintereinbruch bislang nicht.

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