Russlands neue Riesen-Basis für Geran-Drohnen, die in nur 6 Wochen gebaut wurde, versetzt die Nato in Unruhe: „Strategische Verwundbarkeit“
Russland hat in der Region Rostow in nur sechs Wochen eine große neue Startbasis für Jet-Drohnen fast fertiggestellt. Die Anlage liegt nahe dem Militärflugplatz Millerowo, nur 20 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.
Darüber berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf ausgewertete Satellitenbilder. Die Aufnahmen zeigen, dass auf dem Gelände Ende August noch kaum Bautätigkeit zu erkennen war, während dort Mitte Oktober bereits ein großer Komplex stand.
Neue Drohnenbasis nahe Millerowo wächst rasant
Das Gelände umfasst rund 0,9 Quadratkilometer, was etwa 126 Fußballfeldern entspricht. Es liegt ungefähr 3,5 Kilometer vom Luftwaffenstützpunkt Millerowo entfernt, an dem ein Jagdfliegerregiment stationiert ist. Auf den Bildern sind acht Startplattformen zu erkennen. Bei zwei davon waren bereits Startschienen montiert. Auf zwei weiteren liefen diese Arbeiten noch.
Nach Angaben der ukrainischen Analystengruppe Absolutely Reliable Source gibt es auf dem Gelände außerdem 32 Bereiche, in denen Drohnen für den Start vorbereitet werden können. Auf Satellitenbildern vom 12. Oktober waren dort offenbar bereits Drohnen beim Entladen zu sehen.
Die Experten gehen davon aus, dass die Anlage für Geran-5-Drohnen gebaut wurde. Diese Modelle gehören zu den neueren russischen Angriffsdrohnen mit Düsenantrieb.
ANZEIGE
ANZEIGE
Experte: „Strategische Verwundbarkeit für Nato-Staaten“
Mike Monnik von der Analysefirma DroneSec rechnet damit, dass die Basis in wenigen Wochen einsatzbereit ist, womöglich sogar früher. „Dass die Anlage in so kurzer Zeit entstanden ist, zeigt, wie schnell Russland neue Angriffsmöglichkeiten aufbauen kann“, sagte er Reuters. Das schaffe eine „strategische Verwundbarkeit für Nato-Staaten“.
Monnik hält es für möglich, dass von dort innerhalb von 24 Stunden 100 oder mehr Jet-Drohnen starten könnten. Das hänge aber von verfügbaren Beständen und den jeweiligen Einsatzzielen ab.
„Dieses Ausmaß an Bau in so kurzer Zeit ist beeindruckend“, sagte Rob Jordan vom Londoner Thinktank RUSI. Die Betonflächen und Startschienen passen seiner Einschätzung nach zu bekannten Startrampen für russische Geran-Drohnen.
Ukraine sucht Schutz vor schnelleren russischen Jet-Drohnen
Für die Ukraine wächst damit ein ohnehin drängendes Problem. Russland setzt seit Monaten deutlich häufiger strahlgetriebene Drohnen ein. Diese Waffen fliegen mit bis zu 600 Kilometern pro Stunde. Ältere ukrainische Abfangdrohnen, die gegen langsamere Propellermodelle entwickelt wurden, stoßen dabei an Grenzen.
Vor allem Kiew und das Umland waren zuletzt oft Ziel solcher Angriffe. Nach Einschätzung von Experten wird die neue Basis zudem von der Luftabwehr des Flugplatzes Millerowo geschützt. Ein ukrainischer Angriff auf den Standort wäre dadurch schwieriger.
Die Ukraine arbeitet bereits an Gegenmitteln. Der frühere Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow erklärte am 12. Oktober, ein neuer ukrainischer Abfangdrohnentyp habe in seiner ersten Einsatzwoche zwei russische Geran-5-Drohnen abgeschossen. Ob das reicht, um eine größere Zahl dieser schnelleren Angriffswaffen abzuwehren, bleibt offen.