Rüstungsindustrie: Deutscher Roboter kocht erstmals für Soldaten in den USA
Das deutsche Unternehmen Goodbytz installiert eine Roboterküche in Fort Hood, dem größten Militärstandort der Welt. Foto: Goodbytz Rüstungsindustrie: Dieser deutsche Roboter kocht erstmals für Soldaten in den USA Kochroboter sollen das Fachkräfteproblem der Gastronomie lösen – doch die Technik gilt vielen als nicht ausgereift. Bei der US-Armee zeigt Goodbytz nun, wie es gehen könnte. FortFort Hood in Texas ist die größte Militärbasis der Welt. Auf einer Fläche von mehr als 800 Quadratkilometern arbeiten täglich etwa 40.000 Soldaten. Und die haben Hunger. Am Standort gibt es Restaurants, Burger-Ketten und Cafés – und künftig auch einen Kochroboter aus Deutschland, der die Soldaten und ihre Familien rund um die Uhr verpflegen soll. Der Roboter kocht vollautomatisch Gerichte wie Pasta-Bowls, asiatische Currys oder Süßspeisen wie Kaiserschmarrn. Möglich ist aber auch die deutsche Bratwurst. Produziert werden die Speisen fast ohne menschliche Hilfe. Personal wird nur gebraucht, um die Maschine zu befüllen und gelegentlich zu reinigen. Entwickler des Geräts ist das deutsche Unternehmen Goodbytz, das seit fünf Jahren an der Herstellung und dem Vertrieb der Kochroboter arbeitet. Für das Start-up aus Hamburg ist es schon die dritte Auslieferung an die US-Armee. In den vergangenen Monaten installierte Goodbytz zwei Roboter an einem Militärstandort in Südkorea. Nun wird erstmals ein Gerät in den Vereinigten Staaten in Betrieb genommen. Entwicklung dauerte drei Jahre Kopf hinter dem Unternehmen ist Gründer Hendrik Susemihl, der mit seinen Kollegen im Jahr 2021 innerhalb von drei Monaten den ersten Prototyp entwickelte. „Der konnte schon ganz einfache Gerichte herstellen, war aber noch weit weg von dem, was ein Serienprodukt braucht“, sagt er. Bis das erste System ausgeliefert wurde, habe es bis Anfang 2024 gedauert. Mehr als 25 Geräte hat Goodbytz seitdem an Kunden übergeben. Die Roboter stehen heute in einem Krankenhaus in Tübingen, in der Universität Kaiserslautern, einem Edeka-Supermarkt in Kiel – und mittlerweile auch in Militäreinrichtungen. Circus SE Der Aktien-Crash der deutschen Kochroboter-Hoffnung Das deutsche Tech-Start-up Circus hat seine Umsatzprognose für 2026 um 90 Prozent gekappt – und befeuert Zweifel am Geschäftsmodell des Unternehmens. von Florian Weyand Die US-Armee betreibt in Südkorea ein Gerät für den zivilen Gebrauch in einer Kantine und eine größere Militärvariante für die Nutzung bei aktiven Einsätzen. „Der Roboter wird aktuell bei Trainingsmissionen in Südkorea eingesetzt“, sagt Susemihl. Dabei gehe es um Einsätze mit Fallschirmspringern oder um amphibische Missionen. Die deutsche Roboterküche wird jeweils mit einem Lkw an die Einsatzstelle gebracht und versorgt die Soldaten mit verschiedenen Gerichten. Die beiden in Südkorea genutzten Geräte aus Deutschland haben die US-Militärs offenbar überzeugt. Daher bekam Goodbytz nun den Auftrag, einen weiteren Roboter in Texas zu stationieren. „Dass unsere Technologie nun auf einer der größten Militärbasen der USA zum Einsatz kommt, ist ein starkes Signal dafür, wie Robotik die Lebensmittelversorgung verändern wird“, sagt Susemihl. Weitere Bestellungen der US-Armee Die erste Installation in Nordamerika ist laut Goodbytz nur der Auftakt eines größeren Rollouts in den Vereinigten Staaten: Im Rahmen des Auftrags seien bereits 20 weitere autonome Küchensysteme fest bestellt worden, die künftig auf weiteren Militärstandorten zum Einsatz kommen sollen. „Darüber hinaus umfasst die Vereinbarung eine dreistellige Anzahl an vorbestellten Optionen für weitere Systeme“, teilt das Unternehmen mit. Das dürfte die Umsätze beim deutschen Hersteller ankurbeln. In der Regel werden die Roboter von den Kunden gemietet und selbst betrieben. Die günstigsten Systeme kosten etwa 3900 Euro pro Monat. Bei größeren Maschinen, die nun auch in den Vereinigten Staaten eingesetzt werden, betragen die Gesamtkosten 10.000 bis 12.000 Euro. Damit das Geschäft am Ende für den Kunden wirtschaftlich funktioniert, müssen laut Goodbytz etwa 100 Essen am Tag verkauft werden. Hendrik Susemihl ist einer der Gründer von Goodbytz. Foto: Goodbytz Zuletzt konnte Goodbytz den Personaldienstleister Avitea, der zur Hella-Gruppe gehört, sowie die Otto-Gruppe als Kunden gewinnen. Im vietnamesischen Restaurant Vipho in Frankfurt kocht ebenfalls der Roboter. Zudem werden die Geräte in Österreich vom Handelshaus Wedl unter der Marke Happybytz vertrieben. Einer der dortigen Roboter kocht in einem Bistro im Landeskrankenhaus der Stadt Hall in Tirol. Demnächst soll auch noch die Expansion in die Schweiz erfolgen. „Dann sind wir in der DACH-Region voll aktiv“, sagt Susemihl. In den vergangenen Monaten gewann Goodbytz einige neue Kunden, doch den eigenen Prognosen hängt das Unternehmen derzeit etwas hinterher. Im Interview mit der WirtschaftsWoche im Herbst 2025 peilte Susemihl für das Jahr 2026 die Auslieferung von 100 bis 150 Geräten an. Die Geschwindigkeit konnte Goodbytz nicht halten, musste zuletzt beim Vertrieb das Tempo drosseln. Man habe für Folgeaufträge mehr Zeit gebraucht, als zuvor geplant. „Wir liefern weiter aus. Aber in einem Maße, das gesund und realistisch ist“, sagt er. „Wir wollen keine Kantine ersetzen“ Wo Goodbytz weiter wachsen soll? Als potenzielle Orte für seinen Roboter sieht Susemihl – neben Militäreinrichtungen oder Krankenhäusern – Unternehmen, wo es hinsichtlich der Lebensmittelversorgung kein Angebot gibt. Dazu gehören Firmen mit Außenstandorten, fernab von Gastronomie oder Kantine. „Wir wollen aber keine Kantine ersetzen“, sagt Susemihl. Goodbytz selbst nutzt einen Roboter für den eigenen Standort auf dem Otto-Campus in Hamburg als Betriebsrestaurant. Den Einsatz von Robotern in der Gastronomie, um eine Lieferküche über Dienstleister wie Lieferando oder Uber Eats zu betreiben, sieht er aus wirtschaftlicher Sicht eher kritisch. „Lieferdienste nehmen zu viel von der Marge, so dass es schwierig wird, profitabel zu werden“, sagt er. Rüstungsindustrie Deutsches Start-up fertigt Container-Küche für den Kriegseinsatz Das Tech-Unternehmen Goodbytz aus Hamburg liefert einen neuen Kochroboter an die US-Armee. Das Gerät soll die Soldaten auch an der Front versorgen können. von Florian Weyand Wie komplex das Geschäft mit den Kochrobotern ist, zeigten zuletzt die Ereignisse beim Goodbytz-Mitbewerber Circus. Das börsennotierte Unternehmen aus München, das unter anderem drei Geräte bei Rewe und einen Roboter in einem Restaurant in Ingolstadt zum Einsatz brachte, kassierte vor wenigen Tagen die eigene Umsatzprognose für das laufende Jahr ein. Für 2026 wurden Umsätze zwischen 44 und 55 Millionen Euro erwartet. Mit Blick auf das Jahr 2025, in dem Circus 1,5 Millionen Euro erwirtschaftete, wäre das im besten Fall ein satter Sprung um etwa 3500 Prozent. Nun, acht Monate nach der Prognose, musste Circus die eigene Erwartung abräumen und deutlich nach unten korrigieren: auf nur noch 5,2 Millionen Euro. Bei Anlegern war der Ärger groß. Zwischenzeitlich brach die Circus-Aktie um mehr als 50 Prozent ein. Das Wertpapier, das in der Spitze auf 32 Euro nach oben schoss, wird mittlerweile nur noch für etwa 2 Euro gehandelt. Rückschlag für Mitbewerber Circus Fragen warf zuletzt bei Anlegern auch der kurzfristige Abgang des langjährigen Finanzchefs Fabian Becker auf. Am 6. Juli teilte Circus dem Kapitalmarkt mit, dass der CFO das Unternehmen verlasse, „um seinen eigenen unternehmerischen Weg zu gehen“. Wenige Tage später wurde Becker als CEO bei der Standard Capital Partners AG, einem Unternehmen aus dem Umfeld des Circus-Investors BlackMars Capital, vorgestellt. Der Bedarf nach frischem und günstigem Essen mag vorhanden sein. Gerechnet haben sich die Roboter für beide Hersteller noch nicht – zumindest wenn man auf die bisher veröffentlichten Geschäftsberichte schaut. Goodbytz wies im Jahr 2024 einen Verlust von 3,44 Millionen Euro aus. Wirtschaftlich sieht sich das Start-up jedoch gut aufgestellt. Laut Branchenmagazinen wurden bis 2023 etwa 12 Millionen Euro von Investoren eingesammelt. Ein aktueller Geschäftsbericht für 2025 liegt im Bundesanzeiger noch nicht vor. Mitbewerber Circus führte Ende 2025 eine Kapitalerhöhung durch und sammelte etwa 30 Millionen Euro ein. Das Unternehmen wies für das abgelaufene Jahr einen Fehlbetrag von 21,7 Millionen Euro aus. Im vorherigen Jahr betrug der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit minus 24 Millionen Euro. Anleger fragen sich, ob demnächst eine weitere Kapitalerhöhung nötig sein wird. Aktuell teilt Circus jedoch mit, dass das Unternehmen „ausreichend finanziert“ sei. Lesen Sie auch: Pasta, Porridge, Curry – in diesen Rewe-Märkten kocht jetzt ein Roboter Legen Sie die WiWo als Ihre wichtige Nachrichtenquelle fest. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! Anzeige Bellevue Ferienhaus Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen Anzeige Übersicht Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche Anzeige Finanzvergleich Die besten Produkte im Überblick