Ryanair-Passagier fast aus Flugzeug gesaugt - die Hintergründe
Eigentlich hätte es ein Routineflug werden sollen, wie sie gerade jetzt zur Urlaubssaison täglich zu Tausenden in Europa abgewickelt werden. Doch am Freitagmorgen meldete der Pilot des Ryanair-Fluges von Thessaloniki nach Memmingen kurz nach dem Start eine Luftnotlage und kehrte um. Nach knapp 75 Minuten landete die Boeing 737-800 NG wieder im griechischen Thessaloniki. Im Steigflug war ein Fenster in der Kabine geplatzt, Sauerstoffmasken fielen von der Kabinendecke. Wegen des Druckunterschiedes wurden Kopf und Oberkörper des Passagiers auf dem Nebensitz des geplatzten Fensters regelrecht nach draußen gesaugt. Seine neben ihm sitzende Frau und andere Passagiere klammerten sich an ihn und konnten ihn schließlich zurück in die Kabine ziehen. Nach griechischen Medienberichten musste er mit sogenannten Reibungsverbrennungen und Nackenverletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Triebwerksschaden als wahrscheinliche Ursache Inzwischen verdichten sich die Hinweise auf die Unfallursache. Auch wenn es noch eine Weile dauern wird, bis eine offizielle Analyse vorliegt, spricht sehr viel dafür, dass ein Triebwerksschaden eine Kettenreaktion auslöste, bis hin zum zerstörten Fenster. So bestätigte die für Boeing zuständige US-Behörde National Transportation and Safety Board NTSB [externer Link] gegenüber mehreren Medien Probleme am rechten Triebwerk der Unglücksmaschine. Verschiedene Fotos und Videos in sozialen Medien sowie Äußerungen von griechischen Flughafenmitarbeitern stützen diese These. In der Fachwelt ist von einem sogenannten Uncontained Engine Failure die Rede. Vereinfacht gesagt brach offenbar eine Triebwerksschaufel, durchschlug mit hoher Geschwindigkeit die Ummantelung des Motors und prallte dann auf das Fenster, das diesem Einschlag nicht standhielt. Auf Fotos des Fachportals Aviation Herald [externer Link] sind die Schäden dokumentiert. Seltenes Unglück, aber nicht das erste seiner Art Eigentlich gelten die Boeing-Maschinen vom Typ 737-800 NG (die Vorläufer der 737 MAX) als zuverlässige Arbeitspferde, die bei zahlreichen Airlines in der Regel problemlos im Dauereinsatz sind. Allerdings ist der Unfall vom Freitag nicht der erste seiner Art bei diesem Modell. Aus den vergangenen Jahren sind nämlich mindestens zwei Fälle dokumentiert, bei denen nach Motorschäden ebenfalls Teile von Triebwerksschaufeln die Flugzeughaut oder Fenster schwer beschädigten. Bei einem Vorfall an Bord eines Fluges von Southwest Airlines von New York nach Dallas wurde eine Passagierin im April 2018 getötet. Die US-Luftfahrtaufsicht schrieb danach vor, dass die entsprechenden Triebwerke so nachgebessert werden müssen, dass ihre Ummantelung nicht mehr so leicht durchschlagen werden kann. Damals wurde den Fluggesellschaften eine Frist bis zum Jahr 2028 gesetzt. Ob die Unglücksmaschine der Ryanair-Tochter Malta Air bereits entsprechend umgerüstet wurde, ist nicht bekannt. Wie können sich Passagiere schützen? Auch wenn schwerwiegende Unfälle in der Luftfahrt extrem selten sind: Reisende sollten an Bord von Flugzeugen immer einige grundlegende Regeln beachten. So weist das Luftfahrtbundesamt in einer Broschüre (externer Link) darauf hin, dass man während des Fluges immer den Sicherheitsgurt anlegen und vernünftig festzurren sollte. Auch dann, wenn die bei Start und Landung vorgeschriebenen Anschnallzeichen nicht leuchten. Denn trotz modernster Technik komme es zum Beispiel immer wieder zu unvorhergesehenen Turbulenzen, die auch ein Großraumflugzeug heftig durchschütteln können. Nur ein sauber angelegter Sicherheitsgurt verhindert dann, dass man von seinem Platz geschleudert wird. Auch sollten alle Gegenstände, die man gerade nicht braucht, ordentlich verstaut werden, damit sich zum Beispiel Handys in einer Notsituation nicht in Geschosse verwandeln.