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Ryanair streicht Berlin und Bremen: Warum die Bundesregierung daran schuld sei

Wirtschaft

Gleich zweimal hat Ryanair gerade Mitteilungen verschickt, in denen es nicht ums Verkaufen, sondern ums Streichen geht. Die letzten sieben in Berlin stationierten Ryanair-Flugzeuge werden abgezogen, die deutsche Hauptstadt seltener und nur noch mit Fliegern aus dem Ausland bedient. In Bremen soll von April 2027 an gar kein Ryanair-Jet mehr landen.

Zusammen mit anderen Kürzungen geht es um 1,2 Millionen Sitze je Flugplanhalbjahr, die Ryanair nicht mehr verkaufen will – zumindest nicht für Flüge von und nach Deutschland. Die Höhe der vom Bund veranlassten Steuern und Gebühren bezeichnet man als „exorbitant“ und „astronomisch“. Anderswo wächst der Billigflieger stramm.

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Ryanair-Vertriebschef Jason McGuinness sagte, der hiesige Flugmarkt leide, weil die „deutsche Bundesregierung ihre Krise der Wettbewerbsfähigkeit im Luftverkehr weiterhin ignoriert“. Das ist schon nah an einer These, die Bundesregierung sei schuld dran, dass Bremern durch weniger Flüge das Reisen verleidet werde. Ryanair-Vorstand Eddie Wilson forderte Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) auf, die Luftverkehrsteuer abzuschaffen und Abgaben für Kontrollen und Lotsen zu halbieren, dann könne das Ryanair-Angebot in Deutschland gar verdoppelt werden.

Auch die Deutsche Lufthansa hat gekürzt und sich mit ihrer Kritik an der Höhe von Luftverkehrsteuer und Abgaben auf den Bund eingeschossen. Dass Flughäfen, an denen mitunter Länder Anteile halten, Nutzungsentgelte senkten, genüge nicht. Nicht Lufthansa, sondern die Bundesländer benötigten „gezielte Entlastungen des Bundes mit möglichst großer Wirkung“.

Andernfalls drohten weitere Einschnitte bei der Anbindung deutscher Regionen, schrieb Lufthansa in ihrem Lobbyrundbrief. Das Präsidium der CDU beschloss am Montag, im Kampf gegen eine weitere Verkehrsausdünnung müsse der Bund „kurzfristig“ Lotsengebühren senken und die Ticketsteuer auf ein Niveau reduzieren, „das die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Luftverkehrsstandorts wieder herstellt“.

Nur noch fünf deutsche Ryanair-Basen

Vor allem kürzere Flüge stehen bislang zur Disposition. „Verluste auf Kurzstrecken verzehren die Gewinne auf Langstrecken“, sagte jüngst Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr: „Das kann nicht so bleiben.“ Paderborn und Friedrichshafen wurden aus dem Plan genommen, von Bremen aus alle Zubringer zu den in Frankfurt startenden Fernstrecken. Nach Protesten aus Bremen wird 2027 zumindest einer der vormals fünf Flüge wieder aufgenommen. Vor Jahren war Lufthansa zudem stolz, von Berlin oder Hamburg aus im Stundentakt wie ICE-Züge zu den Umsteigeknoten Frankfurt und München zu düsen. Mittlerweile klaffen im Takt bis zu drei Stunden lange Lücken.

Ryanair hat kein Interesse einzuspringen. Zwar wollen die Iren 2034 insgesamt 300 Millionen Passagiere befördern, im vergangenen Geschäftsjahr waren es 208 Millionen. Die Flotte soll von 647 Flugzeugen auf mindestens 800 wachsen. Doch in Deutschland bekommen Reisende davon wenig mit. Zu seinen Geschäftszahlen zeigt Ryanair stets eine Landkarte. Von 222 angeflogenen Städten sind 95 gelb unterlegt. Dort hat Ryanair Flugzeuge stationiert. Für Deutschland sind mit Weeze am Niederrhein, Hahn im Hunsrück, Köln, Nürnberg und Memmingen fünf gelbe Felder verblieben – genauso viele wie für Marokko. In Italien sind es 20.

Der Name Ryanair ist wie kein anderer mit dem Konzept des Billigfliegers verbunden. Durch Aktionen, mit denen einige Tickets für einen Euro angeboten wurden, erlangte Ryanair auch hierzulande besondere Bekanntheit. Wegen gestiegener Personal- und Kerosinkosten kosten die Tickets längst mehr. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) errechnete in einer Stichprobe für Flüge von Deutschland aus am 14. April 2026 einen Ryanair-Durchschnittspreis von 89,73 Euro. Weit entfernt vom Marktschreierangebot, aber günstiger als die Lufthansa-Zweitmarke Eurowings mit einem Durchschnitt von 141,19 Euro.

60 Flugzeuge abgezogen

Deutschland ist keine Domäne der Billigflieger wie Ryanair, Easyjet oder Wizzair mehr. Laut DLR sorgten Billigflieger in ganz Europa für ein Drittel aller Starts, hierzulande ist die Quote auf 21 Prozent gefallen. Auch Easyjet hat gekürzt. Der wesentliche Grund sei aber, dass Ryanair stark reduziert habe – im Vergleich zwischen Beispielwochen 2019 und 2026 um 41 Prozent, heißt es. Seit 2019 hätten alle Billigflieger zusammen 60 Flugzeuge aus Deutschland abgezogen, das Aus der Berlin-Basis von Ryanair ist noch nicht enthalten.

Bei kürzeren Strecken spielen staatliche Abgaben eine besondere Rolle. Gebühren für Sicherheitskontrollen und Lotsen fallen einmal an – egal ob der Flug 45 Minuten oder zehn Stunden dauert. Laut Branchenverband BDL musste eine Airline 2025 rund um den Start eines Airbus A320 mit 150 Passagieren von Düsseldorf aus 4601 Euro für Luftverkehrsteuer, Sicherheits- und Lotsengebühren aufbringen. Nach der Senkung der Ticketsteuer zum 1. Juli sind es 375 Euro weniger. Aber im Jahr 2019 beliefen sich die Abgaben nur auf 2227 Euro. In Madrid oder Stockholm, beides Ryanair-Basen, sind laut BDL weniger als 1000 Euro fällig.

Bei ihren Kürzungen gehen die Airlines furchtlos vor, denn niemand springt ein. „Dass konkurrierende Airlines entstehende Angebotslücken nicht schließen, macht deutlich: Deutschland hat ein strukturelles Kostenproblem“, stellte Lufthansa fest. Wie weit weitere Einschnitte reichen könnten, blieb offen. Auf null wird Lufthansa ihre Inlandsflüge nicht kürzen. Eine Mindestzahl benötigt sie zwingend als Zubringer, um Langstreckenflüge von Frankfurt und München aus mit Umsteigern zu füllen. Intern ist aber der Hinweis zu hören, dass Fernflüge in Frankfurt täglich in vier zeitlichen Startwellen abheben. Bislang gibt es über den Tag verteilt zehn oder mehr Flüge aus Berlin und Hamburg dorthin.

Kürzere Flüge spielen auch für Geschäftsleute eine Rolle, die für einen Termin an einem Tag hin und zurück wollen. Seit 2019 ist die Zahl der Ziele, die so erreichbar sind, rückläufig. Laut BDL ist sie in Frankfurt um sechs Prozent, in Stuttgart gar um 23 Prozent gefallen ist. Es gebe eine „schleichende Abkopplung Deutschlands vom internationalen Luftverkehr“, sagte BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang dazu. Nach dem CDU-Votum für niedrigere Abgaben mahnt er zur Eile. Die Regierung müsse „konkrete Maßnahmen“ folgen lassen. „Weitere Absichtserklärungen halten keine Flugverbindung im Markt“, sagt Lang.

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