DAX +0,44 % 25.818,21 Pkt 18:00:00 MDAX +0,15 % 30.472,32 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -1,22 % 6.131,31 Pkt 18:00:00 Dow Jones -1,34 % 51.770,31 Pkt 21:47:53 S&P 500 -2,12 % 7.580,07 Pkt 21:47:43 Nasdaq -4,19 % 25.437,00 Pkt 22:15:59 Nikkei -2,12 % 63.290,11 Pkt 07:45:03 Gold 0,00 % 3.898,90 USD 21:59:59 Silber +0,36 % 49,28 USD 21:59:59 Brent -3,58 % 113,43 USD 21:59:57 WTI 0,00 % 104,12 USD 21:59:59 Bitcoin +0,40 % 77.746,97 USD 06:32:29 EUR/USD +0,09 % 1,11660 USD 22:29:29 EUR/GBP -0,44 % 0,83320 GBP 22:27:29 EUR/CHF -0,32 % 0,92060 CHF 06:21:10 EUR/JPY -0,23 % 175,650 JPY 06:21:10

Sabotage an Stromleitungen: Polizei stürmt Fahrzeug, Sabotageverdächtiger auf der Flucht

Nation

Die Polizei fahndet weiter nach einem Mann, der Sabotageaktionen gegen das deutsche Stromnetz verübt haben soll. »Wir befinden uns immer noch in der Fahndungslage«, sagte eine Sprecherin der Polizei Köln. Am Freitagnachmittag hatte ein Spezialkommando in einem Wald das Fahrzeug des Verdächtigen gestürmt, den Gesuchten aber nicht vorgefunden. Bei dem Fahrzeug handelt es sich nach Behördenangaben um einen Lastwagen, der augenscheinlich zu einem Wohnmobil umgebaut worden war.

Laut dem nordrhein-westfälischen Innenminister Herbert Reul ist der Zugriff in Niederzier bei Düren in Nordrhein-Westfalen erfolgt. Jetzt sei der 48-jährige Mann vermutlich zu Fuß unterwegs, sagte der CDU‑Politiker. Es gebe keine weiteren Indizien, dass der Verdächtige besonders gefährlich sei. Zuvor hatte die Bild-Zeitung über die Polizeiaktion berichtet.

Nach Recherchen der ZEIT gibt es mehrere Indizien, die darauf hinweisen, dass der Verdächtige tatsächlich für die Anschlagsserie auf die Umspannwerke verantwortlich sein könnte. Der Mann namens Daniel V. war nach ZEIT-Informationen in der Vergangenheit nie mit Extremismus oder politischen Äußerungen aufgefallen. Er studierte Medizin, arbeitete jedoch schon seit Langem nicht mehr als Arzt. Vor etwa einem Jahr habe er Kontakt zu mehreren Angehörigen abgebrochen.

Sprengstofffunde in Wohnung des Verdächtigen

Während einer Pressekonferenz hatte Reul zuvor gesagt, in der Wohnung des Verdächtigen in Gevelsberg sei Sprengstoff gefunden worden. Es habe sich um die Stoffe Kaliumnitrat und Kaliumperchlorat gehandelt, hieß es später ergänzend.

Der Mann soll mehrere Bekennerschreiben zu den Sabotageversuchen verfasst haben. Darin habe er sich zum Kampf ‌gegen ⁠fossile Energieträger bekannt. »Nach aktuellem Stand muss man von ​Klimaextremismus ausgehen«, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) auf derselben Pressekonferenz. Eine abschließende Beurteilung sei aktuell jedoch noch nicht möglich.

Detailliertes Täterwissen in Schreiben

»Wir prüfen, ob der Verfasser tatsächlich mit den Taten zu tun hat«, sagte auch Reul. Stand jetzt bewerte man die Briefe als authentisch. Das Schreiben mit Namen und Adresse des Mannes enthalte detailliertes Täterwissen zu den Sabotageakten. Die Familie des Verdächtigen bestätigte gegenüber der ZEIT, dass es sich um die Handschrift von Daniel V. handle. Reul sagte aber auch: »Wenn jemand seinen Namen druntersetzt, ist er nicht zwingend der Verantwortliche.«

Neben einem möglichen linksextremistischen Hintergrund werde weiter auch eine mögliche »fremdstaatlich gesteuerte Sabotage« nicht ausgeschlossen. Man prüfe, ob der Verdächtige allein gehandelt habe und ob es Verbindungen zu ähnlichen Vorfällen in Brandenburg gebe.

Mehrere Gefährdungslagen für Deutschland

Unbekannte hatten am Dienstag Sabotageakte gegen Umspannwerke in Bergheim bei Köln und im brandenburgischen Jänschwalde verübt. Offenbar wurden feuerwerksähnliche Raketen mit leitfähigem Material über Höchstspannungsleitungen gelenkt, sodass es zu Kurz- beziehungsweise Erdschlüssen kam. Am Donnerstag fand die Polizei in NRW in Dormagen und in Weisweiler weitere Abschussvorrichtungen.

Nach Dobrindts Worten hat Deutschland aktuell »mit unterschiedlichen Bedrohungs- und Gefährdungslagen gleichzeitig« zu tun. Dazu gehörten Sabotage, Spionage, Cyberangriffe, verdeckte Aktionen, Extremismus und Staatsterrorismus. »Wir schützen uns zunehmend auch gegenüber all diesen Bedrohungslagen«, sagte der CSU-Politiker.

Polizeieinsatz in Sachsen

Im Zusammenhang mit Angriffen auf die Stromversorgung hat die Polizei auch in Sachsen »unbekannte Sprengvorrichtungen« entdeckt. »Die Polizeikräfte haben in dem noch laufenden Einsatz an zwei Fundorten vier Objekte gesichert und gehen jetzt die Entschärfung an«, teilte Innenminister Armin Schuster (CDU) auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit. Der Polizeieinsatz dauert an. Teilweise seien Polizisten die ganze Nacht über mit der Sicherung von Spuren beschäftigt gewesen, sagte eine Sprecherin der Polizeidirektion Görlitz.

Hinweise darauf hätten sich aus einem Bekennerschreiben ergeben. Unmittelbar nach dessen Eingang seien schon am Donnerstag intensive Suchmaßnahmen eingeleitet worden, sagte Schuster. »Die sächsischen Sicherheitsbehörden stehen mit allen weiteren betroffenen Ländern in enger Abstimmung.«

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren