Saboteur plante 150 Anschläge
Nach der Festnahme des mutmaßlichen Strom-Saboteurs Daniel V. berichtete NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) im Innenausschuss des NRW-Landtags über weitere Erkenntnisse der Ermittler. Demnach sind weitere "potenzielle Tatörtlichkeiten" bekannt geworden, "bei uns in NRW, aber auch in anderen Bundesländern und sogar im benachbarten Ausland", so Reul.
Allein in NRW hätten die Ermittler bislang über 40 Einrichtungen gefunden, die zum Abschuss von leitfähigem Material auf Leitungen von Umspannwerken dienen. So sollte ein Kurzschluss mit anschließendem Stromausfall herbeigeführt werden. Im sichergestellten Lkw des Tatverdächtigen habe die Polizei ein "Notizbuch mit mehreren handschriftlichen Vermerken" gefunden zu über 150 Sabotagezielen. Sämtliche Orte seien abgesucht worden. Nach der Festnahme habe Daniel V. zudem sieben Orte benannt, an denen er Lager eingerichtet habe. "Wir haben nicht nur den mutmaßlichen Täter der Anschläge gefasst, sondern damit womöglich immer weitere Anschläge verhindert", sagte der Innenminister.
Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen
Nach WDR-Informationen hat mittlerweile die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Die Behörde habe wegen der besonderen Bedeutung den Fall übernommen, sagte eine Sprecherin.
1.700 Einsatzkräfte in NRW
Der Innenminister skizzierte auch den Verlauf der bisherigen Ermittlungen. In NRW seien über 1.700 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz gewesen. Man habe die Lage sehr ernst genommen und unmittelbar nach den ersten Sabotageakten in NRW eine "Besondere Aufbauorganisation" bei der Polizei eingerichtet und mit anderen Bundesländern zusammengearbeitet.
Auch das Landeskriminalamt NRW und das "Gemeinsame Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen" seien in die Ermittlungen eingebunden. Aktuell prüfe die Generalbundesanwaltschaft eine mögliche Übernahme des Verfahrens.
Diese Forderungen leitet Reul aus den Vorgängen ab
Reul betonte mehrfach die Gefahren, die von den Anschlägen ausgegangen seien: "Wer so vorgeht, will nicht nur Leitungen treffen - derjenige will unser Land treffen." Dabei sei in Kauf genommen worden, "dass die Stromversorgung für Menschen zuhause ausfällt, in Krankenhäusern, Altenheimen, Pflegestationen, Bahnanlagen, an Flughäfen und wo sonst noch", zählte der CDU-Politiker auf. "Jemand, der das macht, riskiert Menschenleben!"
Darum müsse die Kritische Infrastruktur besser geschützt werden. Dazu bräuchten nach Auffassung von Reul die Betreiber Kritischer Infrastruktur mehr Rechte, aber auch Pflichten. Diese müssten bundeseinheitlich geregelt werden. Das im März in Kraft getretene "KRITIS-Dachgesetz" zum Schutz der Infrastruktur müsse nun konkretisiert werden. Sowohl Transparenz als auch Datenschutz seien zu überdenken, regte der Minister an.
Unsere Quellen:
Innenausschuss-Sitzung im NRW-Landtag
WDR-Informationen zu Ermittlungen der Bundesanwaltschaft
Material der Nachrichtenagentur dpa
Eigene Berichterstattung
Sendung: WDR.de, Plattgetretenes Gras führt zu mutmaßlichem Stromnetz-Saboteur, 10.09.2026, 8:33 Uhr
Sendung: WDR.de, Strom-Saboteur soll mehr als 150 Anschläge geplant haben, 10.09.2026, 14:00 Uhr