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Sachsen-Anhalt: Wechsel zur AfD? Das sagen die 15 CDU-Abgeordneten dazu

Nation

Ringen um Mehrheiten

Wechsel zur AfD? MDR hat alle 15 CDU-Abgeordneten gefragt

Stand: 11.09.2026 10:05 Uhr

CDU-Überläufer könnten der AfD in Sachsen-Anhalt zur Parlamentsmehrheit verhelfen. Wahlsieger Ulrich Siegmund hat Gespräche mit potenziellen Seitenwechslern auch bestätigt. MDR INVESTIGATIV hat daher alle 15 CDU-Abgeordneten nach ihrer Wechselbereitschaft gefragt. Das sind die Antworten.

von Jana Merkel, Marcus Engert, Daniel Salpius, MDR INVESTIGATIV

Zwar hat die AfD die Landtagswahl klar gewonnen. Doch zur angestrebten absoluten Mehrheit fehlen der rechtsextremen Partei drei Sitze im Landtag.

Für den Fall eines knappen Wahlausgangs war schon länger spekuliert worden, ob Abgeordnete der CDU oder der AfD die Seiten wechseln könnten, abhängig von den Mehrheitsverhältnissen.

Nach der herben Wahlschlappe gilt es nun als unwahrscheinlich, dass die CDU möglichen Abweichlern aus der AfD ein attraktives Angebot in Form von Posten machen kann. Die AfD hingegen dürfte großes Interesse daran haben, die drei fehlenden Sitze womöglich mit Überläufern aus den Reihen der neu gewählten CDU-Fraktion zu besetzen.

Ulrich Siegmund: "Diese Gespräche laufen"

Und so bestätigte AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund am Montag: "Diese Gespräche laufen". Man habe sich schon in der Nacht der Wahl mit Politikern anderer Parteien ausgetauscht. Für ihn sei entscheidend: "Wer sind diese Menschen und kann man das so machen, dass wir politisch unseren Werten treu bleiben."

Wer aber könnten die CDU-Abgeordneten sein, die sich einen Wechsel vorstellen können? Und was würde das für die CDU bedeuten?

MDR INVESTIGATIV hat alle 15 neu gewählten CDU-Abgeordneten angefragt: 14 von 15 Mitgliedern der künftigen CDU-Fraktion schlossen einen Seitenwechsel aus.

CDU-Abgeordnete: "Wechsel wäre niederträchtig"

René Barthel, bisher Sprecher für kommunale Unternehmen und Strukturwandel in der CDU-Fraktion, antwortete, er würde einen solchen Wechsel sehr kritisch bewerten: "Die Wählerinnen und Wähler haben ihre Entscheidung im Vertrauen auf eine Kandidatur für die CDU und die damit verbundenen politischen Grundüberzeugungen getroffen. Ein Wechsel unmittelbar nach der Wahl wäre aus meiner Sicht ein Bruch dieses Vertrauens und letztlich eine Täuschung der Wählerinnen und Wähler."

Auch Karin Tschernich-Weiske, die bisher die Arbeitsgruppe Recht der Fraktion leitete, erklärte, sie könne sich solche Wechsel nicht vorstellen: "Das würde mich fassungslos machen. Das wäre gegen alles, was die CDU ausmacht", so Tschernich-Weiske auf Anfrage.

Sandra Hietel-Heuer wurde noch deutlicher: "Ein Wechsel wäre schwer parteischädigend, kurz gesagt niederträchtig", so die bisherige umweltpolitische Sprecherin der Fraktion.

Lars-Jörn Zimmer hingegen ließ die Anfrage von MDR INVESTIGATIV auch auf mehrfache Nachfrage hin unbeantwortet.

Im Sommer 2019 war Zimmer 2019 Mitverfasser einer sogenannten "Denkschrift", in der er und andere Unterzeichner forderten, es müsse "wieder gelingen, das Soziale mit dem Nationalen zu versöhnen". Eine CDU-Minderheitsregierung, die dann auch von der AfD toleriert würde, hatte er 2020 für "absolut denkbar" bezeichnet – die Formulierung später intern jedoch nach Rüffeln aus seiner eigenen Partei als Fehler bezeichnet.

Die Antworten der 15 CDU-Abgeordneten zum Nachlesen:

CDU-Fraktion gespalten

Der Grund: Die neue CDU-Fraktion wirkt bereits jetzt gespalten. Der überraschend harte Wettstreit um den Fraktionsvorsitz zwischen dem scheidenden Ministerpräsidenten Sven Schulze und dem bisherigen Fraktionschef Guido Heuer ging am Dienstag denkbar knapp aus: mit acht zu sieben Stimmen für Schulze. Mit diesem Manöver hat Schulze die Fraktion kurz nach der verlorenen Wahl in zwei Lager geteilt; Heuer-Getreue zeigten sich im Nachgang irritiert von dem Vorgehen.

Auch die Abstimmungsergebnisse für weitere Posten sollen nach Informationen von MDR INVESTIGATIV ähnlich knapp ausgefallen sein. Geschlossen und geeint tritt die CDU nach der Wahlniederlage demnach nicht auf.

AfD-Posten für CDUler schwer vermittelbar

Sollte es zu Seitenwechslern aus der Union zur AfD trotz aller Dementi kommen, dürfte spannend werden, was die AfD ihnen anbietet. Auch wenn sich öffentlich dazu niemand äußern will: Hinter vorgehaltener Hand hört man immer wieder, es sei schwer vermittelbar, wenn eigene Leute, die sich für die AfD monatelang im Wahlkampf abgemüht haben, bei der Verteilung von Posten leer ausgingen – und stattdessen Menschen, die man den sogenannten “Altparteien” zurechne, belohnt würden. Fraglich sei auch, wie man das der eigenen Wählerschaft vermitteln wolle, die die AfD und damit einen Politikwechsel gewählt hätten, dann aber CDU-Personal bekämen.

Tatsächlich dürften angesichts des Wahlergebnisses auch vormals wechselwillige CDU-Mitglieder inzwischen eher Abstand von einem Parteiwechsel nehmen: Jene, die überhaupt mit dem Gedanken gespielt hätten, hätten dies als Drohkulisse und Protest gegen eine Zusammenarbeit der CDU mit der Linkspartei gesehen, heißt es – eine Option, die nun ohnehin entfallen dürfte, wenn die CDU in die Opposition geht.

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