DAX +0,66 % 25.629,24 Pkt 18:00:00 MDAX -0,82 % 31.980,52 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,21 % 6.358,01 Pkt 18:00:00 Dow Jones +1,73 % 52.485,03 Pkt 23:22:18 S&P 500 +2,37 % 7.489,72 Pkt 23:22:12 Nasdaq +3,81 % 25.373,85 Pkt 23:15:59 Nikkei +4,03 % 64.362,02 Pkt 08:45:03 Gold +1,43 % 4.107,00 USD 22:59:54 Silber +0,34 % 57,79 USD 22:59:48 Brent 0,00 % 90,12 USD 20:28:19 WTI 0,00 % 84,67 USD 22:59:59 Bitcoin +0,47 % 63.055,20 USD 16:22:12 EUR/USD +0,52 % 1,15270 USD 23:29:53 EUR/GBP -0,31 % 0,85510 GBP 23:29:53 EUR/CHF -0,23 % 0,93060 CHF 23:29:53 EUR/JPY -3,08 % 181,491 JPY 23:29:53

Samstag auf dem Herzberg: Wo das Wunderland längst Wirklichkeit ist

Nation

02.08.26 - Nachdem die Samstagmorgen-Müdigkeit langsam abgeschüttelt ist und Kaffee oder Tee den "Hallo-wach-Modus" wieder eingeschaltet haben, beginnt der dritte Tag des Herzberg-Festivals. Nicht mit Eile. Sondern mit Gelassenheit. Der Himmel zeigt sich bewölkt, die Luft ist angenehm kühler als an den Tagen zuvor. Hier und da verirrt sich ein einzelner Regentropfen auf den staubige Wegen, als wolle selbst das Wetter nur kurz Guten Morgen sagen. Das Festival erwacht langsam. Ganz allmählich. Jeder sucht sein eigenes Tempo. Seine eigene Langsamkeit. Rund 10.000 Besucher waren an diesem Samstag auf dem Festivalgelände unterwegs. Trotzdem wirkt nichts hektisch. Die Menschen verteilen sich über die weitläufigen Wiesen, zwischen Bühnen, Zelten und schattigen Plätzen. Überall entstehen kleine Begegnungen, Gespräche und spontane Musikmomente – genau jene Mischung, die den Herzberg seit Jahrzehnten ausmacht. Das Wunderland ist längst Wirklichkeit Am dritten Tag des Herzberg-Festivals braucht niemand mehr einem weißen Kaninchen zu folgen. Das Wunderland ist längst Wirklichkeit geworden. Wer jetzt über die Wiesen zwischen Zelten, bunten Fahnen und den Bühnen schlendert, ist mittendrin in einer Welt, die ihre ganz eigenen Regeln kennt. Voller Musik, Fantasie und einer Gemeinschaft, die den Alltag für ein paar Tage vergessen lässt. Es ist ein bisschen wie bei Alice im Wunderland. Nur dass hier keine Spielkarten durch die Luft wirbeln, sondern Gitarrenklänge über die Hügel ziehen. Statt einer verrückten Teegesellschaft begegnet man lachenden Menschen vor ihren Zelten, barfüßigen Tänzern im Staub und Musikern, die den Soundtrack für eine Welt liefern, in der Frieden, Vielfalt und Lebensfreude zu Hause sind. Am dritten Festivalmorgen ist aus dem Ankommen längst ein Zuhause auf Zeit geworden. Nachbarn begrüßen sich wie alte Freunde, der erste Kaffee dampft vor den Zelten, aus allen Richtungen erklingen Gitarren, Trommeln und spontane Jam-Sessions. Über dem Gelände liegt dieses unverwechselbare Herzberg-Gefühl: ein Zauber, der sich nicht erklären lässt, sondern nur erleben. Träumen mit offenen Augen Tag drei ist der Moment, an dem man sich fragt, ob man träumt. Und sofort die Antwort bekommt: Ja. Aber auf dem Herzberg darf man das sogar mit offenen Augen. Dieses Festival ist wie ein Roadtrip ohne Navi. Jeder geht seinen eigenen Weg, tanzt sich von Bühne zu Bühne, bleibt plötzlich bei einem Straßenmusiker stehen oder verliert sich in einem Gespräch, das eben erst begonnen hat und sich trotzdem anfühlt, als kenne man sich schon seit Jahren. "Ich glaube nicht, dass es Liebe ist", sagt Hank nachdenklich. Der Niederländer ist gemeinsam mit seiner Freundin Jolanda zum ersten Mal auf dem Herzberg. Freunde aus der Heimat hatten ihnen immer wieder von diesem besonderen Ort vorgeschwärmt. Dieses Jahr sind sie einfach mitgekommen. "Das hier ist viel größer." Jolanda nickt. Sie sei verliebt – in Hank. Und inzwischen auch in diesen Ort und seine Menschen. Auf die Frage, was die beiden nach ihrer Rückkehr in den Niederlanden erwartet, muss Hank lachen. "Dat wil je niet weten – gewoon de dagelijkse sleur en een baan die niet meer is dan een baan." Übersetzt heißt das ungefähr: Das willst du gar nicht wissen – einfach der ganz normale Alltag und ein Job, der eben nur ein Job ist. Vielleicht ist genau das der Grund, warum so viele Menschen jedes Jahr wiederkommen. Weil hier für ein paar Tage eine Welt existiert, in der Zeit plötzlich eine andere Bedeutung bekommt. Ein Samstag voller Saiten, Worte und großer Bühnen Während andernorts der Samstag Einkaufslisten schreibt, sammelt der Herzberg Erinnerungen. Der Tag beginnt mit Gitarrenunterricht bei Peter Bursch, dessen drei Akkorde schon Generationen von Lagerfeuer-Gitarristen glücklich gemacht haben. Wenig später verwandelt Stella Jantosca beim Poetry Slam Worte in Bilder, bevor Shaggy im Clown-Workshop beweist, dass Lachen manchmal die ehrlichste Sprache überhaupt ist. Am Nachmittag übernahm auf der Mainstage Gitarrenvirtuosin Laura Cox das Kommando. Mittlerweile glühte nicht nur die Stimmung, auch wieder die Sonne. Mit einer Mischung aus Blues, Rock und virtuoser Leichtigkeit spielte sich Laura direkt in die Herzen des Publikums. Danach lieferten My Baby eine wuchtige, hypnotische Performance zwischen Blues, Funk und elektronischen Grooves, die das Publikum langsam auf Betriebstemperatur brachte. Als schließlich Rockpommel’s Band die Bühne betrat, wurde es märchenhaft. Die Hamburger Art-Rocker holten den Geist der Siebziger zurück auf den Herzberg und ließen die Fantasie fliegen. Doch der Abend hatte noch lange nicht sein letztes Kapitel geschrieben. Orange ließen gemeinsam mit Börwangs Klausen noch einmal die Verstärker glühen, bevor Headliner Wolfmother die Mainstage übernahmen. Tausende Hände gingen in die Höhe, Gitarrenriffs schnitten durch die Abendluft, und für einen Moment schien es, als würde der Sonntag einfach ein paar Stunden früher beginnen. Ein Wunderland auf Zeit Und genau darin liegt seit Jahrzehnten die Magie dieses Festivals. Das Herzberg ist kein Festival, das man einfach besucht. Es ist eine Welt, in die man eintaucht. Wer bis zum dritten Tag geblieben ist, merkt schnell: Das Wunderland hat einen Namen. Und jedes Jahr im Sommer liegt es für ein paar Tage auf dem grünen – inzwischen eher angenehm staubigen – Gelände des Hofs Huhnstadt bei Breitenbach am Herzberg. Wenn am Montagmorgen die Sonne wieder aufgeht, werden die meisten ihre Zelte abbauen und zurück in ihr gewohntes Leben fahren. Zur Arbeit. Zu Terminen. Zum Alltag. Aber sie nehmen etwas mit, das in keinen Rucksack passt. Das Gefühl, für ein paar Tage erlebt zu haben, dass eine andere Welt tatsächlich möglich ist. Dass sie jedes Jahr wieder ihre Tore öffnet – hoch oben am Herzberg. (Jürgen Böthig) +++

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren