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Sandro Wagner bei Hannover 96: Der Trainer hat sich verändert

Sport

"Es ist wurscht, wie ich mich fühle"

Der geläuterte Herr Wagner

16.10.2026 - 11:18 UhrLesedauer: 4 Min.

Sandro Wagner ist nach knapp einem Jahr Pause wieder zurück im deutschen Profifußball. Der Trainer hat sich merklich verändert.

Sie haben es versucht. Immer wieder fragten Journalisten auf den Pressekonferenzen von Hannover 96 nach Sandro Wagners persönlichem Empfinden. Wie geht es ihm nach der langen Pause? Wie geht es ihm vor seinem ersten Spiel? Auch am Donnerstag auf der Pressekonferenz vor dem Ligaspiel gegen den FC St. Pauli probierten sie es. Die Antwort aber blieb die Gleiche: "Es ist wurscht, wie ich mich fühle. Es geht um mehr als um eine Einzelperson." Hannover 96 stehe im Fokus, nicht er selbst. "Es gibt keinen Wagner-Fußball, es gibt nur unseren Fußball. Das hier ist keine One-Man-Show."

Sandro Wagner weiß um das Interesse an seiner Person. Der ehemalige Nationalstürmer und Co-Trainer von Julian Nagelsmann während der EM 2024 ist ein bundesweit bekanntes Gesicht. Er weiß aber auch, welche Auswirkungen dieses Interesse haben kann – positiv wie negativ.

Erst die Freude, dann der Gegenwind

Bei der Nationalmannschaft war Wagner noch ein gefeierter Assistent. Mit lockeren Sprüchen und ehrlichen Medieninterviews kam er in der Mannschaft und bei den Fans gut an, ergänzte Julian Nagelsmann in dieser Hinsicht gut. Auch deshalb begann er mit viel Schwung im Sommer 2025 das Kapitel FC Augsburg. Normalerweise ist der Verein in überregionalen Medien kaum ein Thema, doch mit Sandro Wagner an der Seitenlinie änderte sich das. Zu einer Auftaktpressekonferenz war der Presseraum so gefüllt wie noch nie. Man freute sich über die neu gewonnene Aufmerksamkeit.

Die brachte aber auch eine andere Seite mit sich. Polarisierende Aussagen des heute 38-Jährigen verbreiteten sich in Windeseile. Als Wagner seine Mannschaft im August 2025 stärken wollte und sagte, sie habe die gleiche Qualität wie der FC Bayern, erhielt er dafür heftigen Gegenwind.

Später erklärte er, dass er "zwei Stunden später einen Tick anders geantwortet hätte". Die Emotionen nach der knappen Niederlage gegen den deutschen Rekordmeister (2:3) aber übermannten ihn. Auch eine Geste in Richtung des Publikums nach dem 3:1-Sieg der Augsburger gegen Wolfsburg Anfang Oktober 2025 löste einige Diskussionen um seine Person aus.

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Beispiele wie diese zeigten, wie schnell es in erster Linie um Sandro Wagner und nicht um den Verein gehen kann. Das störte auch die aktive Fanszene der Augsburger. "Personenkult und Marketingwahn – das sind nicht unsere Werte" schrieben Ultras des Vereins Ende Oktober 2025 auf ein Banner. Auch "Große Worte, keine Taten – wie lange wollt ihr noch warten?", war dort zu lesen. Wenige Wochen später war das Kapitel Sandro Wagner in Augsburg erledigt und der Medienrummel legte sich.

Um den Trainer selbst wurde es zunächst auch ruhig. Wagner gab kaum Interviews, nahm sich Zeit für die Familie, reiste zu Fußballspielen – beispielsweise nach Italien – und reflektierte die Monate in Augsburg. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte er ein halbes Jahr nach seiner Beurlaubung: "Ich weiß, wer ich bin und dass ich auch mal polarisiere. Deshalb ist es ein klares Learning aus meiner Station in Augsburg, dass ich dieses Image nicht noch unnötig weiter befördern darf." Weiter führte er aus: "Es gab schon ein, zwei Aussagen von mir, bei denen ich mich ein Stück weit vergaloppiert habe. Oder wo einfach noch ein Halbsatz gefehlt hat."

Wagner erklärte auch gleich, an wem er sich in Zukunft orientieren wolle: "Vincent Kompany ist in dieser Hinsicht ein großes Vorbild: Sich nicht angreifbar zu machen, beherrscht kaum einer so gut wie er." Waren Pressekonferenzen von Kompanys Vorgänger Thomas Tuchel noch ein wöchentliches Spektakel, in dem auch mal die eigene Klubführung kritisiert wurde, agiert der aktuelle Bayern-Trainer wie ein geschickter Diplomat, stellt sich vor seine eigenen Spieler, bietet kaum Angriffsfläche.

Eine schnelle Korrektur

Die ersten Medien-Auftritte in Hannover zeigen, dass Sandro Wagner versucht, genau das jetzt auch in die Tat umzusetzen. Wagner will sich nicht mehr locken lassen. Von ihm soll es keine provokanten Sätze geben. Das verändert auch seine Ausstrahlung. Der früher so energisch wirkende Trainer ist etwas zurückhaltender und ruhiger.

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Wagners Antennen sind scharfgestellt. Er legt großen Wert darauf, nicht missverstanden zu werden. Ein Beispiel: Auf der Pressekonferenz vor seinem Debüt in Magdeburg erklärte Wagner, sich bewusst zu sein, dass "das Geschäft natürlich immer schnell Ergebnisse sehen will". Ein Journalist sah das als "Steilvorlage" und sprach Wagner darauf an, dass es auch in der Hannoveraner DNA verankert sei, schnellstmöglich Ergebnisse sehen zu wollen. Der wiederum antwortete: "Sie haben mir jetzt etwas unterstellt. Ich habe gesagt, das Geschäft erwartet natürlich schnell Siege von einem, nicht, dass das hier so ist." Unabhängig davon, ob Wagner den Reporter nur missverstanden hatte, zeigt diese kleine Bemerkung, wie anders der Fußballlehrer bei seiner neuen Aufgabe auftritt.

Die Zeit der markigen Sprüche ist vorbei. Wagner betont gebetsmühlenartig, dass es um "Inhalte" gehen soll. So auch am kommenden Samstag, wenn der FC St. Pauli in Hannover zu Gast ist (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei t-online). Im Zweitliga-Topspiel will Wagner seine ersten Punkte als Trainer der Niedersachsen einfahren und das untere Tabellendrittel verlassen. Ein Sieg würde nicht nur sportlich Ruhe bringen, sondern auch Wagner ein wenig in der Normalität ankommen lassen. Und nach der dürfte sich der 38-Jährige sehnen.

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