Sandro Wagner gesteht kuriose Panne bei seiner Premiere für Hannover 96
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Der Start ist geglückt. Sandro Wagner (38) gewann sein erstes Spiel als Trainer von Hannover 96 gegen Drittligist Verl (2:0). Der Ex-Nationalspieler probierte einiges aus, ließ in der 2. Halbzeit sogar ungewohnt tief verteidigen. „Wir haben sehr viele Erkenntnisse in alle Richtungen aus dem Spiel ziehen können“, freute sich Wagner. Die harte Arbeit der ersten zwei Wochen trägt erste Früchte. Aber auch ein akribischer Arbeiter wie er hat nicht alles auf dem Schirm – das zeigte sich plötzlich bei der Besprechung vor dem Spiel.
Intern hatte Wagner früh entschieden, dass der von Christian Titz (55) bestimmte Stefan Thordarson (27) Kapitän bleibt. Weil der Isländer aber bei der Nationalmannschaft ist, musste ein anderer 96-Profi die Niedersachsen gegen Verl aufs Feld führen. Aber wer? Darüber hatte sich Wagner im Vorfeld keine Gedanken gemacht, musste eine kurzfristige Entscheidung treffen.
Der neue Trainer gestand die kuriose Panne: „Ehrlicherweise habe ich vor dem Spiel vergessen, das zuzuteilen. Da war ich über alles am Nachdenken, nur nicht über den Kapitän.“
Vorgänger Titz hatte Maurice Neubauer (30) und Neuzugang Jean Hugonet (26) als Stellvertreter bestimmt. Hugonet saß nach Rückenproblemen erst mal auf der Bank. Wagner hätte also Neubauer die Binde geben können – tat er aber nicht. Das wichtige Stück Stoff bekam Boris Tomiak (28). Der Abwehrchef spielte bei Titz in den Kapitänsüberlegungen keine Rolle – beide hatten ein angespanntes Verhältnis.
Unter Wagner ist Tomiak offensichtlich von Anfang an als Anführer gefragt. „Boris ist ein cooler Typ“, sagte der neue Trainer. „Er hat eine gewichtige Stimme und deswegen hat er die Binde bekommen. Da steckt keine Raketenwissenschaft dahinter.“
Kapitän Tomiak machte gegen Verl ein solides Spiel. Nach schwierigen letzten Wochen unter Titz und bösen Patzern gegen Karlsruhe (2:2) und Nürnberg (1:2) blieb er dieses Mal fehlerfrei. Nach 72 Minuten durfte er Feierabend machen. Er übergab die Binde nicht an den für ihn eingewechselten Hugonet, sondern an Kumpel Franz Roggow (24).
Der Mittelfeld-Abräumer: „In der Vorbereitung hatte ich die Binde auch schon mal. Bobo hat sie mir gegeben, auch Jean hätte sie bekommen können. Das ist aber egal, wer sie trägt. Wir wollen alle Verantwortung übernehmen.“
Es sieht so aus, als würde sich unter Wagner eine neue Hierarchie bilden. Wie Tomiak hatte auch Roggow bei Titz einen schweren Stand. Der neue Trainer schwärmt: „Franz hat sich toll präsentiert – wie sich sehr viele toll präsentiert haben. Franz hat das einfach gut gemacht in den zwei Wochen.“
Wagner will die Kapitänsfrage nicht überbewerten, wichtig ist ihm aber die Verantwortung: „Ich habe mich immer auch als Kapitän gesehen, obwohl ich die Binde nicht hatte. Wir brauchen Verantwortung in so einem Konstrukt. Wenn nur einer die Verantwortung hat und alle anderen drücken sie weg, davon bin ich kein Fan. Die neue Generation braucht mehrere Leader.“
Der neue 96-Trainer gilt als Fan von Arbeitsteilung. Die Spieler sollen sich in mehreren Gruppen um verschiedene Themenschwerpunkte kümmern. Wagner hält solche Strukturen für moderner. Einen klassischen Mannschaftsrat wird er (ebenso wie Titz) nicht benennen.