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Sanktionen: Warum China und Russland das Morden im Sudan nicht stoppen wollen

Welt

Die Angst gehört für die Menschen in der sudanesischen Stadt El-Obeid zum Alltag. Das gilt nicht nur für die 500.000 Einwohnerinnen und Einwohner, sondern auch für rund 100.000 Geflüchtete, die in der Stadt im Süden des Sudans Schutz suchen.

UN warnen vor Massenmord

Sie sind vor den Kämpfen des seit drei Jahren andauernden Bürgerkriegs zwischen den Milizen der „Rapid Support Forces“ (RSF) und der staatlichen Armee, der „Sudan Armed Forces“ (SAF), geflohen. Noch wird El-Obeid von SAF-Truppen gehalten, doch täglich greifen RSF-Kämpfer mit Drohnen und Artillerie an.

Die Vereinten Nationen warnen, dass die Stadt bald fallen könnte – und es erneut zum Massenmord kommt, wie in El-Fascher in der Region Darfur: Dort wurden im Oktober 2025 binnen Tagen Tausende Menschen von RSF-Kämpfern getötet. Das Massaker habe „Kennzeichen eines Genozids“ gezeigt, urteilte eine UN-Kommission Anfang 2026.

Trotzdem nimmt die internationale Gemeinschaft kaum Notiz von dem Krieg im Sudan, der laut UN mit 14 Millionen Vertriebenen und Abertausenden Toten die größte humanitäre Krise der Welt darstellt.

Nun hat die US-Regierung jedoch einen Vorstoß zur Eindämmung des Konflikts gemacht. Massad Boulos, Washingtons Afrika-Sondergesandter und Schwiegervater von Donald Trumps Tochter Tiffany, forderte vor wenigen Tagen strengere Sanktionen. Der UN-Sicherheitsrat müsse „handeln, um die externe finanzielle und militärische Hilfe für die Konfliktparteien im Sudan zu stoppen“, sagte Boulos in New York.

Am 12. September läuft ein 20 Jahre altes Waffenembargo gegen die Region Darfur aus. Washington will es verlängern und aufs ganze Land ausweiten. Allerdings haben Moskau und Peking bereits ihr Veto angekündigt.

Was steckt hinter dem US‑Vorstoß? Warum sind Russland und China dagegen? Und: Was tun sowohl Deutschland als auch Europa gegen die Gewalt in dem Krisenstaat?

Sudan-Experte Roman Deckert von der Organisation „Media in Cooperation and Transition“ begrüßt den US-Vorschlag grundsätzlich. „Der Sudan braucht vieles, aber sicher nicht mehr Kriegsgerät“, sagt er.

Unmengen an Pistolen, Gewehren, Artillerie und seit jüngstem auch Drohnen aus türkischer, iranischer, chinesischer oder serbischer Produktion gibt es im Land. Im Jahr 2004 verhängte der UN-Sicherheitsrat erstmals ein Waffenembargo über Darfur, nachdem Vorgänger der RSF-Milizen Massaker an der Zivilbevölkerung verübt hatten. Das Einfuhrverbot blieb aber löchrig.

„Solche Sanktionen benötigen strenge Kontrollen“, sagt Deckert. „Dafür braucht es den politischen Willen. Ob die US-Regierung den hat, ist fraglich. Die Forderung der USA ist also eher hohle Symbolpolitik.“

China und Russland wiederum fürchten, das Embargo könnte die Armee von De-Facto-Staatschef Abdel Fattah Burhan schwächen. Mit dessen Regierung verhandelt Moskau über den Bau eines russischen Marinehafens am Roten Meer.

Chinas Interesse an Kupfer

Peking verfolgt ebenfalls eigene Interessen, etwa einen 300-Millionen-Dollar-Deal über den Abbau von Kupfer. „Ein Veto gegen die US-Forderung bietet Moskau und Peking die Möglichkeit, sich gegen Washington zu positionieren“, sagt Deckert.

So bleiben die USA Vorreiter im Hinblick auf Sudan-Sanktionen. Anfang 2025 verhängte Washington Strafmaßnahmen gegen RSF-Anführer Mohamed Hamdan Dagalo sowie gegen seinen Gegenspieler Abdel Fattah Burhan. Beiden werfen die USA Kriegsverbrechen vor.

Sanktionen der EU gegen die beiden Warlords gibt es nicht, nur gegen Personen aus deren jeweiligem Umfeld sowie gegen ihnen nahestehende Firmen.

Im Juni forderte Deutschland mit sechs weiteren europäischen Staaten die Konfliktparteien „sowie ihre jeweiligen Verbündeten“ zur Deeskalation auf. Einen Monat später verhängte die EU ein Importverbot für Gold aus dem Sudan.

Die Rolle der Emirate

Das meiste dort geschürfte Gold wird jedoch geschmuggelt oder erreicht den Weltmarkt über einen engen Verbündeten Deutschlands und der USA: die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).

Dort liege der Schlüssel zur Beendigung des Konflikts, sagt Experte Deckert. „Es gibt unzählige forensische Beweise, dass die VAE die RSF-Miliz mit Waffen, Treibstoff, Geld und Logistik unterstützen und so deren Gewaltverbrechen ermöglichen.“

Die Emirate streiten das ab. Sie fürchteten aber zugleich einen Imageschaden, sagt Deckert. Hier könne diplomatischer Druck wirken: „Deshalb ist es wichtig, dass die Bundesregierung die Rolle der Emirate als Hauptunterstützer der RSF klar benennt.“

Eine Gelegenheit dafür bietet sich am kommenden Donnerstag in Berlin. Dann gibt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein Staatsbankett zu Ehren von Scheich Mohammed bin Zayed, dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate.

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