DAX -0,35 % 26.299,74 Pkt 18:00:00 MDAX +0,12 % 32.264,86 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,18 % 6.545,47 Pkt 18:00:00 Dow Jones +0,09 % 53.839,99 Pkt 22:39:34 S&P 500 +0,92 % 7.798,99 Pkt 22:35:03 Nasdaq +1,35 % 26.803,03 Pkt 23:15:59 Nikkei +0,74 % 68.814,82 Pkt 03:59:30 Gold -0,83 % 4.372,20 USD 04:04:34 Silber -2,39 % 63,99 USD 04:04:31 Brent -2,70 % 86,58 USD 04:03:56 WTI -2,94 % 80,82 USD 04:04:28 Bitcoin +0,08 % 63.467,04 USD 04:14:33 EUR/USD +0,08 % 1,15390 USD 04:14:24 EUR/GBP +0,14 % 0,85510 GBP 04:14:35 EUR/CHF +0,16 % 0,93890 CHF 04:14:35 EUR/JPY +0,13 % 183,916 JPY 04:14:36

Sanktionen wegen Iran-Verbindung: Hilton-Hotel Gravenbruch nimmt keine Gäste mehr auf

Wirtschaft

Im Hilton-Hotel im Neu-Isenburger Stadtteil Gravenbruch (Kreis Offenbach) kann vorerst niemand mehr einchecken. Das Haus geht ab sofort in einen "Notbetrieb", wie hessenschau erfahren hat. Von einer Schließung könne allerdings keine Rede sein, sagt Geschäftsführer Werner Kleber: "Im Background läuft der Betrieb weiter." Die Belegschaft kümmere sich um Reparaturen oder die Pflege der Grünanlagen, damit das Hotel möglichst schnell den normalen Betrieb wieder aufnehmen könne. Denn das sei das Ziel. Gäste könnten derzeit aber nicht aufgenommen werden, bestätigt Kleber. "Wir können keine Brötchen mehr bestellen", umreißt der Hotel-Chef die finanzielle Situation. Es sei aktuell unmöglich, den gewohnten Service anzubieten, weder für Gäste noch für Veranstaltungen. Aufgrund von EU-Sanktionen seien Geschäftskonten gesperrt. Gäste werden in anderen Hotels untergebracht Am Donnerstagmorgen hatte das Hotel nach Angaben von Werner Kleber noch rund 40 Gäste. Sie würden, soweit sie das wollten, in anderen Hotels untergebracht. "Die Gäste zeigen im Großen und Ganzen großes Verständnis", berichtet der Hotel-Chef. Am Vormittag seien auch die 140 Beschäftigten über die Lage informiert worden. "Es ist die eine oder andere Träne geflossen", beschreibt der Geschäftsführer die Stimmung. Die Leute hätten Angst um ihre Jobs. Iran-Verbindung wird Hotel zum Verhängnis Auslöser für die aktuelle Lage ist die Entscheidung der EU, den umstrittenen iranischen Finanzier Ali Ansari auf die Liste der von Iran-Sanktionen betroffenen Personen zu setzen. Zur Begründung heißt es unter anderem, Ansari habe über ein Firmennetzwerk für Mitglieder des iranischen Mullah-Regimes erhebliche Vermögenswerte und Immobilien erworben und unterstütze damit die diktatorische iranische Regierung, der systematische Verstöße gegen die Menschenrechte vorgeworfen werden. Die Folgen der Sanktionen: Vermögen und weitere "wirtschaftlichen Ressourcen" werden eingefroren, Konten gesperrt, gelisteten Personen darf auch kein Geld mehr zur Verfügung gestellt werden. Das stürzt jetzt auch das Hilton-Hotel Gravenbruch in die Krise. Hier war Ansari laut Handelsregister zuletzt an zwei Unternehmen direkt oder indirekt beteiligt: der Allsco GmbH, der Eigentümerin der Immobilie, und der Allsco Gravenbruch Hotelbetriebsgesellschaft. Die Sanktionen gegen Ansari haben zur Konsequenz, dass auch die Konten dieser beiden Firmen gesperrt und eingefroren sind. Kein Freigabe von Konto trotz Insolvenzverfahren Das gilt auch, obwohl beide Allsco-Gesellschaften Ende Juli einen Insolvenzantrag gestellt haben und einem vorläufigen Insolvenzverwalter unterstellt sind, der als Treuhänder die Finanzen verwaltet. Sehr zum Erstaunen von Hotelgeschäftsführer Kleber hat auch dieser Insolvenzverwalter keinen Zugriff auf das von ihm eingerichtete und verantwortete Treuhandkonto. Obwohl dieses Konto mit Ali Ansari gar nichts zu tun habe. Die zuständige Behörde, die Zentralstelle für Sanktionsdurchsetzung (ZfS), will sich auf hessenschau-Anfrage nicht zu dem konkreten Fall äußern und teilt schriftlich mit: Am "sanktionsrechtlichen Einfrieren" von Vermögen ändere sich nichts, auch wenn in Bezug auf Gesellschaften ein Insolvenzverfahren eröffnet worden sei. Eine Freigabe von Geldsummen sei auf Antrag allerdings möglich. Beschäftigte wurden noch bezahlt Genau eine solche Ausnahme habe man beantragt, als es Anfang dieser Woche im Hotel einen Wasserrohrbuch gegeben habe, berichtet Werner Kleber. Der Antrag aber sei unbeantwortet geblieben. Die technische Abteilung des Hotels habe den Rohrbruch notdürftig reparieren müssen, weil man nicht gewusst habe, wie man eine Fachfirma hätte bezahlen sollen. Immerhin: Den Beschäftigten konnte für Juli der Lohn noch ausgezahlt werden, mithilfe des sogenannten Insolvenzgeldes. Für den August sei man "guter Dinge", so Kleber. Erst Hilton-Kündigung, jetzt EU-Sanktionen Dass das Luxushotel in eine schwere Krise rutscht, war zuletzt immer deutlicher geworden. Schon in den vergangenen Tagen waren über die Hilton-Website nur noch bis Ende August Hotel-Zimmer in Gravenbruch buchbar. Die US-Hotelkette hatte den Vertrag mit dem hessischen Haus gekündigt, mit dem sie erst seit etwa zwei Jahren zusammenarbeitet. Grund dafür waren auch hier Sanktionen gegen Ali Ansari, in diesem Fall verhängt von den US-Behörden. Sie werfen Ansari sogar vor, illegale Finanzaktivitäten zu verschleiern, unter anderem zum Vorteil des Obersten Führers des Iran, Modschtaba Chamenei. Hilton kam dadurch unter Zugzwang und kündigte offiziell an, die "vollständige Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften" sicherzustellen. Damit war das Ende der Zusammenarbeit mit dem Hotel Gravenbruch absehbar. Nächstes Ziel: Möglichst schnell wieder normaler Hotelbetrieb Trotz der aktuellen Turbulenzen bemüht sich Hotel-Chef Kleber darum, möglichst schnell wieder einen normalen Hotelbetrieb mit Gästen aufzunehmen - nach dem anstehenden Hilton-Ausstieg unter eigenem Namen. Die weiteren Schritte wären dann: Verkauf der Hotelimmobilie und Suche nach einem neuen Betreiber. Diesen Weg habe man auch mit dem beantragten Insolvenzverfahren einschlagen wollen, sagt Kleber. Aber, so Klebers Appell an die Behörden: "Wir brauchen Zugriff auf das Konto des Insolvenzverwalters." Schließlich gehe es nicht nur um 140 Arbeitsplätze, sondern auch um die Zukunft des Hotels, das in der Region "eine Instanz" sei. Hotel-Chef: Kein Kontakt zu Ali Ansari Was bekommt Ali Ansari von all dem mit? Er habe zu Ansari keinen Kontakt, sagt Werner Kleber. Ansari selbst wies die erhobenen Vorwürfe gegen ihn zurück und bestritt insbesondere jede Nähe zu Irans oberstem Führer Modschtaba Chamenei. Stattdessen kündigte er an, Berufung gegen die Ende vergangenen Jahres verhängten britischen Sanktionen einzulegen. Wie man jetzt weiß, waren diese Sanktionen nur der Anfang.

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