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Sanlorenzo: Luxusyachten mit Feigenbaum und US-Expansion

Wirtschaft

Es ist ein Zeichen unserer Zeit, dass manche Menschen nicht nur fast alles haben wollen, sondern es auch können. Wer zum Beispiel auf hoher See unterwegs ist, muss heute einen fünfeinhalb Meter hohen Baum nicht missen. Unternehmen wie der italienische Yachtbauer Sanlorenzo stehen bereit, solche Träume zu realisieren. Auf der fünfstöckigen Luxusyacht Virtuosity im Hafen von La Spezia wird derzeit gehämmert, gebohrt und geklopft. Jedes Stockwerk, jede Ecke hat ein eigenes Handwerkerteam. Im Salon in der Größe einer kleinen Hotellobby sind bald die Gärtner gefragt. Auf dem Hauptdeck wartet ein großer Kreis darauf, mit Erde befüllt zu werden. Darin soll künftig der Feigenbaum „Ficus nitida“ seine Wurzeln schlagen, freilich in nur geringer Tiefe, die er laut Beschreibung der Schiffsdesigner gar nicht braucht. F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F.A.Z. bei Google bevorzugen Durch eine große Öffnung wird der Baum auch das Oberdeck begrünen. Im Sonnendeck darüber hat man zudem eine Luke eingelassen, um das Gewächs auch von ganz oben bestaunen zu können. Der aus den Tropen stammende immergrüne „Ficus nitida“ ist nach Auskunft von Pflanzenkennern für Innenräume geeignet und kann auch Meeresluft vertragen, solange es nicht zu viel Wind und stark schwankende Temperaturen gibt. Wie gut es der Pflanze auf den Ozeanen gehen wird, dürfte davon abhängen, mit wie viel Aufmerksamkeit und Aufwand der künftige Eigner der Superyacht sich darum kümmern wird. Italienische Hersteller sind weltweit führend Mit der 74 Steel Virtuosity, benannt auch nach der Schiffslänge in Metern und dem Metallrumpf, rühmt sich Sanlorenzo, eine „Ko-Kreation“ mit dem Käufer umzusetzen, also dessen Wünsche detailliert zu berücksichtigen. Eingebaut werden dort auch zwei Pools, eine restauranttaugliche Küche, ein Fitnessraum sowie Glasscheiben im Unterdeck, damit man von einem gemütlichen Sofa aus die Unterwasserwelt bestaunen kann. Italienische Motoryacht-Konstrukteure sind eine Großmacht auf den Weltmeeren. Unter den ersten zehn Anbietern gemessen an der Auftragslage stammt laut der Fachzeitschrift „Boat International“ die Hälfte aus Italien. Dabei wird die Länge der gebauten oder zu bauenden Boote zusammengerechnet. Ganz oben unter den ersten fünf befinden sich auch der deutsche Hersteller Lürssen und sein niederländischer Konkurrent Feadship. Sie sind auf superlange Yachten von etwa 75 Metern aufwärts spezialisiert. Auf dieses Terrain mit sehr wenigen Kunden wollen sich die italienischen Anbieter nicht wagen, sie setzen lieber auf die Größenklasse von 24 bis 75 Meter. „Feadship und Lürssen sind in ihren Bereichen einfach besser, ich bevorzuge 50 oder 60 Meter, denn da habe ich rund 1000 sehr treue Kunden“, sagt Massimo Perotti, geschäftsführender Verwaltungsratsvorsitzender von Sanlorenzo im Gespräch mit der F.A.Z. Zweikampf mit Marktführer Azimut-Benetti Sanlorenzo gilt nach dem Absatz als internationale Nummer zwei der Anbieter großer Motoryachten und rangiert hinter dem Marktführer Azimut-Benetti, der die Branche seit mehr als zweieinhalb Jahrzehnten anführt. Perotti arbeitete einst selbst viele Jahre bei Azimut-Benetti, bis er den kleinen Anbieter Sanlorenzo übernahm, groß machte und sich damit einen Traum erfüllte. Die Rivalität zwischen Sanlorenzo und Azimut-Benetti ist äußert lebhaft, um es milde auszudrücken. Die persönlichen Bande von früher sind gebrochen; Perotti war einst der Trauzeuge des inzwischen verstorbenen Azimut-Gründers Paolo Vitelli, und dieser war der Patenonkel von Perottis erster Tochter. Heute zitiert der Sanlorenzo-Chef für den Vergleich der beiden Unternehmen Louis Vuitton und Hermès, wobei er sich selbst mit Hermès gleichsetzt, den konjunkturunempfindlichen und hochpreisigen Luxushersteller aus Frankreich. „Ich fühle mich wohl auf dem zweiten Rang, denn wir haben die höhere Umsatzrendite und sind besser in Design, Qualität und Image“, behauptet er. Was er freilich nur beim Punkt der Profitabilität einigermaßen belegen kann. Im vergangenen Jahr erreichte seine operative Umsatzrendite rund 18,7 Prozent, was gerade einmal zwei Prozentpunkte über Azimut-Benetti lag. Perotti ist auch nicht wirklich der kleine und feine Hersteller mit hoher Rarität wie Hermès. Im vergangenen Jahr lag sein Auftragsbuch nur um knapp ein Fünftel hinter dem Marktführer. Doch Perotti ist zweifellos ein mutiger Unternehmer, der gerne Neues ausprobiert. 2024 stellte er die erste Superyacht mit einem integrierten Brennstoffzellensystem vor, entwickelt mit Siemens Energy. Die 50 Steel verwandelt flüssiges Biomethanol an Bord in Wasserstoff, um daraus Strom zu machen. Gedacht ist das vor allem für den „Hotelbetrieb“, wenn etwa beim Ankern in einer einsamen Bucht die Klimaanlage, Küche und Beleuchtung lautlos und umweltschonend angetrieben werden sollen. Für die Öko-Superyacht fehlt das Bio-Methanol Doch es gibt zu wenig von diesem spezifischen Treibstoff. „Unsere Kunden mögen die Idee. Aber sie fragen mich: Woher bekomme ich Bio-Methanol?“, berichtet Perotti. Als er mit der Entwicklung begann, hätte alle Welt nach ökologisch nachhaltigen Lösungen geschrien. Doch dann kam Donald Trump mit seiner umweltpolitischen Wende. Die missbilligt Perotti ausdrücklich. Daher hat bisher nur Perotti selbst das einzige Modell der 50 Steel gekauft, vergeblich hat er die EU und die Regierungen aufgerufen, die Biomethanol-Versorgung an den Häfen zu subventionieren. Als Pionier sieht sich Perotti dennoch und arbeitet in der Batterietechnologie jetzt beispielsweise mit BYD aus China zusammen. Die Megayachten-Bauer Feadship und Lürssen hätten ähnliche Projekte in der Entwicklung, doch nach seinen Informationen lägen sie noch nicht im Wasser. Sie verfolgten auch ein anderes technologisches Konzept. Feadship sähe etwa das Betanken mit dem gefährlichen Wasserstoff auf dem Meer vor, was Perotti für sehr aufwendig hält. So konzentrieren sich die Reichen und Superreichen eher wieder auf Luxusyachten mit konventionellen Antrieben und kleineren elektrischen Hilfsmotoren. Die Konjunktur ist zwiegespalten. Die kleineren Boote unter 24 Meter gehen derzeit schlecht, weil dort nicht die konjunkturresistenten Superreichen unterwegs sind. Das spürt Sanlorenzo besonders in seiner Tochtergesellschaft Bluegame, doch diese mache nur ein Zehntel des Gesamtumsatzes von rund 1,6 Milliarden Euro aus, sagt Perotti. Er ist daher froh, dass sich sein Hauptgeschäft auf größere Schiffe konzentriert. „Unsere Yachten werden nicht von Managern gekauft, die einmal einen Bonus bekamen, sondern von Familien, die seit Generationen reich sind“, sagt er. Der Durchschnittspreis der Sanlorenzo-Yachten liegt bei rund 12 Millionen Euro, wobei die großen Exemplare wie die Virtuosity weit darüber notieren. An der Börse ist Sanlorenzo derzeit rund 1,4 Milliarden Euro wert, wobei Perotti mehr als die Hälfte der Anteile und Stimmrechte gehört. In den vergangenen zwölf Monaten stieg der Kurs um rund ein Drittel, vor gut vier Jahren war das Unternehmen aber auch schon mal mehr wert. Derzeit verhandelt Perotti in den USA die Übernahme eines amerikanischen Herstellers, dessen Namen er jedoch nicht verrät. Die amerikanischen Hersteller sind in den vergangenen Jahren weitgehend verschwunden oder stark geschrumpft. Nun locken durch Trump für die amerikanischen Kunden neue Steuervergünstigungen; zudem würde eine Produktion in den Vereinigten Staaten die amerikanischen Einfuhrzölle umgehen. So blickt der 65-jährige Perotti durchaus zuversichtlich nach vorne: „Erfolg ist nie allein eine Frage der Leistung. Es braucht Talent und harte Arbeit, aber auch ein bisschen Glück.“ Gerade in Krisenzeiten habe er dieses öfter mal gehabt.

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