DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin +0,04 % 64.334,47 USD 10:30:32 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

SAP, Adobe, Nemetschek: Stehen Software-Aktien vor dem Comeback?

Technologie

Plötzlich Hoffnung für Software Sind die größten KI-Verlierer die nächsten Börsengewinner? Von Leon Bensch 26.07.2026 - 08:03 UhrLesedauer: 4 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Viele Anleger haben Software-Aktien bereits abgeschrieben. Doch was, wenn Künstliche Intelligenz deren Geschäftsmodelle nicht zerstört, sondern wertvoller macht? Die Tage von Software-Unternehmen wie Adobe, SAP oder Nemetschek seien gezählt, ihre Geschäftsmodelle würden überflüssig – diese Erzählung prägte zuletzt die Börsen. Die Folge: Milliarden an Börsenwert gingen verloren. Adobe büßte innerhalb eines Jahres 43 Prozent ein, SAP 48 Prozent und Nemetschek sogar 56 Prozent. Doch zuletzt häufen sich Signale, die dieses Bild in Frage stellen. Denis Machuel, Chef des weltweit größten Personaldienstleisters Adecco, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Künstliche Intelligenz (KI) löse keine Job-Apokalypse aus und führe nicht zu einem massiven Stellenabbau. Auch Nvidia-Chef Jensen Huang hält die Annahme für unbegründet, dass sogenannte KI-Agenten klassische Software überflüssig machen. Damit stellt sich vor allem für Anlegerinnen und Anleger, die bei Software-Aktien zuletzt hohe Kursverluste verkraften mussten, folgende Frage: Stehen die vermeintlichen Verlierer des KI-Booms vor einem Comeback? Nach den Chip-Gewinnern könnten jetzt Software-Konzerne folgen Stefanie Dyballa, Portfoliomanagerin bei der KSW Vermögensverwaltung, sieht gute Chancen, dass nach den Chipherstellern nun Software-Unternehmen aufholen. KI mache Software nicht überflüssig, sondern steigere ihren Nutzen. "KI-Agenten benötigen Anwendungen, Daten sowie Prozesse und machen leistungsfähige Software wichtiger denn je. Davon profitieren die etablierten Anbieter", sagt Dyballa. Bislang bevorzugten Anleger vorwiegend Unternehmen, die die technische Infrastruktur für KI liefern – etwa Nvidia, Micron, Taiwan Semiconductor, Marvell, Seagate, Western Digital oder Dell. Diese Firmen gelten als die "Schaufelhersteller" des KI-Booms, weil sie Chips, Speicher oder Hardware bereitstellen, auf denen KI-Anwendungen laufen. Mit Kursgewinnen von teilweise mehr als 500 Prozent innerhalb eines Jahres gehörten sie zu den größten Gewinnern. SAP zählt dagegen seit Jahresbeginn mit einem Minus von rund 35 Prozent zu den schwächsten Dax-Werten. Doch nach Einschätzung von Dyballa mehren sich die Anzeichen, dass sich das Blatt wenden könnte. Warum KI ohne Software nicht funktioniert Der Kursverfall vieler Software- und Datenanalyseunternehmen wie Adobe, Intuit, Thomson Reuters , Autodesk, Roper, Copart oder Synopsys geht vor allem auf die Sorge zurück, dass die KI künftig Aufgaben übernimmt, für die Unternehmen bisher Software-Abonnements benötigten. Weniger Abonnements würden geringere Umsätze und Gewinne bedeuten. Die Folge wäre der Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen. Aktienmarkt unter Druck: Warum ein Börsencrash vorerst ausbleiben könnte Klare Botschaft des Starinvestors: Diese Buffett-Warnung hat es in sich Jensen Huang widerspricht dieser Einschätzung. Er betont, die Märkte unterschätzten die Auswirkungen von KI auf die Softwarebranche. KI werde Software nicht ersetzen, sondern aufwerten und ihre Nutzung sogar intensivieren. Unternehmen würden künftig nicht weniger, sondern mehr Software benötigen – allerdings müsse sie so entwickelt sein, dass KI-Agenten sie nutzen können. Dyballa verweist in diesem Zusammenhang auf den Übergang zu sogenannten agentischen KI-Systemen. Diese arbeiten nicht isoliert, sondern greifen auf Unternehmenssoftware, Datenbanken und bestehende Arbeitsabläufe zu. Software werde dadurch nicht ersetzt, sondern zum Betriebssystem der KI-Agenten. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung am Beispiel des deutschen Software-Herstellers Nemetschek. Das Unternehmen vertreibt Software für hoch spezialisierte Anwendungen in den Bereichen Architektur, Statik, Physik, Bauabwicklung und Gebäudemanagement. Viele Investoren befürchten, dass KI künftig Baupläne und 3D-Modelle per Knopfdruck erstellen wird und Spezialsoftware dadurch überflüssig macht. Analysten der Deutschen Bank und von JPMorgan halten diese Einschätzung jedoch für zu pessimistisch. Sie nennen drei zentrale Gründe. Erstens verfügt Nemetschek mit Plattformen wie Allplan oder Bluebeam über jahrzehntelang aufgebaute, proprietäre CAD- und BIM-Daten. Eine KI ist nur so gut wie ihre Trainingsdaten. Offene KI-Modelle können diese sensiblen Branchendaten nicht einfach ersetzen. Zweitens integriert das Unternehmen KI bereits in seine eigenen Produkte, etwa über die Bluebeam-Max-Funktionen oder die Übernahme des KI-Planungstools mbue. Statt verdrängt zu werden, nutzt Nemetschek KI, um die eigenen Angebote attraktiver zu machen. Drittens spielen Haftung und Präzision eine entscheidende Rolle. Im Bauwesen dürfen KI-Systeme keine Fehler machen. Falsche Statik- oder Konstruktionsdaten können Millionen kosten und Menschenleben gefährden. Die Software von Nemetschek bleibt deshalb die Kontrollinstanz für KI-generierte Entwürfe. Loading... Loading... Loading... Anleger entdecken Software-Aktien neu An der Börse zeigen sich bereits erste Reaktionen. Nach den jüngsten Aussagen von Nvidia-Chef Huang legten zahlreiche Software-Aktien deutlich zu. "Investoren erkennen, dass KI nicht nur die Nachfrage nach Rechenleistung steigert, sondern neue Softwaregenerationen hervorbringt", sagt Dyballa. Unternehmen wie Adobe, SAP und Nemetschek profitierten zuletzt von dieser Neubewertung. Hinzu kommt ein weiterer Vorteil: KI-Werkzeuge erhöhen die Produktivität von Softwareentwicklern. Nach Einschätzung der Expertin sinken dadurch die Entwicklungskosten, Innovationen kommen schneller auf den Markt und die Gewinnmargen könnten steigen – eine Kombination, die an der Börse häufig positiv bewertet wird. Trotz neuer Chancen bleiben die Risiken hoch Dennoch bleibt Vorsicht angebracht. KI-native Start-ups erhöhen den Wettbewerbsdruck, und etablierte Anbieter müssen ihre Produkte konsequent an die neue Agentenwelt anpassen. "Wer diesen Wandel verpasst, verliert Marktanteile", warnt Dyballa. Für Anlegerinnen und Anleger bleibt deshalb eine sorgfältige Auswahl entscheidend. Vor allem in Märkten mit hohen Eintrittsbarrieren sowie dort, wo sensible Kundendaten verarbeitet werden, dürften etablierte Anbieter wie SAP, Microsoft, aber auch Nemetschek ihre starke Position vorerst behaupten. Hinzu kommen Anforderungen an Compliance, Haftung und Sicherheit, die den Einsatz autonomer KI-Systeme begrenzen. Sollten Denis Machuel und Jensen Huang recht behalten, dürfte die nächste Phase der KI-Revolution deshalb nicht allein in Rechenzentren stattfinden, sondern vor allem in der Software, mit der Unternehmen jeden Tag arbeiten.

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren