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„Sarah Tacke“: „Mein Geld wird gerade verzockt“ – junger Grünen

Nation

Audioplayer wird geladen Anzeige Die Bundesregierung will mit einem Reformpaket die wirtschaftliche Talfahrt endlich stoppen. Das ist auch bitter nötig, denn die Zeichen stehen weiter auf Krise: Die Automobilbranche kündigt Massenentlassungen an, die Zahl der Insolvenzen steigt, und die Inflation reißt Löcher in die Kassen der privaten Haushalte. Bei den Reformanstrengungen erwartet Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auch einen Beitrag der Bevölkerung. „Mehr arbeiten, weniger krank sein – rettet das Deutschland?“, fragte Sarah Tacke in ihrer ZDF-Sendung den CDU-Politiker und Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus in Schleswig-Holstein, Claus Ruhe Madsen, den Bundestagsvizepräsidenten Bodo Ramelow (Die Linke), die Geschäftsführerin eines familiengeführten Malerbetriebs, Christina Böhm, und den Studenten und Buchautor Quentin Gärtner, der Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen ist. Anzeige Tacke, die in der Sommerpause Maybrit Illner vertritt, sprach zu Anfang der Sendung Christina Böhm an, die ein mittelständisches Malereiunternehmen in Bayern führt. Diese glaubt nicht mehr an den Erfolg des Reformplans der Regierung. „Was enttäuscht Sie?“, fragte Tacke. „Merz hat viel versprochen und nichts gehalten“, so Böhm und führte aus: „Es hieß, es kommt ein Bürokratieabbau, es wird einfacher. Ich weiß nicht, was er macht, aber bei uns kommt nicht viel an im Betrieb.“ Böhm lobte zwar die Reformbereitschaft der Bundesregierung, doch sagte sie: „Gut gemeint ist halt noch nicht gut gemacht.“ Auf die Frage an CDU-Politiker Madsen, ob es ihm als Mitglied einer selbst ernannten Wirtschaftspartei unangenehm sei, dass laut Umfragen nur noch sechs Prozent der Deutschen die wirtschaftliche Lage als gut bewerten, antwortete er: „Nein, das ist mir nicht unangenehm, aber ich kann das sehr gut nachvollziehen.“ Er führte die wirtschaftliche Unsicherheit auf die Krisen der vergangenen Jahre zurück und appellierte, der Bundesregierung Zeit zu geben, damit ihre Reformen Wirkung entfalten könnten. Anzeige „Wir verwalten uns zu Tode“ Dann wollte Tacke von Böhm wissen, was aktuell ihr größter Wunsch an den Bundeskanzler ist. Die Mittelständlerin forderte weniger Bürokratie und niedrigere Steuern. Am Beispiel ihres Familienbetriebs machte sie deutlich, dass immer mehr Verwaltungs- und Dokumentationspflichten den Mittelstand ausbremsen. „Wenn ich denen nicht nachkomme, dann stehe ich mit einem Bein im Knast.“ Unternehmen müssten immer mehr Zeit und Personal für Bürokratie statt für ihr eigentliches Geschäft aufwenden. „Wir verwalten uns zu Tode.“ Lesen Sie auch Mit Verweis auf internationale Arbeitszeitstatistiken (im internationalen Vergleich liegt Deutschland von 27 Ländern auf dem drittletzten Platz, weniger wird nur noch in Frankreich und Belgien gearbeitet) konfrontierte Tacke den Vizepräsidenten des Bundestages, Bodo Ramelow, mit der Frage, ob die Deutschen tatsächlich zu wenig arbeiteten oder ihnen zu Unrecht mangelnde Leistungsbereitschaft vorgeworfen werde. Lesen Sie auch Ramelow widersprach der These, dass die Deutschen zu wenig arbeiteten. „Alleine 600 Millionen Überstunden, die kostenlos geleistet worden sind, werden ja nicht erfasst.“ Diese würden in internationalen Statistiken nicht berücksichtigt. Deshalb zeichne der reine Vergleich der Arbeitszeiten ein unvollständiges Bild der tatsächlichen Arbeitsleistung. Anschließend griff Tacke den Vorwurf von Bundeskanzler Merz auf, die Deutschen seien zu häufig krank (im Durchschnitt waren die Deutschen vergangenes Jahr 3,5 Wochen krank. Verglichen mit dem Krankenstand anderer europäischer Länder landet Deutschland von 29 Staaten auf Platz acht). Ob etwa eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag den Krankenstand tatsächlich senken könnte, wollte die Moderatorin von Madsen wissen. Lesen Sie auch Der CDU-Politiker widersprach daraufhin seinem Bundeskanzler: „Ich glaube nicht unbedingt, dass es die richtige Methodik ist, zu sagen, jemand muss von Tag eins an eine Krankmeldung haben“, sagte er und plädierte anstatt strengerer Krankschreibungsregeln dafür, stärker über die Ursachen des hohen Krankenstands zu sprechen. Auch Unternehmerin Böhm hält eine Attestpflicht ab Tag eins für den völlig falschen Weg. Die Unternehmerin argumentierte, eine solche Regelung schaffe zusätzliches Misstrauen gegenüber Beschäftigten und verursache mehr Bürokratie. Zudem befürchtete sie, dass Ärzte Patienten vorsorglich länger krankschreiben würden, was den Krankenstand eher erhöhen als senken könnte. Sie sei der Ansicht, „dass das Vorgehen mit dem Attest ab dem ersten Arbeitstag komplett kontraproduktiv“ und „dass das komplett ein Schuss ins Knie ist“. „Mein Geld wird gerade verzockt“ In die Runde kam dann Quentin Gärtner von den Grünen. Der junge Politiker war Generalsekretär der Bundesschülerschaft und gehört derzeit zu den bekanntesten Stimmen der Generation Z in der politischen Debatte über Bildung, Generationengerechtigkeit und Wirtschaftsreformen. Der 19-Jährige hat ein Buch über die Zukunft Deutschlands geschrieben („Deutschland völlig lost. Wie meine Generation dem Land den Arsch retten wird“) und warnt vor der Abwanderung junger Talente. Gärtner forderte bessere Bedingungen für Unternehmensgründungen: „Also bei der Startup-Finanzierung, da brauchen wir mehr Wagniskapital“, aber auch „weniger Kosten für Arbeit und ein Sozialversicherungssystem, das auf die Demografie vorbereitet ist und dementsprechend nicht immer höhere Sozialabgaben produziert“. Lesen Sie auch Gärtner kritisierte auch, dass die Bundesregierung junge Menschen mit hohen Schulden belaste, ohne ausreichend in ihre Zukunft zu investieren. Es gebe ein „Sondervermögen“ für Verteidigung, „noch mal 500 Milliarden für Infrastruktur und Klimaneutralität, und ich merke noch nicht, dass diese 500 Milliarden wirklich in Schulen, Hochschulen, Brücken und so weiter ankommen, an all diesen Stellen, die Zukunft schaffen sollen“. Stattdessen würden zu viele Mittel in kurzfristige, politisch motivierte Wahlgeschenke fließen, wie die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie: „Alleine McDonald’s soll über 100 Millionen Euro von der Senkung der Gastrosteuer profitieren. Ich möchte aber nicht, dass der Big Mac subventioniert wird.“ Die junge Generation wird seiner Meinung nach finanziell belastet, ohne langfristig davon zu profitieren. „Das ist eine krasse Generationenungerechtigkeit, da mein Geld gerade verzockt wird.“

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