SARS-CoV-2 könnte latente Viren aktivieren und so den Mechanismus von „Long COVID“ aufdecken.
Eine neue Studie legt nahe, dass das SARS-CoV-2-Virus, das COVID-19 verursacht, bestimmte latente Viren im menschlichen Körper reaktivieren kann. Dies liefert weitere Hypothesen über die Mechanismen, die an den anhaltenden Symptomen nach einer COVID-19-Infektion beteiligt sein könnten. Die genaue Ursache von „Long COVID“ oder verlängerter COVID-Erkrankung ist weiterhin unklar. Wissenschaftler vermuten, dass SARS-CoV-2 Veränderungen im Immunsystem hervorrufen kann, wodurch einige Viren, die zuvor im Körper inaktiv waren, reaktiviert werden können. Laut dem Korrespondenten der vietnamesischen Nachrichtenagentur in Europa basiert die in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlichte Studie auf Daten von mehr als 1.000 hospitalisierten COVID-19-Patienten. Die Forscher fanden Hinweise darauf, dass SARS-CoV-2 einige latente Viren, die bereits im Körper vorhanden waren, reaktivieren kann. Eines der erwähnten Viren ist das Epstein-Barr-Virus (EBV), das zur Gruppe der Herpesviren gehört und der Erreger der infektiösen Mononukleose ist. Ein weiteres Virus ist das Zytomegalievirus (CMV), das ebenfalls zur Herpesgruppe gehört und grippeähnliche Symptome hervorrufen kann. Studien zufolge zeigen fast die Hälfte der mit COVID-19 hospitalisierten Patienten Anzeichen einer Reaktivierung oder Infektion mit einem anderen Virus, vorwiegend CMV und EBV. Dieses Phänomen lässt sich nicht nur bei älteren Menschen oder solchen mit geschwächtem Immunsystem beobachten, sondern auch bei zuvor gesunden Personen. Das könnte Sie interessieren Eine EBV-Reaktivierung wird am häufigsten während des Krankenhausaufenthalts eines Patienten festgestellt, während CMV normalerweise erst einige Wochen später wieder auftritt. Die Reaktivierung latenter Viren ist mit einem erhöhten Risiko für schwerere COVID-19-Symptome verbunden. Einige Symptome, die häufig bei Patienten nach einer COVID-19-Erkrankung auftreten, wie Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und psychische Probleme, treten in diesen Fällen ebenfalls häufiger auf. Bislang konnten Forscher jedoch noch nicht nachweisen, dass latente Viren reaktiviert werden und dadurch direkt Komplikationen nach einer COVID-19-Erkrankung entstehen. Dies ist nur einer der Mechanismen, die dieses Phänomen erklären könnten. Die Studie weist jedoch Einschränkungen auf, da die Daten von COVID-19-Fällen aus dem Jahr 2020 stammen, als die ersten SARS-CoV-2-Stämme zirkulierten. Die Teilnehmer waren weder gegen COVID-19 geimpft noch zuvor mit SARS-CoV-2 in Kontakt gekommen. Inzwischen hat das Virus zahlreiche Mutationen durchlaufen, und ein großer Teil der Bevölkerung ist durch Impfung, Erkrankung oder beides immun. Daher ist Vorsicht geboten, wenn Forschungsergebnisse auf aktuelle SARS-CoV-2-Varianten übertragen werden. Laut Wissenschaftlern können manche Viren über längere Zeiträume im Körper ruhen und reaktiviert werden, wenn das Immunsystem verändert oder geschwächt ist. Eine SARS-CoV-2-Infektion kann erhebliche Veränderungen der Immunfunktion hervorrufen und dadurch die Voraussetzungen für die Reaktivierung einiger Viren schaffen. Um die Rolle dieses Mechanismus besser zu bestimmen, planen die Forscher, die klinischen Studien fortzusetzen, um zu beurteilen, ob Medikamente, die die Reaktivierung des Virus blockieren oder verringern können, zur Verbesserung der Symptome nach einer COVID-19-Erkrankung beitragen können. Das könnte Sie interessieren Bislang geht man davon aus, dass die Post-COVID-19-Symptome verschiedene Mechanismen umfassen, darunter anhaltende Entzündungen, Funktionsstörungen des Immunsystems und die Bildung kleiner Blutgerinnsel. Wissenschaftler haben jedoch noch keinen einzelnen Mechanismus identifiziert, der die persistierenden Symptome nach einer COVID-19-Infektion vollständig erklärt. Die Hypothese der Reaktivierung latenter Viren wurde schon früher aufgestellt, doch die Beweislage, die die Rolle dieses Mechanismus eindeutig definiert, ist nach wie vor begrenzt. Diese neuen Erkenntnisse könnten die Grundlage dieser Forschungsrichtung erweitern und die Möglichkeit eröffnen, neue Behandlungsmethoden zu entwickeln, falls der Zusammenhang zwischen Virusreaktivierung und Post-COVID-19 durch weitere Studien nachgewiesen wird. (VNA/Vietnam+) Quelle: https://www.vietnamplus.vn/sars-cov-2-co-the-kich-hoat-virus-tiem-an-he-lo-co-che-long-covid-post1129741.vnp