Saturn: Zehneck am Südpol entdeckt
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Rätsel am Südpol: Hubble entdeckt gewaltiges Zehneck auf dem Saturn
Von: Tanja Banner
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Am Südpol des Saturn wächst ein riesiges Zehneck – und niemand weiß, warum es sich ausgerechnet jetzt bildet.
Greenbelt – Auf dem Gasriesen Saturn vollzieht sich gerade etwas Außergewöhnliches: Eine zehneckige Struktur nimmt am Südpol des Planeten Gestalt an. Das Hubble-Weltraumteleskop der NASA lieferte die Bestätigung für diese Entdeckung, die im Fachjournal Science Advances publiziert wurde. Damit können Forschende zum ersten Mal live mitverfolgen, wie sich ein gewaltiges atmosphärisches Muster auf einem fremden Planeten entwickelt.
Parallelen zum legendären Sechseck am Nordpol des Saturn drängen sich auf – allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: Die nördliche Formation zeigt sich seit mehr als vier Jahrzehnten bei jeder Beobachtung unverändert stabil. Das südliche Zehneck hingegen scheint erst in jüngster Vergangenheit entstanden zu sein und gewinnt derzeit an Intensität. „Wir haben noch nie etwas Vergleichbares in Saturns südlicher Hemisphäre gesehen“, erklärt Co-Autorin Amy Simon. „Das gibt uns die seltene Gelegenheit, die Entwicklung eines gigantischen atmosphärischen Musters zu beobachten.“
Zehneck am Südpol des Saturn fasziniert Astronominnen und Astronomen
Möglich wurde der Fund durch die wechselnden Jahreszeiten auf Saturn, die den Südpol allmählich wieder von der Erde aus sichtbar machten. Zunächst identifizierten Astronominnen und Astronomen an bodengebundenen Observatorien die Struktur. Hauptautor Agustín Sánchez-Lavega von der Universität des Baskenlandes in Spanien bemerkte 2024 gemeinsam mit den Amateurastronomen Trevor Barry und Jean-Paul Oger ein feines, wellenförmiges Band entlang des Südpols. Aufnahmen aus dem Jahr 2025 verstärkten die Hinweise auf das Zehneck zusätzlich.
Die Weltraumbeobachtungen durch Hubble lieferten schließlich den endgültigen Beweis – und zwar rückwirkend bis ins Jahr 2023. „Angesichts der Symmetrie in Saturns Nord-Süd-Jetstream-System haben wir seit 1990 in Hubble-Bildern nach einem Gegenstück zum nördlichen Sechseck am Südpol gesucht“, erläutert Sánchez-Lavega. Selbst die Cassini-Raumsonde, die den Ringplaneten zwischen 2004 und 2017 umkreiste, hatte keine Anzeichen einer dauerhaften Formation entdeckt.
Polygon am Saturn-Südpol ist eine gewaltige Welle innerhalb eines Jetstreams
Physikalisch betrachtet handelt es sich bei dem geometrischen Gebilde um eine gewaltige Welle, die innerhalb eines mächtigen Jetstreams mitschwingt. Durch mehrere Atmosphärenschichten erstreckt sich die Struktur – kein oberflächliches Wolkenphänomen also, sondern ein vertikal ausgedehntes Wettersystem. „Der faszinierendste Teil für mich ist, dass sich dies offenbar erst kürzlich gebildet hat“, sagt Simon und fügt hinzu: „Die Frage ist: Warum hat es sich gerade jetzt gebildet, wenn wir vorher noch nie eines gesehen haben?“
Saturn am Himmel finden
Der Planet Saturn ist derzeit die gesamte Nacht am Himmel zu sehen. Er geht Anfang/Mitte September gegen 21 Uhr im Osten auf und wandert im Laufe der Nacht am Himmel nach oben, bis der Planet im hellen Licht der Sonne verschwindet. Zu erkennen ist der Planet als helles, ruhig leuchtendes, leicht gelbliches Gestirn. Im Gegensatz zu Sternen flackert das Licht von Planeten in der Regel nicht.
Ein normales Fernglas zeigt Saturn als kleine ovale Scheibe. Bei ruhiger Hand ist zu erkennen, dass der Planet nicht kreisrund ist – die Ringe zeichnen sich als Ausbuchtung ab. Ab etwa 30- bis 50-facher Vergrößerung sind die berühmten Saturnringe deutlich als Ringsystem zu sehen. Auch der größte Saturnmond Titan wird als winziger Lichtpunkt sichtbar.
Weitere Saturn-Beobachtungen mit Weltraumteleskopen geplant
Als potenziellen Verursacher haben die Forschenden einen benachbarten Hochdruckwirbel im Visier – einen etwa 4000 Kilometer breiten Antizyklon, der die Schwingungen im Jetstream ausgelöst haben könnte. Mit 420 km/h rast der Jetstream am Südpol durch die obere Atmosphäre, während das Zehneck selbst nur mit rund 10 km/h vorankommt.