DAX +0,70 % 26.323,88 Pkt 18:00:00 MDAX -0,55 % 32.251,14 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,18 % 6.535,62 Pkt 18:00:00 Dow Jones +0,17 % 53.975,98 Pkt 22:40:36 S&P 500 +0,56 % 7.753,11 Pkt 22:38:36 Nasdaq +0,98 % 26.605,36 Pkt 23:15:59 Nikkei +2,08 % 66.970,22 Pkt 08:45:03 Gold +1,44 % 4.424,80 USD 08:43:55 Silber -0,70 % 64,65 USD 08:43:48 Brent +1,49 % 89,03 USD 08:43:45 WTI +1,70 % 83,53 USD 08:43:57 Bitcoin -0,16 % 63.813,30 USD 08:53:50 EUR/USD -0,16 % 1,15380 USD 08:53:20 EUR/GBP -0,29 % 0,85410 GBP 08:53:58 EUR/CHF +0,16 % 0,93540 CHF 08:53:59 EUR/JPY +0,65 % 183,653 JPY 08:53:59

Säuglinge: Warnung vor Vitamin D-Vergiftung

Gesundheit

Im Juli wurde in Deutschland eine schwere Vitamin-D-Vergiftung bei einem Säugling bekannt. Statt eines ärztlich empfohlenen Präparats hatten die Eltern versehentlich ein hoch dosiertes Nahrungsergänzungsmittel für Erwachsene verabreicht. Dieses wurde über das Internet bezogen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt daher vor Verwechslungen und Dosierungsfehlern. Auch die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) weist auf eine Zunahme von Medikationsfehlern bei Kindern hin, insbesondere bei flüssigen Darreichungsformen. Vitamin D reguliert den Calcium- und Phosphatstoffwechsel, fördert die Knochenstabilität und trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Doch eine zu hohe Aufnahme kann gesundheitliche Risiken mit sich bringen und zu einer Vergiftung (Hypervitaminose D) führen. Diese zeigt sich durch einen stark erhöhten Calciumspiegel im Blut (Hypercalcämie). Symptome hierfür können bei Säuglingen zum Beispiel Müdigkeit, Muskelschwäche, Erbrechen, Gewichtsverlust und Gedeihstörungen sein. Besteht eine Hypercalcämie über einen längeren Zeitraum, kann es zu gravierenden gesundheitlichen Auswirkungen kommen, insbesondere in Bezug auf die Nierenfunktion. Säuglinge zählen zu den Risikogruppen für eine Unterversorgung, zum einen aufgrund des niedrigen Vitamin-D-Gehalts in Frauenmilch, aber auch, weil sie keiner direkten Sonnenbestrahlung ausgesetzt sein sollen, da sich ihr hauteigener Schutzmechanismus erst noch entwickeln muss. Daher wird in Österreich für alle Säuglinge bis zum zweiten erlebten Frühsommer die tägliche Gabe von Vitamin-D-Präparaten in einer Tagesdosis von 400 bis 500 Internationale Einheiten (I.E.), entsprechend 10 bis 12,5 µg, empfohlen. Laut Ernährungskommission der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) gilt die Empfehlung der Supplementierung, je nach Geburtszeitpunkt, somit für ein bis eineinhalb Jahre. Schwerwiegende Symptome In Deutschland wurden in den letzten Jahren mehrere Fälle von Vergiftungen bei Kindern und Erwachsenen berichtet. Bei Säuglingen wurden unter anderem folgende Symptome beschrieben: Trinkschwäche, Erbrechen, Schläfrigkeit, Muskelschwäche, Gewichtsverlust, Gedeihstörung, Verstopfung, vermehrte Urinausscheidung und Dehydration sowie Elektrolytentgleisung (Natrium erniedrigt, Calcium und Kalium erhöht). Bei einer über längere Zeit bestehenden Hypercalcämie kann es zu Nierensteinen und einer Nierenverkalkung bis hin zu einer gegebenenfalls irreversiblen Abnahme der Nierenfunktion kommen. Für die in Österreich standardmäßig ärztlich empfohlene Rachitisprophylaxe bei Säuglingen sollten nur Präparate verwendet werden, die Vitamin D in der empfohlenen Menge von 400 bis 500 I.E. beziehungsweise 10 bis 12,5 µg pro Tagesdosis enthalten. Präparate, die höher dosiert sind und/oder mit Verzehrempfehlungen zur wöchentlichen oder monatlichen Gabe versehen sind, bergen laut BfR ein erhöhtes Risiko für versehentliche Überdosierungen. Vorsicht im Internet Eltern und Erziehungsberechtigte sollten beim Kauf von Vitamin-D-Präparaten für Säuglinge – vor allem beim Erwerb aus dem Internet – darauf achten, dass diese für Säuglinge zur Rachitisprophylaxe geeignet sind. Die für Säuglinge ärztlich empfohlene Tagesdosis und die Gebrauchsinformation der Produkte sollten unbedingt befolgt werden, um eine Fehl- beziehungsweise Überdosierung zu vermeiden. Insbesondere sollten keine hochkonzentrierten flüssigen Präparate verwendet werden, da es hierbei schnell zu versehentlichen Überdosierungen kommen kann. Im Zweifel sollte kinderärztlicher Rat eingeholt werden. Ende des Jahres 2021 wurde dem BfR erstmals ein ähnlicher Fall gemeldet. Damals musste ein sieben Monate alter Säugling in Deutschland auf der Intensivstation behandelt werden, nachdem ihm seine Eltern etwa fünf Monate lang ein hochkonzentriertes Vitamin-D-haltiges Nahrungsergänzungsmittel in Tropfenform gegeben hatten. Anstelle der ursprünglichen ärztlich verordneten Vitamin-D-Prophylaxe mit 500 I.E. pro Tag (12,5 µg/d) hatte der Säugling täglich etwa 40.000 I.E. erhalten, entsprechend 1000 µg. Die Konzentration von 25-Hydroxycholecalciferol im Serum war mit über 600 µg/l extrem erhöht, der Referenzbereich liegt bei 20 bis 70 µg/l. Parathormon (intakt) war dagegen mit 4,4 ng/l deutlich supprimiert (Referenz 15 bis 65 ng/l). Daher stellten die Ärzte die Diagnose einer ausgeprägten chronischen Vitamin-D-Intoxikation mit Hypercalcämie und Nephrocalcinose. Im März wies das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf den Tod eines Säuglings im zeitlichen Zusammenhang mit der Anwendung eines Vitamin-D-Arzneimittels zur Rachitis- und Kariesprophylaxe hin. Allerdings ging es hier um den Verdacht einer Fremdkörperaspiration im Kontext einer nicht aufgelösten Tablette. Ö: Vorsicht vor unkritischer Einnahme Auch in der Evidenzsynthese „Vitamin D zur Prävention bei gesunden Erwachsenen“ vom August 2025 warnte die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) vor den Folgen einer unkritischen Einnahme von Vitamin D. Hervorgehoben werden zwei Fälle von Erwachsenen aus Österreich: Ein 77-jähriger Patient entwickelte nach sechsmonatiger Einnahme von täglich 80.000 bis 90.000 I.E. ein akutes Nierenversagen mit dauerhaft eingeschränkter Nierenfunktion. Bei einem Patienten mit Multipler Sklerose führte die Anwendung des sogenannten Coimbra-Protokolls mit täglich 50.000 I.E. zu einer irreversiblen Nierenschädigung. Dabei handelt es sich um eine wissenschaftlich nicht ausreichend belegte Vitamin-D-Ultrahochdosis-Therapie bei Autoimmunerkrankungen. Einen nachweisbaren Nutzen für den Krankheitsverlauf gab es laut AGES nicht. Vermutlich hatten beide Patienten Nahrungsergänzungsmittel eingenommen. Diese werden laut AGES häufig unkritisch als vermeintlich harmlose Vitaminpräparate verwendet, obwohl sie teilweise höher dosiert sind als verschreibungspflichtige Arzneimittel. Medikationsfehler: 23 Prozent bei Kindern schwerwiegend Gleichzeitig betreffen Überdosierungen nicht nur Erwachsene. In der Evidenzsynthese heißt es weiters: „Überdosierungen sind auch durch einen Anstieg an Medikationsfehlern bei Kindern, insbesondere bei flüssigen Darreichungsformen, zu beobachten. 23 Prozent der Nebenwirkungen durch Medikationsfehler bei Kindern unter einem Jahr verlaufen schwerwiegend“, heißt es in dem Schreiben. Angehörige von Gesundheitsberufen sollen Eltern daher explizit auf die korrekte Anwendung und Dosierung von Vitamin-D-Präparaten zur Rachitisprophylaxe hinweisen. Es ist auch wichtig zu beachten, ob eine Dosierungsempfehlung eine wöchentliche oder tägliche Gabe vorsieht. Diese Verwechslung birgt ein hohes Risiko für versehentliche Überdosierungen. Sonne reicht oft Vitamin D wird beim Menschen vor allem unter dem Einfluss von Sonnenlicht in der Haut gebildet. Das Vitamin ist an zahlreichen Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt. Hierzu zählen unter anderem die Regulierung des Calcium- und Phosphatstoffwechsels, die Förderung der Knochendichte sowie die Unterstützung der normalen Funktion des Immunsystems. Unabhängig von den speziellen Empfehlungen zur Vitamin-D-Supplementierung bei Säuglingen gilt daher für ältere Kinder und Erwachsene: Bei ausreichendem Aufenthalt im Freien und genügender Sonnenbestrahlung der Haut sowie ausgewogener Ernährung kann eine gute Versorgung ohne die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten erreicht werden. Jugendliche und Erwachsene, die Vitamin D über Nahrungsergänzungsmittel ergänzen möchten, sollten auf Produkte mit bis zu etwa 20 μg Vitamin D (800 I. E.) pro Tag zurückgreifen, da diese Dosis auch bei einer langfristigen Einnahme und unter Berücksichtigung weiterer Vitamin D-Quellen (zum Beispiel angereicherte Lebensmittel) nicht mit gesundheitlich bedenklichen Effekten verbunden ist. APOTHEKE ADHOC/ AGES

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