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Sause: RTL übernimmt das „HeidiFest“ 2026 – und ist wieder der Dumme

Unterhaltung

Audioplayer wird geladen Anzeige Dem neuen Mehrheits-Besitzer von ProSiebenSat.1, die italienische Gruppe „MediaForEurope“ (MFE) der Familie Berlusconi, wird gern ein gewisser Geiz nachgesagt. Seit sie vor einem Jahr den Übernahmekampf um die Sendergruppe gewonnen haben, deren Minderheitenbesitzer sie schon länger waren, müssen sehr viele verdiente Mitarbeiter in München-Unterföhring ihre Arbeitsplätze räumen. Es wird gespart, wo es nur geht. Die einzigen Säulen und Gesichter, die noch für ProSieben stehen, sind die Moderatoren Joko & Klaas sowie Heidi Klum mit ihrem „Topmodel“-Universum. Wie lange noch, fragt man sich. Anzeige Dass Sparen am Programm nicht immer schlecht sein muss, bewiesen die nunmehr Italo-Bajuwaren am vergangenen Freitag, als ein Sprecher von ProSieben dem Medienmagazin „DWDL“ auf Anfrage mitteilte, dass sich der Sender 2026 die Übertragung des „HeidiFest’“ spare, sollte es eins geben. Das „HeidiFest“ – für alle, die das Glück hatten, die Premiere am 18. September 2025 zu verpassen – war (und ist) der Versuch der erfolgreichsten deutschen Unternehmerin im weltweiten Aufmerksamkeitsbusiness, neben ihrer jährlichen „Halloween“-Party in New York ein zweites festes Event zu etablieren, an dem Boulevard- und Soziale Medien nicht vorbeikommen. Lesen Sie auch Artikeltyp :MeinungInfluencer und Bodyshaming Wie bei ihrer „Halloween“-Party geht es dabei nicht um die Party selbst, im Zentrum steht vor allem das Event als Fotokulisse. Im Premierenjahr war das ein riesiges Lebkuchenherz mit dem Titel der Veranstaltung drauf, das im Innenhof des Hofbräuhaus’ aufgestellt war. Vor dem ließ sich alles filmen und fotografieren, was aus dem Klum-Dunstkreis eingeflogen werden konnte, zum Familien-Clan gehört oder eh immer zur Stelle ist, wenn in München fotografiert wird. Anzeige Das funktionierte für Klum, die selbst zugab, noch nie auf der echten Wiesn gewesen zu sein, als PR-Coup und Bilderstrecke ganz wunderbar. Ja, selbst die ehrwürdige „New York Times“ adelte die im Hofbräuhaus aufgeführte Karikatur von Brauchtum als „eine Nacht des unverfälschten deutschen Vergnügens“. Die einzigen, die keinen Spaß am Humtata-à-la-Klum hatten, waren Heidis Heimatsender ProSieben und die sehr wenigen ProSieben-Zuschauer, die durchhielten. Die Kernseherschaft von ProSieben ist traditionell etwas jünger als etwa die von RTL oder gar von ARD und ZDF. Entsprechend entgeistert reagierten sie auf eine Starparade, die sie an eine Zombieversion verblichener ÖRR-Schlagerparaden erinnern musste. Roberto Blanco, Peter Kraus, Jürgen Drews, Marianne und Michael, Thomas Anders oder die Wildecker Herzbuben traten beim „HeidiFest“ auf. Lesen Sie auch Nur 5,9 Prozent Marktanteil in der vom Privatfernsehen avisierten Hauptzielgruppe (14-49 Jahre) brachte das ein, beim Gesamtpublikum waren es auch nur desaströse 740.000 Zuschauer. Ein sehr teures Trauerspiel also. Am Morgen danach, so viel Stil hatte ProSieben immerhin, kondolierte Senderchef Hannes Hiller per Telefon bei Heidi Klum. Diese Aufgabe darf 2026 nun Inga Leschek übernehmen. Mit solchen Telefonaten dürfte die Programmchefin (Chief Content Officer) von RTL Erfahrung haben: Lechek holte unter anderem den ehemaligen ProSieben-Star Stefan Raab für viel Geld aus der selbst auferlegten Bildschirm-Rente – mit für RTL mehr als überschaubarem Erfolg. Am Samstag um Punkt 20.30 Uhr verschickte der Sender stolz die Nachricht („Bild“ durfte den Inhalt bereits um 20 Uhr exklusiv verkünden), dass Heidi Klums Fest am 17. September 2026, zwei Tage vor dem Start des Oktoberfestes, diesmal von RTL (und RTL+) übertragen werde. Lesen Sie auch Betont wurde zudem, dass Klum ja mit ihrem „Wechsel“ zu ihren Wurzeln zurückkehre. Klum gewann einst die RTL-Castingshow „Model 92“, moderiert von Thomas Gottschalk. Warum RTL nun erneut viel Geld in die Hand nimmt (Heidi Klum ist immer teuer!), um ein ProSieben-Gesicht zumindest nicht mehr so exklusiv der Konkurrenz zu überlassen, wird in der Erklärung von Leschek auch deutlich. Leschek betont die „viralen Momente“, die das „HeidiFest“ bei der Premiere geschaffen habe. Fragt sich nur, ob RTL zumindest digital davon etwas haben wird. Und natürlich, ob das tatsächlich jemand im Fernsehen sehen will. Und ob sich das auch langfristig für den Sender lohnt. Denn noch bleibt, das wurde deutlich gemacht, die eigentliche Cashcow, „Germany’s Next Topmodel“ bei ProSieben. Die Kölner scheinen jedoch auf die Absetzbewegung des Klum-Clans vom (sparsam gewordenen, siehe oben) Haussender zu setzen. Die Kaulitzbrüder moderieren demnächst „Wetten, dass..?“ beim ZDF und haben bereits länger ihre Dokuserie bei Netflix. Nun also finanziert RTL Heidi ihren Oktoberfest-Klamauk. Man kann die Entscheidung von RTL als strategisches Investment in eine auch für den Sender lohnende Zukunft mit Heidi Klum sehen. Oder aber, falls es die nicht geben wird, als die nächste beherzt ergriffene Gelegenheit von Inga Leschek, ohne Not viel Geld zu versenken.

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