Schalke-Trainer Muslic schwärmt vom neuen "Bessermacher"
Miron Muslic hat Schalke 04 zurück in die Bundesliga geführt. Im SPORT1-Interview blickt er auf seinen von Zweifeln umgebenen Start zurück und stellt klar: Die Euphorie bei den Fans soll nicht gedämpft werden. Die Euphorie auf Schalke kennt kein Ende! Rund einen Monat vor dem Start in die neue Bundesliga-Saison, an der endlich auch wieder S04 teilnehmen darf, pilgerten über 1000 Fans ins Trainingslager nach Neustift im Stubaital. Ganz hoch im Kurs steht bei den Anhängern auch Aufstiegstrainer Miron Muslic, der in seiner ersten Saison aus den Spielern eine verschworene Einheit geformt hat. Im exklusiven SPORT1-Interview zieht der 43-Jährige ein erfreuliches Zwischenfazit der bisherigen Vorbereitung und blickt auf die Pläne auf dem Transfermarkt. Für Neuzugang Robin Gosens findet er große Worte. Muslic ist sich sicher, dass die Fans mit realistischen Erwartungen in die erste Bundesliga-Spielzeit seit 2022/23 gehen. Dass er sich bei den Anhängern Respekt erarbeitet hat, freut ihn – hält ihn aber bei weitem nicht davon ab, weiter mit Hocheifer seiner Aufgabe nachzugehen. Transfers? „Wir sind absolut im Zeitrahmen“ SPORT1: Herr Muslic, wie zufrieden waren Sie mit dem Verlauf des Trainingslagers im Stubaital in Österreich? Miron Muslic: Wir hatten ein tolles Trainingslager. Ich glaube, wir haben das Optimum herausgeholt und Sachen auch maximiert. Unter anderem auch diese taktische Flexibilität, die wir auch die letzten 12, 13 Monate gehabt haben, dass wir fähig sind, zwischen Dreier- und Viererkette ständig zu wechseln, auch während des Spiels. Das sind Abläufe, an denen wir die ganze letzte Saison gearbeitet haben und in die wir vor allem jetzt die neuen Spieler wieder bestmöglich integriert haben. Wir haben perfekte Bedingungen gehabt und es war eine fantastische Woche. SPORT1: Sie haben die Transfers schon angesprochen. Rund um die Verpflichtung von Robin Gosens hatten Sie betont, dass es noch weitere neue Spieler dieser Kategorie braucht. Befinden Sie sich diesbezüglich noch im Zeitplan oder wird es langsam eng, um noch genügend Vorlauf zu haben bis zum Saisonbeginn? Muslic: Wir sind absolut im Zeitrahmen. Wir holen die Jungs, von denen wir überzeugt sind, dass sie uns auf dem Platz helfen können und dass sie auch charakterlich zu Schalke passen. Deswegen haben wir die Jungs geholt, die wir geholt haben. Dass der ein oder andere noch kommt, ist klar. Aber da haben wir auch einen zeitlichen Rahmen, ohne uns da zu stressen. Wir wollen die richtigen Jungs zu Schalke holen. (Anm. d. Red.: Der Verbleib von Edin Dzeko nimmt Formen an) SPORT1: Wie schwierig ist es, die finanziellen Zwänge, die nahezu jeder Verein hat, und Ihre Wünsche auf dem Transfermarkt unter einen Nenner zu kriegen? Muslic: Wir sind ständig im Austausch und deswegen ist diese Kommunikation ausgezeichnet und intakt. Ich kenne meinen Aufgabenbereich. Das ist am Platz mit der Mannschaft. Den Rest machen Frank Baumann (Vorstand Sport), Youri Mulder (Direktor Profifußball) und Max Lüftl (Leiter Scouting) und das machen sie auf eine überragende Art und Weise. Da muss ich mir keine Sorgen machen. Gosens? „Diesen Robin werden wir brauchen“ SPORT1: Robin Gosens ist jetzt ein paar Tage bei Schalke. Wie sind Ihre ersten Eindrücke? Geht es da vor allem um den Spieler Robin Gosens oder auch darum, was er dem Verein neben dem Platz geben kann? Muslic: Beides, sein Profil und sein Charakter. Deswegen sind wir sehr, sehr froh, dass wir Robin für Königsblau gewonnen haben, dass er den Unterschied machen kann, dass er ein Bessermacher ist. Das hat er bewiesen. Und diesen Robin werden wir brauchen. SPORT1: Die Euphorie bei den Fans ist riesig. Wie wichtig ist es, dass die Erwartungen in der neuen, schwierigeren Liga ein wenig gedämpft werden? Gefühlt ist Schalke immer Bundesligist, aber Sie sind trotzdem nur ein Aufsteiger, der erstmal in der Bundesliga ankommen muss. Muslic: Es geht nicht darum, die Euphorie oder die Emotionen zu dämpfen. Das ist eben Schalke. Es besteht aus Emotionen. Diese Emotionen haben uns auch letztes Jahr getragen und die werden wir auch dieses Jahr brauchen bei einer neuen Herausforderung. Aber Schalke lebt von diesen Emotionen und wir haben eine gute Balance gefunden letztes Jahr. Die werden wir wieder finden und die werden wir wieder brauchen. SPORT1: Also haben Sie keinerlei Befürchtung, dass es nach drei oder vier Niederlagen am Stück bei den Fans unruhig werden können? Muslic: Nein, habe ich nicht. Wir können das hervorragend einordnen und die Schalker Fans haben schon ein Gespür, welche Herausforderung da auf uns zukommt. SPORT1: Sie sind jetzt ein Jahr bei Schalke. Ihr Amtsantritt wurde auch von Zweifeln und Skepsis begleitet. Es lässt sich konstatieren, dass der Plan mit Ihnen bisher wunderbar aufging. Wie stolz sind Sie auch auf sich persönlich, dass das so hervorragend funktioniert hat? Muslic: Ich bin stolz auf den gemeinsamen Weg, den wir eingeschlagen haben – von Tag eins in aller Klarheit und mit aller Konsequenz. Dass die Skepsis groß war vor 13-14 Monaten, ist ja kein Wunder. Das habe ich auch keinem Schalke-Fan böse genommen. Ich habe aber nicht meinen Kopf und meinen Fokus verloren. Und jetzt, gut ein Jahr danach, da sehr viele Schalke-Fans mit dieser Entscheidung glücklich sind, verliere ich trotzdem nicht meinen Kopf, sondern bleibe in der Aufgabe.