Schattenflotte: Drohnen sollen europäische Nuklearanlagen ausspähen
Experten sicher Putins Schattenflotte spähte Atombasen in Europa aus Von t-online 02.07.2026 - 16:24 UhrLesedauer: 2 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Drohnen über Atomwaffenstandorten in Belgien, den Niederlanden und Großbritannien: Ein Expertenbericht legt eine koordinierte russische Spionageoperation nahe. Russland soll über einen Zeitraum von rund 18 Monaten militärische Einrichtungen mit nuklearer Bedeutung in mehreren europäischen Staaten mit Drohnen ausgespäht haben. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse des International Institute for Strategic Studies (IISS), über die zunächst der britische "Guardian" berichtete. Das Institut wertete nach eigenen Angaben 144 Drohnenvorfälle in mehr als einem Dutzend europäischer Länder seit Ende 2024 aus. Nach Einschätzung des Thinktanks spricht vieles dafür, dass die Flüge Teil einer koordinierten russischen Aufklärungsoperation waren. Die Autoren halten es für "sehr wahrscheinlich", dass der Kreml hinter der Kampagne steht. Offiziell haben europäische Regierungen Russland für die Vorfälle bislang allerdings überwiegend nicht verantwortlich gemacht. Standorte mit US-Atomwaffen ausgespäht Zu den betroffenen Standorten zählen laut dem Bericht die britischen Luftwaffenstützpunkte Lakenheath und Fairford. In Lakenheath wurden nach Angaben des "Guardian" im vergangenen Jahr wieder US-Atomwaffen stationiert. Auch über der französischen Marinebasis Île Longue, auf der Frankreichs seegestützte Atomstreitkräfte stationiert sind, sowie über den Luftwaffenstützpunkten Kleine Brogel in Belgien und Volkel in den Niederlanden wurden demnach Drohnen gesichtet. An beiden Standorten sollen US-Atomwaffen gelagert werden. Umstrittener Einsatz am Dnipro: Russische Truppen verweigern wohl Verlegung Ukraine trifft Russland: Banker sprechen sich für Kriegsende aus "Hav Dolphin" steht schon länger im Verdacht Das IISS vermutet, dass einige der Drohnen von Schiffen der sogenannten russischen Schattenflotte gestartet worden sein könnten. Genannt werden der Frachter "Hav Dolphin" und der Tanker "Seasons 1", die sich während mehrerer Vorfälle in der Nordsee aufgehalten haben sollen. Den Angaben zufolge könnten weitere Schiffe als Funkrelaisstationen oder zur Bergung der Drohnen eingesetzt worden sein. Die "Hav Dolphin" war bereits zuvor in den Fokus deutscher Sicherheitsbehörden geraten. Im Mai 2025 bestand der Verdacht, von dem Schiff könnten Drohnen über sensiblen Einrichtungen der Bundeswehr gesteuert worden sein. Durchsuchungen durch deutsche und belgische Behörden führten jedoch nach damaligen Angaben zu keinen belastbaren Belegen. Zahl der Drohnensichtungen geht zurück Als mögliche Ziele der mutmaßlichen Operation nennt der Thinktank die Aufklärung nuklearer Infrastruktur, die Erfassung militärischer Logistik und Lieferketten sowie psychologische und wirtschaftliche Einflussnahme. Zugleich sehen die Autoren in den Vorfällen Schwächen der europäischen Luftverteidigung. Obwohl Drohnen wiederholt über Militärstandorten und Flughäfen gesichtet worden seien, sei nach Angaben des IISS keine von ihnen abgefangen oder abgeschossen worden. Den Forschern zufolge ist die Zahl entsprechender Drohnensichtungen zuletzt zurückgegangen. Als möglichen Grund nennen sie ein verschärftes Vorgehen europäischer Staaten gegen Schiffe der russischen Schattenflotte.