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Schauspieler Tomer Sisley: "Direkt unter Gott kommt Meryl Streep"

Unterhaltung

Von Meryl Streep über Jennifer Lawrence bis hin zu Leonardo DiCaprio: Tomer Sisley hat mit den ganz Großen gedreht. Aktuell ist der deutsch-französische Schauspieler an der Seite von "White Lotus"-Star Laura Smet in einer Miniserie zu sehen. Wir haben mit ihm gesprochen. Ein Interview von Dennis Ebbecke In der sechsteiligen Krimiserie "Surface – Das versunkene Dorf" spielt der in Berlin geborene und in der Nähe von Paris lebende Tomer Sisley ("Don't Look Up") den Polizeitaucher Hugo Massey. Der wird angefordert, als in der südfranzösischen Provinz Avalone ein Chemiefass an der Wasseroberfläche eines Stausees auftaucht. Im Inneren: das Skelett eines Kindes. "Surface" läuft ab dem 26.07. an drei aufeinanderfolgenden Sonntagen mit Doppelfolgen (jeweils ab 21:45 Uhr) im Ersten. In der ARD-Mediathek ist die Serie bereits streambar. Im Interview mit unserer Redaktion spricht der 51-Jährige über seine spektakulären Tauch-Drehs, unvergessliche Begegnungen mit Hollywood-Stars sowie seine familiären Wurzeln. Herr Sisley, Sie tauchen schon sehr lang. War das eine Grundvoraussetzung, um in "Surface" die Rolle des Polizeitauchers zu bekommen? Tomer Sisley: Ja, tatsächlich tauche ich schon seit meinem 16. Lebensjahr, und es war eine absolute Grundvoraussetzung, um die Rolle zu bekommen. Sie brauchten jemanden, der tauchen kann, denn wir haben immerhin zwölf Tage am Stück von morgens bis abends unter Wasser gedreht. Meine ersten Drehtage verbrachte ich buchstäblich von etwa 8:30 Uhr bis 17:00 Uhr unter Wasser. Ich kam nur an die Oberfläche, um die Flasche zu wechseln oder für die Mittagspause. Das war aber auch ein Grund, warum ich diese Rolle unbedingt annehmen wollte. Gab es auch brenzlige Situationen? Wir haben die Sequenzen wirklich im Wasser gedreht und in einem Becken einen Teil dieses überfluteten Dorfes nachgebaut, insbesondere die Kirche. Das bedeutet, dass wir wirklich unter einer Decke getaucht sind. Jeder erfahrene Taucher weiß: Ein Tauchgang unter einer Decke birgt immer Risiken, in erster Linie, weil man nicht schnell an die Oberfläche zurückkehren kann, falls es ein Problem gibt. Um das zu meistern, musste ich unter anderem meine Apnoe-Fähigkeiten verbessern. Für eine Sequenz, in der ich unter Wasser meinen Atemregler verliere und fast ertrinke, brachte mir ein Tauchlehrer eine spezielle Atemtechnik bei, damit ich etwas mehr als drei Minuten die Luft anhalten konnte. Als wir das dann drehten, nahm ich einen letzten tiefen Atemzug, legte den Atemregler beiseite und musste so lange wie möglich ohne Luft aushalten. Nach zwei bis drei Minuten fing ich an – wie es die Szene verlangte –, so zu tun, als würde ich ersticken. Mitten im Take stürmte plötzlich ein Rettungstaucher auf mich zu und stopfte mir einen Atemregler in den Mund. Er dachte, ich würde wirklich ersticken. Ich war stinksauer und dachte: "Wer ist dieser Idiot, der uns diese Aufnahme versaut hat?" An der Oberfläche sagte er dann zu mir: "Ich hätte nicht gedacht, dass du so lange die Luft anhalten kannst." Er wusste einfach nicht, dass ich kurz vorher Unterricht bekommen hatte. Das war im Nachhinein sehr amüsant. Lieben Sie den Nervenkitzel? Es ist nicht nur so, dass ich den Nervenkitzel mag – ich brauche ihn in meinem Leben. Mir ist sterbenslangweilig, wenn ich ihn nicht habe, und ich verschaffe ihn mir regelmäßig in meinem Privatleben. Sei es beim freien Fall, im Simulator, bei Autorennen oder beim Base-Jumping. Bei "Largo Winch" habe ich fast alle meine Stunts selbst gemacht. Taucher leben häufig in einer Blase. Geht es Ihnen als Schauspieler da ähnlich? Und macht es dieser Umstand schwierig, mit Menschen, die nicht aus Ihrer "Bubble" kommen, eine Beziehung aufzubauen? Stimmt, auch ich lebe in einer Blase, und ich brauche sie. Wie schon gesagt, brauche ich den Nervenkitzel, aber ich muss auch in der Natur neue Kraft schöpfen, ohne viele Leute um mich herum. Das liegt nicht daran, dass ich keine Menschen mag, ganz im Gegenteil. Es geht darum, ein bisschen mit der Realität verbunden zu bleiben. Zwischen Hollywood-Glamour und ländlicher Idylle Sobald man das Glück hat, etwas bekannter zu sein, wird es tatsächlich ziemlich kompliziert, normale, aufrichtige und ausgewogene menschliche Beziehungen aufrechtzuerhalten. Das ist einem nicht immer gegeben, wenn das eigene Gesicht der Öffentlichkeit bekannt ist. Deshalb muss ich mich gelegentlich erholen. Ich habe zum Beispiel eine Mühle mitten auf dem Land, ohne Nachbarn. Da fließt ein Fluss, es gibt Wildgänse und Enten, Rehe kommen zum Fressen. Das ist meine Blase. Macht das die Verbindung zu anderen schwierig? Nein, gerade weil die Verbindung zu anderen oft so schwierig ist, flüchte ich mich in diese Blase. Sie haben schon mit Jennifer Lawrence und Leonardo DiCaprio gedreht. Entsprachen die beiden Hollywood-Stars dem Bild, das Sie im Vorfeld von ihnen hatten? Ja, ich habe mit Jennifer Lawrence und Leonardo DiCaprio gedreht – und mit Meryl Streep, Jennifer Aniston, Sharon Stone, Kristin Scott Thomas und James Franco. Ich habe schon vor langer Zeit gelernt, mir kein Bild von diesen Schauspielern zu machen, ganz einfach deshalb, weil es nicht möglich ist. Ich kenne sie, ich kenne ihre Arbeit als Schauspieler, aber ich kenne sie nicht in ihrem Alltag. Und da ich selbst Schauspieler bin und regelmäßig mit dem Publikum konfrontiert werde, das manchmal denkt, mich zu kennen, muss ich feststellen, dass dem nicht so ist. Also weiß ich, wie sehr das auch auf mich zutrifft. Ich kann nicht die geringste Ahnung haben, wer Leo ist, solange ich ihn nicht getroffen habe. Was machen Lawrence und DiCaprio anders als andere Schauspielerinnen und Schauspieler? Jennifer Lawrence und Leonardo DiCaprio arbeiten zum Beispiel überhaupt nicht auf die gleiche Weise. Jennifer improvisiert ab und zu ganz gerne ein bisschen. Leonardo ist jemand, der seinen Text enorm viel probt, bevor er ihn spielt – und der genau weiß, wie er ihn spielen wird, in dem Moment, in dem er ihn spielt. Und gleichzeitig lässt er sich auch gerne überraschen, wenn jemand um ihn herum improvisiert. Er selbst ist nicht wirklich jemand, der zur Improvisation neigt. Ritterschlag von Streep, Smalltalk auf Deutsch mit DiCaprio "Don't Look Up" war hochkarätig besetzt, neben DiCaprio und Lawrence auch mit Meryl Streep und Timothée Chalamet. Welche Anekdote werden Sie nie vergessen? Danke, dass Sie mir diese Frage stellen, denn da gibt es tatsächlich eine. Meryl Streep ist nicht einfach nur meine Lieblingsschauspielerin; für mich ist es so: Es gibt Gott, falls er existiert – ich bin mir wirklich nicht sicher, ob er existiert, aber angenommen, er tut es – also, da ist Gott, und direkt unter Gott kommt Meryl Streep, und dann kommt der ganze Rest. Bei der Vorpremiere von "Don't Look Up" in New York stand ich auf dem roten Teppich in der Schlange genau hinter Meryl Streep. Sie war ungefähr 50 Zentimeter vor mir. Das heißt: Sie war direkt vor mir, ich stand in ihrem Rücken. Und in dem Moment wusste ich nicht mehr, wie ich heiße. Ich dachte mir: Oh, mein Gott, ich stehe direkt hinter ihr! Und gleichzeitig dreht sie mir den Rücken zu – und ich habe nicht wirklich eine echte Szene mit ihr im Film. Ich weiß, dass sie mich gesehen hat, weil sie den Film gesehen hat, und so denke ich: Verdammt, ich muss mit ihr reden! Ich muss ihr auf die Schulter tippen, damit sie sich umdreht, um ihr zu sagen, wie sehr ich sie bewundere. Dann sage ich mir: Aber nein, halt' die Klappe! Lass' sie in Ruhe, sie kennt dich nicht, du gehst ihr nur auf die Nerven. Und gleichzeitig: Wenn ich es jetzt nicht mache, werde ich nie wieder die Gelegenheit dazu haben. All diese Gedanken prallten in meinem Kopf aufeinander. Und so mache ich es letztendlich nicht. Gab es für Sie ein Happy End? Ja, fünf Minuten bevor wir den Film präsentierten. Wir wurden gebeten, in den Backstage-Bereich zu gehen, direkt hinter den Kinovorhang. Als ich in diesen Raum kam, war nur noch ein einziger Platz frei. Es gab noch ein freies Sofa, und das war genau neben dem von Meryl Streep. Ich ging rein, setzte mich auf das Sofa, sie war zu meiner Rechten, direkt neben mir. Und da fing das Gedankenkarussell wieder an, sich zu drehen. Dann richtete ich schließlich meinen Blick auf sie. Und ich hatte gar keine Zeit zu entscheiden, was ich tun würde, denn Meryl drehte sich zu mir um, schenkte mir plötzlich ein riesiges Lächeln und sagte: "Mein Gott, ich habe es geliebt, ich fand dich in diesem Film fantastisch." In dem Moment, als sie das zu mir sagte, hätte ich sterben können. Leonardo DiCaprio hat deutsche Wurzeln. Haben Sie sich mit ihm mal auf Deutsch austauschen können? Tatsächlich hat Leo deutsche Wurzeln. Es ist seine Mutter, die deutsche Wurzeln hat. Und ja, als wir uns bei der Filmpremiere wiedergesehen haben, haben wir genau in diesem Moment auf Deutsch miteinander gesprochen. Er hatte während der gesamten Dreharbeiten kein einziges Wort auf Deutsch gesagt. Und als wir hinter dem Vorhang standen und – ich weiß nicht mehr, wer zu mir kam, um mit mir darüber zu reden, dass ich mehrere Sprachen spreche – ich glaube, Leo muss so etwas mitbekommen haben. Er kam auf mich zu und fing an, auf Deutsch mit mir zu reden. Und er spricht ziemlich gut Deutsch. Er bezeichnete sich in einem Interview mal als "halbrussisch", weil seine Großmutter im Russischen Kaiserreich geboren wurde. Da haben Sie beide eine Gemeinsamkeit: Auch ein Teil Ihrer Großeltern ist russischer Abstammung, nicht wahr? Zunächst einmal wusste ich nicht, dass ich diese Gemeinsamkeit mit DiCaprio habe – tatsächlich, diese Verbindung zu Russland. Ja, meine Großeltern väterlicherseits stammten aus Belarus und Litauen, was ja eine Zeit lang Teil der UdSSR war. Wie profitiere ich von all diesen Wurzeln? Ich glaube, ganz am Anfang war es eher problematisch, weil man Schwierigkeiten hatte, mich einzuordnen. Man hatte Mühe, mich in eine Schublade zu stecken, und das ist eigentlich ganz menschlich. In der Regel steckt man die Leute gerne in Schubladen, das beruhigt uns, das hilft uns, sie zu klassifizieren und zu identifizieren. Aber wenn man so viele verschiedene Wurzeln hat, ist es schwierig, uns in die Schublade "Urfranzose", "komplett ausländisch", "gemischt" oder "deutsch" zu stecken. Ja, einerseits schon, aber andererseits nein. Ich bin zwar in Deutschland geboren, aber als Sohn israelischer Eltern. Ich kam mit neun Jahren nach Frankreich, habe also danach meine gesamte Schulbildung dort absolviert. Meine Großeltern sind jemenitisch, belarussisch und litauisch – es ist also kompliziert, mich zu definieren. Daher glaube ich, dass es eine Zeit lang schwieriger war, zu arbeiten und Rollen zu bekommen, die zu mir passen. Wann änderte sich das? Ich hatte das enorme Glück, dass "Largo Winch" kam, was mir genau das ermöglichte: eine Art etwas gemischten Typen zu spielen, jugoslawisch, also im Grunde jemanden in einem französischen Film, der kein Urfranzose war. Der besser Englisch sprach als der Durchschnittsfranzose. Und der ein wenig diese Exotik in sich trug. Und ich denke, je weiter die Jahre vergehen, desto moderner werden wir. Ich glaube, dass diese vielfältigen Wurzeln heute anfangen, dieselben Türen zu öffnen, die sie früher verschlossen haben. Empfehlungen der Redaktion Tom Holland: "Einige meiner Filme waren Mist" Zwei Jahre nach Ausstieg: Schauspieler kehrt erneut zu "GZSZ" zurück Til Schweiger feiert Kultfilm-Comeback Vielleicht öffnen sie heute sogar ein bisschen mehr, denn heute gibt es in der Fiktion, im Kino, in Serien und all dem viel mehr Rollen für Diversität. Es ist noch gar nicht so lange her, da bedeutete Diversität, den Autoradiodieb in Fernsehserien zu spielen. Heute nicht mehr. Heute gibt es enorm viele Hauptrollen für Menschen, die völlig unterschiedlich sind, auch von der Herkunft.

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