„Schieflage des Konzerns noch verschärft“: Amtsenthebungsverfahren gegen den Gesamtbetriebsratschef von ZF
Heftige Kritik an Achim Dietrich: Gegen den Gesamtbetriebsratschef von ZF Friedrichshafen läuft ein Amtsenthebungsverfahren. Dies hat die Christliche Gewerkschaft Metall (CGM) der Schwäbischen Zeitung am Mittwoch mitgeteilt. Die CGM habe das Verfahren initiiert, „um die Vermischung der gewerkschaftlichen Tätigkeit mit der Betriebsratsarbeit zu unterbinden und um weiteren Schaden von der ZF abzuwenden“, wie es in einer Mitteilung der CGM heißt. Eine Reaktion von Dietrich lässt derweil nicht lange auf sich warten. Am Freitag, 24. Juli, um 10.30 Uhr soll eine erste Anhörung in der Sache vor dem Amtsgericht Ravensburg beginnen. Hintergrund des Verfahrens ist laut CGM „die Torpedierung der laufenden Verhandlungen durch die IG Metall bezüglich der Drehkreuzprämie“ für den ZF-Standort Friedrichshafen, wie es in einem Schreiben der christlichen Gewerkschaft heißt, das der Schwäbischen Zeitung vorliegt. So werde „jeder Einigungsversuch mit dem Arbeitgeber im Keim erstickt“, wird CGM-Geschäftsführerin Sabine Jastrob darin zitiert. Mit „Drehkreuzprämie“ gemeint ist die sogenannte Zeppelin-Zulage, die nur für den Standort Friedrichshafen gilt. Aufgrund der prekären finanziellen Lage des Zulieferers vom Bodensee will der ZF-Vorstand dieses Gehaltsextra in Zukunft streichen und hat die Zulage entsprechend fristgerecht zum 1. Juli 2027 gekündigt. ZF-Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall protestieren gegen diese Sparmaßnahme, die etwa 9000 ZFler am Bodensee betrifft. Jüngst musste deshalb sogar eine Betriebsversammlung abgebrochen werden, da es in der Belegschaft zu massiven Tumulten gekommen sein soll. Vorwurf: Schieflage von ZF wird „noch verschärft“ „Der Betriebsrat stimmt Versetzungen und Mehrarbeit nicht mehr zu, was die ohnehin angespannte Schieflage des Konzerns noch verschärft“, begründet Geschäftsführerin Jastrob das von ihrer Gewerkschaft initiierte Amtsenthebungsverfahren gegen Betriebsratsboss Dietrich. Die Verhandlungen würden „durch eine regelrechte Rekrutierungsmaschinerie der IG Metall untergraben“, sagt sie weiter. Der Konzern vom Bodensee müsse so „unerlaubte Kundgebungen der IG Metall auf eigenem Grund erdulden“, kritisiert sie. „Wir als CGM befürworten klar den Erhalt der übertariflichen Zulagen, sind uns aber genauso im Klaren darüber, dass der Konzern sparen muss“, sagt Jastrob. Die CGM stelle sich „einem Äquivalent - auch leistungsbezogener Natur“ nicht in den Weg, heißt es. Dietrich: Anschuldigungen „haltlos“ und „diffamierend“ „Wir sehen dem Anhörungstermin sehr gelassen entgegen. Die Anschuldigungen sind haltlos und – insbesondere was die Person von Achim Dietrich betrifft – diffamierend“, sagt Gunnar Flotow, der Sprecher des ZF-Gesamtbetriebsrats, auf Anfrage der Schwäbischen Zeitung. Das politische Gewicht der CGM beschränke sich im Betrieb N auf 4 von 33 Mandaten, im Betrieb Z auf zwei von 27 Mandaten, verdeutlicht das offizielle Sprachrohr von Dietrich. „Dieses Verfahren dient nur als Bühne, um dem Ansehen des Betriebsratsvorsitzenden zu schaden und die Position der Mitbestimmung zu schwächen“, sagt Flotow weiter. Die CGM gefährde ohne Not die Betriebsratsarbeit und schade damit auch den Beschäftigten. „Zu den Inhalten des laufenden Verfahrens möchten wir uns nicht äußern, nur so viel: In Zeiten, in denen wir Angriffe der Arbeitgeber auf unsere Arbeitsbedingungen erleben, konzentrieren wir uns darauf, die Einkommen der Beschäftigten und damit auch die Kaufkraft in der Region zu sichern“, sagt Flotow weiter. Betriebsrat: „Falscher Kampf, zur falschen Zeit“ „Die CGM führt schlicht einen falschen Kampf, zur falschen Zeit, gegen die falschen Gegner“, betont der Betriebsratssprecher. „Wer die Beschäftigten bei ZF wirklich stark machen will, arbeitet an Geschlossenheit – nicht an Spaltung. Wer stattdessen Beschäftigte gegeneinander in Stellung bringt, spielt am Ende nur einer Seite in die Hände: der Arbeitgeberseite“, verdeutlicht Flotow abschließend.