Schießerei in Stade: Sechs Tote, mutmaßlicher Täter festgenommen
Tödliche Schüsse in Stade: Hintergrund ist wohl Sorgerechtsstreit Stand: 29.06.2026 22:26 Uhr Sechs Erwachsene sind durch Schüsse in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade ums Leben gekommen. Die Polizei hat den mutmaßlichen Schützen festgenommen. Hintergrund ist wohl eine Sorgerechtsangelegenheit. Das sagte Lüneburgs Polizeipräsidentin Kathrin Schuol auf einer Pressekonferenz am Montagabend. Der 45-Jährige habe am Montag einen Termin bezüglich des Sorgerechts seiner drei Monate alten Tochter in der Jugendhilfeeinrichtung gehabt. Nach NDR und WDR Informationen sollte es sich dabei um ein sogenanntes Hilfeplangespräch handeln. Weil der Vater als auffällig galt, sollte dieses in großer Runde stattfinden. Die Tochter war NDR und WDR Informationen zufolge aus der Familie genommen worden. Unter Auflagen habe das Kind zurück zur Mutter gedurft, aber nicht an deren Wohnort in Hannover, sondern in der Jugendhilfeeinrichtung in Stade. Mutter und Tochter sind Schuol zufolge bei der Tat nicht verletzt worden. Das Kind befinde sich derzeit in Obhut des Jugendamts, die 34-jährige Mutter sei in Gewahrsam und werde von der Polizei verhört. Opfer sind Mitarbeiter der Einrichtung und vom Jugendamt Gegen 12 Uhr gingen laut Polizeipräsidentin Schuol gleichzeitig mehrere Notrufe in der Leitstelle ein. Mehrere Streifenwagen seien ausgerückt. Die Polizisten hätten "ein grausames Bild" in der Jugendhilfeeinrichtung vorgefunden. Vier Menschen seien tot gewesen, eine weitere Person sei nach erfolgloser Reanimation gestorben. Eine sechste Person erlag später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Bei den Opfern handelt es sich um vier Frauen und zwei Männer, alle seien entweder Mitarbeiter der Jugendhilfeeinrichtung oder des Jugendamts gewesen, wie Schuol sagte. Neben den Toten gebe es auch mehrere Menschen, die zum Teil schwer verletzt wurden. Es sei nicht auszuschließen, dass die Zahl der Todesopfer noch steige, sagte ein Polizeisprecher am Montagnachmittag. Tatverdächtiger flüchtet in Auto Laut Polizeipräsidentin Schuol flüchtete der mutmaßliche Täter in einem Auto, das von einer 65-jährigen Frau gesteuert wurde. Die Polizei konnte die beiden durch Schüsse auf den Wagen stoppen und festnehmen. Die Beamten stellten dabei auch eine Waffe sicher. Woher der der mutmaßliche Täter die Waffe hatte und ob mehrere Waffen zum Einsatz kamen, sei noch unklar, sagte Schuol. Eine Erlaubnis zum Tragen einer Waffe habe er nicht gehabt. Die 65-jährige Fahrerin soll den Ermittlern zufolge eine enge Verbindung zur Familie des Tatverdächtigen haben. Die Frau werde derzeit von der Polizei vernommen. Durch die schnelle Festnahme habe für die Bevölkerung keine Gefahr bestanden, sagte Schuol. Verdächtiger soll wohl zu einem Clan gehören Wie Schuol bei der Konferenz mitteilte, handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen 45-jährigen Mann aus Hannover. Laut Polizei Lüneburg wurde er in Deutschland geboren und ist türkischer Staatsbürger. Nach NDR und WDR Informationen soll er Mitglied eines großen Clans aus Hannover sein. Er befindet sich derzeit in Polizeigewahrsam. Nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft wurde bisher kein Haftbefehl gegen den Mann erlassen. Ob und wann dieser am Dienstag beantragt werde, sei noch offen, sagte er am Montagabend. Das hänge von den weiteren Ermittlungsergebnissen der Polizei ab. Ermittlungen dauern an - Polizei schaltet Hinweisportal Die Ermittlungen dauern an. Wer Hinweise zu den tödlichen Schüssen in Stade geben kann, wird von der Polizei gebeten, sich zu melden. Die Hinweise sowie Fotos und Videos können online in diesem Portal der Polizei Niedersachsen abgegeben werden. Kanzler Merz zeigt sich erschüttert Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb auf der Plattform X: "Die Nachricht aus Stade erschüttert bis ins Mark." Viele Menschen, "die helfen und schützen wollten", hätten ihr Leben verloren oder seien verletzt worden. Er dankte den Polizistinnen und Polizisten "für ihren schnellen Einsatz". Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) teilte seine Anteilnahme mit. Gleichzeitig warnte er vor voreiligen Schlüssen. Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sprach in der Pressekonferenz am Abend von einer "kaltblütigen Gewalttat", die Spuren hinterlassen werde. Niedersachsens CDU-Vorsitzender Sebastian Lechner drückte ebenfalls sein Mitgefühl aus. Er sagte: "Wir verfolgen die Ermittlungen aufmerksam und vertrauen darauf, dass die Hintergründe dieser unfassbaren Tat lückenlos aufgeklärt werden."