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Schlachterei eröffnet SB-Laden - und zählt schon 200 Kunden pro Tag

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Schlachterei eröffnet SB-Laden – und zählt schon 200 Kunden pro Tag

Von: Ulla Heyne

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Die Schlachterei Miesner in Sothel hat vor fünf Wochen einen 33 Quadratmeter großen Smart Store eröffnet. Kunden zahlen mit Karte oder Handy und können von 5 bis 23 Uhr einkaufen.

Sothel – Viele Kunden und Instagram-Follower kennen es längst, das graue Häuschen in Wellblechoptik direkt vor der Schlachterei Miesner. Einige kommen sogar, um die neue Einkaufsmöglichkeit in Sothel einmal selbst in Augenschein nehmen zu können. Eintritt zu der SB-Filiale hat man mit Scheckkarte oder Handy-Bezahlfunktion. Drinnen findet sich in den Regalen, in neun Kühlschränken mit gläsernen Türen und einigen anderen Regalen vorwiegend Grillgut: Würstchen, Nackensteaks, Hirtenrollen, aber auch Salate, Ketchup und Dips. Aber auch andere Produkte, von Suppen über Aroniasaft und Dinkelnudeln bis zu Eiern, Honig und Fruchtaufstrichen. Der gemeinsame Nenner der Produkte: Regionalität.

Denn der vor fünf Wochen in Betrieb genommene „Smart Store“, in dem Bernd Miesner seine und andere Produkte verkauft, soll kein Vollsortimenter sein, sondern ein weiterer Absatzweg für die eigenen Produkte und für Erzeuger aus der Region. Die meisten sind mit dem innovativen Schlachter aus Sothel geschäftlich verbunden: „Viele sind unsere Kunden, die wir beliefern und die hier ihre Waren anbieten“, so der 58-Jährige, etwa Bassens Bauernladen aus Scheeßel mit einem Teil seines Nudelsortiments oder der Hofladen Wesseloh aus Insel bei Schneverdingen mit Fruchtaufstrichen wie „Löwenzahn“ oder „Winterzauber“.

90.000 Euro investiert

Geboren wurde die Idee des 33 Quadratmeter großen „Selbstbedienungs-Hofladens“ aus einer Not heraus. Wie viele andere Geschäftsleute auch bekam Miesner den Personalmangel zu spüren: „Die meisten Kräfte wollen nur noch vormittags arbeiten.“ Nur freitags kann er sein konventionelles Ladengeschäft mit Bedienung noch nachmittags besetzen, an den anderen Werktagen nur vormittags. Für Miesner ein Signal, neue Wege zu gehen: „Schließlich sind wir Unternehmer und nicht Unterlasser.“ Dafür hat er tief in die Tasche gegriffen. Der Umstieg von den Automaten mit Überdachung, die in die Jahre gekommen und durch den Standort draußen in Mitleidenschaft gezogen worden seien, auf das schicke, geschlossene Häuschen habe inklusive aller Technik wie Zugangskontrolle, Temperatur- und Videoüberwachung, Kühlung, Bezahlterminal mit Barcode-Scanner und Anbindung an das bestehende Warenwirtschaftssystem, um die 90.000 Euro gekostet. Wie schnell sich die Investition amortisiert, darüber will er noch keine Prognosen anstellen: „Das kommt drauf an, ob der Smart Store ein Flop wird oder durch die Decke geht – nach fünf Wochen Betrieb lässt sich das bisher nicht vorhersagen.“

Als Ersatz zum klassischen Ladenbetrieb mit Bedienung sieht Miesner das neue Angebot nicht, eher als Ergänzung – für alle die, die außerhalb der Öffnungszeiten seines Geschäfts vorbeikommen. Aber auch neue Zielgruppen habe der SB-Laden erschlossen: „Das Einkaufsverhalten verändert sich, nicht alle Kunden wollen mehr bedient werden – viele wollen auch selbst aussuchen“, hat er festgestellt. Das betreffe nicht nur die jüngeren Generationen: „Unser Klientel ist bunt gemischt.“ Schon jetzt hat sich der neue Markt herumgesprochen, vor allem über Mundpropaganda und die sozialen Medien. „Es darf aber gern noch bekannter werden“, findet der Sotheler. Während des Pressegesprächs huscht eine junge Frau herein. Sie scheint sich auszukennen. Zielstrebig eilt sie zum Fach mit vorbestellter Ware, scannt ihr Päckchen an der Kasse mit einem Handscanner, zahlt mit der EC-Karte und ist nach 30 Sekunden wieder verschwunden. Andere sehen sich länger um. Das kann Miesner anhand der Videoüberwachung sehen, die ihm aufs Handy gespielt wird – bis jetzt ein wirksamer Schutz gegen Vandalismus und Diebstahl. Auch das sieht er als Vorteil gegenüber den „Vertrauensständen“ vieler Erzeuger am Straßenrand: Hier habe bisher noch niemand randaliert oder die Zeche nicht bezahlt, „und wenn, wäre das anhand der Videoaufnahmen gut zu verfolgen“, so Miesner. Die „24“ in roten Lettern stimmt nicht ganz: Erfahrungen anderer Anbieter vergleichbarer Läden hätten gezeigt, dass eine Öffnungszeit von 5 bis 23 Uhr unliebsame Besucher zur falschen Uhrzeit abhält, genauso wie der Verzicht auf Bargeldzahlung.

Das Angebot soll noch wachsen

In Zukunft will Miesner, der schon seit 2020 mit einer Bestellapp arbeitet, das Angebot noch ausweiten – Bauernhof-Chips sind bereits bestellt und sollten im Laufe der Woche in den Regalen zu finden sein. Und auch Fisch aus Meckelsen sowie Obst und Gemüse aus der Region sollen demnächst im Sortiment zu finden sein. Dazu müsse man jedoch erst die Raumtemperatur in den Griff bekommen: „Die Kühlschränke entwickeln doch mehr Abwärme als vermutet.“ Zum Winter hin weicht das Grillgut zunehmend Kassler, Kohlwurst und Pinkel, und auch über Fertiggerichte denkt Miesner nach. Ein Artikel, der fehlt, sind alkoholische Getränke: Sie wird es zwischen Limonaden und Wasser auch in Zukunft nicht geben: „Dann müsste man ganz andere Volljährigkeits-Kontrollen vorsehen, das würde einfach zu aufwendig!“ Ansonsten will sich Miesner bei der Erweiterung seines Angebots an den Markt und die Kundenwünsche, für die eine Liste ausliegt, herantasten. Regional soll es bleiben, „aber es müssen schon Artikel sein, die verlässlich geliefert werden und die der Kunde auch noch bezahlen kann.“ Schon jetzt verzeichnet die Statistik am Wochenende mal 200 Kunden pro Tag. Geht es nach ihm, dürfen es gern noch mehr werden.

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