Schlaganfall: Neuer Wirkstoff könnte Erholung verbessern
Mehr Patienten erholen sich nach 90 Tagen
An der Untersuchung nahmen 998 Patientinnen und Patienten mit einem ischämischen Schlaganfall teil. Zusätzlich zur üblichen medizinischen Versorgung erhielten die Teilnehmenden zehn Tage lang täglich entweder den Wirkstoff Loberamisal oder ein Placebo als Infusion. Die Therapie begann innerhalb von 48 Stunden nach den ersten Beschwerden.
Nach 90 Tagen hatten sich 69,7 Prozent der Patienten unter Loberamisal vollständig oder nahezu vollständig funktionell erholt. In der Placebogruppe waren es 56,3 Prozent – eine Differenz von 13,4 Prozentpunkten. Als gute funktionelle Erholung werteten die Forscher, wenn die Betroffenen im Alltag keine oder keine wesentlichen Einschränkungen mehr hatten. Die Ergebnisse der Phase-III-Studie wurden im Fachjournal »JAMA« veröffentlicht.
Loberamisal soll Gehirnzellen schützen
Bei einem ischämischen Schlaganfall verstopft ein Blutgerinnsel ein Gefäß im Gehirn. Dadurch erhält ein Teil des Gehirngewebes zu wenig Sauerstoff, wodurch es über verschiedene Mechanismen zu Nervenschäden kommen kann. Selbst wenn das Gerinnsel schnell beseitigt wird, können neurologische Einschränkungen zurückbleiben.
Loberamisal soll gleich an zwei Vorgängen ansetzen, die Nervenzellen nach einem Schlaganfall zusätzlich schädigen können. Der Wirkstoff soll eine schädliche Überaktivierung der Zellen dämpfen und zugleich ihre hemmenden Signalwege stärken. Auf diese Weise soll er das gefährdete Gehirngewebe schützen und die Erholung geschädigter Zellen unterstützen.
Ergebnisse müssen in weiteren Studien bestätigt werden
Art und Häufigkeit unerwünschter Ereignisse waren in beiden Gruppen ähnlich. Die Studienautoren bewerten die Sicherheitsdaten daher als beruhigend. In einem Kommentar desselben Fachjournals mahnt Experte Professor Dr. Jeffrey L. Saver von der University of California in Los Angeles jedoch zur Zurückhaltung: Patienten, bei denen das Blutgerinnsel mechanisch entfernt worden war, waren von der Studie ausgeschlossen. Zudem nahmen ausschließlich asiatische Patienten teil, sodass sich die Ergebnisse möglicherweise nicht auf andere Bevölkerungsgruppen übertragen lassen. Der Kommentator hält den beobachteten Nutzen außerdem für ungewöhnlich groß und kritisiert, dass zuvor nur eine Laborstudie zu Loberamisal veröffentlicht worden war. Weitere Studien seien deshalb dringend notwendig, um die Ergebnisse zu bestätigen. Wann der Wirkstoff verfügbar sein könnte, ist noch unklar.
Quellen: