Schleich: Kreditgeber greifen nach der Spielzeugikone
Beim angeschlagenen Spielzeughersteller Schleich bahnt sich nach Informationen der WirtschaftsWoche ein Eigentümerwechsel an. Kreditgeber des Unternehmens, darunter die Beteiligungsgesellschaft H.I.G. Capital, wollen die Kontrolle bei Schleich übernehmen. Geplant sei, dass Forderungen der Finanzgläubiger in Anteilsrechte umgewandelt werden, heißt es in Finanzkreisen.
H.I.G. Capital hat beim Bundeskartellamt bereits den „indirekten Erwerb einer Minderheitsbeteiligung“ an der Schleich Group Holding angemeldet. Auch bei den österreichischen Wettbewerbsbehörden wurde ein ähnlicher Antrag eingereicht. Eine Gruppe von Kreditgebern beabsichtige im Zuge einer finanziellen Restrukturierung „mittelbar sämtliche Anteile an der Schleich Group Holding“ zu erwerben, heißt es darin. H.I.G. wollte den Vorgang nicht kommentieren.
Das 1935 von Friedrich Schleich gegründete Unternehmen zählt zu den größten und bekanntesten Spielzeugherstellern Deutschlands. Mit Charakteren aus populären TV-Serien wie „Die Schlümpfe“, „Biene Maja“ und „Lucky Luke“ sowie Tieren aller Art hat Schleich die Kinderzimmer in zahlreichen Ländern erobert.
Seit 2019 gehört Schleich der Schweizer Private-Equity-Gesellschaft Partners Group, die das Unternehmen von der französischen Investmentgesellschaft Ardian übernommen hatte. Die Schweizer wollten die Traditionsfirma eigentlich zu einer globalen Marke weiterentwickeln und das Geschäft mit Dinosaurier-, Einhorn- und Tierfiguren rasant ausbauen.
Man wolle das Unternehmen „in eine neue Phase des internationalen Wachstums führen, die Marke für ein globales Publikum weiterentwickeln und den Aufbau von Partnerschaften mit Online- und stationären Einzelhändlern weltweit fortsetzen“, hieß es damals in einer Pressemitteilung. Doch daraus wurde nichts.
Im Corona-Boom, als Kinder notgedrungen mehr Zeit zu Hause verbrachten, zogen die Erlöse zwar zunächst massiv an. Dann aber folgte der Absturz, zeigen Finanzzahlen der Konzernzwischengesellschaft „SCUR-Alpha 1092“: 2023 fiel Schleichs Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf 235 Millionen Euro. 2024 ging es offenbar weiter abwärts – auf rund 220 Millionen Euro Umsatz. Das Management leitete harte Sparmaßnahmen ein. Unter anderem gab Schleich seinen Stammsitz in Schwäbisch Gmünd im Osten Baden-Württembergs auf.
Der Hauptsitz wurde nach München verlegt, außerdem entstand in der tschechischen Hauptstadt Prag ein neues Servicecenter. Die Produktion der Spielwaren befand sich ohnehin bereits im Ausland: Schleich-Figuren werden von internationalen Auftragsfertigern hergestellt. Auch im Management gab es Wechsel.
Vor gut einem Jahr übernahm Manfred Ziegler den Chefposten bei Schleich. Er sehe es „als vorrangige Aufgabe an, in Zusammenarbeit mit den Kreditgebern und Aktionären die Betriebsabläufe zu optimieren, den Kundenservice zu verbessern und die Kostenbasis des Unternehmens zu stärken“, erklärte der Manager damals. Schon zu diesem Zeitpunkt stand dem Vernehmen nach ein Schuldendeal im Raum.
Die Umsetzung soll sich aber wegen steuerlicher Themen verzögert haben. Zudem soll ein sanktioniertes russisches Unternehmen zu den Gläubigern gehört haben, was die Umstrukturierung offenbar zusätzlich erschwert hat. Die Partners Group wollte den nun bevorstehenden Gesellschafterwechsel auf Anfrage nicht kommentieren.