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Schnappatmung inklusive: Schau der Moderne überwältigt mit Kunst-Highlights

Unterhaltung

"This is the Modern World": Überwältigend schöne Ausstellung

Stand: 08.09.2026 11:37 Uhr

Die Hamburger Kunsthalle hat tief in ihrer eigenen Sammlung gegraben und zeit unter dem Titel "This is the Modern World" mehr als 150 Werke der eigenen Sammlung. Werke aus sechs Jahrzehnten von Picasso, Kandinsky, Modersohn-Becker, Magritte und vielen mehr sind dort nun vereint zu sehen.

von Kerry Rügemer

Nicht kleckern, sondern klotzen - das ließe sich als Motto über diese großartige Ausstellung stellen. Schon im ersten Saal kann man sich einer Schnappatmung kaum entziehen: Henri Rousseaus "Eva im irdischen Paradies" von 1906 nimmt da im grünen Garten den Apfel der Schlange entgegen.

Daneben hängt knallgelb mit dicker Farbe aufgetragen das abstrakte "Raumkonzept" des Italieners Lucio Fontana, benachbart von einem fragilen Mobile von Alexander Calder. Außerdem befinden sich ein winziger Schrumpfkopf von Anita Rée und weitere Werke aus den sechs Jahrzehnten zwischen 1900 und 1960 hier - und das alles in nur einem der Räume.

Sechs Jahrzehnte in einer Galerie

"Das hieß bei uns lange 'Big Bang'. Wir wollten alles auf einmal zeigen - die ganze Bandbreite, die ganze Epoche in einer Galerie", sagt Toby Kamps und lächelt fast schüchtern. Dies ist seine erste Ausstellung in der Kunsthalle. Erst vor eineinhalb Jahren hat der Amerikaner die Leitung der modernen Sammlung übernommen. Mindestens dreimal täglich ist er im Depot gewesen, um alle Werke kennenzulernen.

Das Erste, das auffällt: Die Werke hängen ziemlich dicht und tiefer als sonst. "Wir haben es einen Tick niedriger gehängt, damit man mehr körperliche, emotionale Verbindungen hat und es nicht rein intellektuell betrachtet", so der Kurator.

Vorbilder Rée und Beckmann: "Provokateure und Beobachter"

Die Leitfiguren dieser Schau sind Max Beckmann und Anita Rée. Sie sind Zeitgenossen, die sich vermutlich nicht näher kannten, deren Kunst aber unter den Nazis als entartet verfemt wurde. "Sie sind sehr wichtige Künstler aus der Zeit der Moderne und beide sind eigentlich die Vorbilder für moderne KünstlerInnen." Sie seien Provokateure und Beobachter gewesen, hätten ständig ihren eigenen Stil entwickelt und neue Seh- und Denkweisen ausprobiert, erklärt Kamps.

Und so hängen sie nun einander zugewandt. Auf der einen Seite des Raums befindet sich das erst 2020 von der Kunsthalle erworbene Selbstporträt Max Beckmanns. Lässig, eine Zigarette haltend, blickt der 1907 noch junge Künstler in Florenz aus dem Bild sein Gegenüber an. Auf der anderen Seite guckt Anita Rée in ihrem Selbstporträt besorgt, fast grimmig auf die Welt.

Überwältigend schön und beeindruckend

Eine Riesenskulptur des Engländers Henry Moore, außerdem Werk Otto Dix und das im vergangenen Jahr erworbene Bild "Palast der Vorhänge" von René Magritte, dann David Hockney, Max Pechstein und Emmy Kirchner. Diese Fülle von Werken ist überwältigend schön und zeigt beeindruckend, wie besonders diese sechs Jahrzehnte in der Kunst waren. Sechs Jahrzehnte geprägt von der zunehmenden Industrialisierung, zwei Weltkriegen - von Verboten und Aufbruch.

Am Ende der Schau wartet noch ein extra Hamburg-Saal: der Jungfernstieg aus der Sicht Eduard Bargheers, Hafen- und Lokalszenen, sowie Karl Kluths "Akt auf dem roten Sofa", das die Nazis als pornografisch einstuften. Diese Ausstellung ist ein absolut gelungenes Highlight.

Die Ausstellung "This is the Modern World" ist noch bis Ende Mai in der Kunsthalle Hamburg zu sehen.

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