Schneller, breiter und dennoch günstig
Video: Canyon Grail 2027 Test
Canyon Grail Infos und Preise
Es war klar, so konnte es nicht bleiben: Während die globale Gravel-Rennszene für viele Events auf MTB-Reifengrößen mit 55 mm und mehr umschwenkte, waren die Canyon-All-Terrain-Racer des Rennteams am Grail auf schmalere Bereifung festgelegt, auch wenn manche die offizielle Grenze des alten Grail von 42 mm zumindest an der Gabel auf 50 mm ausreizten. Vielleicht deshalb konnten die Athleten und Athletinnen gar nicht früh genug auf das neue Canyon Grail 2027 umsteigen. Schon im Frühjahr war es bei Rennen wie Traka zu sehen, obwohl das Serienmodell erst heute auf den Markt kommt. Und nun ist es offiziell: Es passen bis zu 57 mm beziehungsweise 2,25 Zoll breite Reifen in Rahmen und Gabel. Race-Anspruch Nummer eins: Check.
Der andere wichtige Race-Faktor ist die Aerodynamik. Denn die Siegerzeit bei Unbound Gravel hat sich seit 2024 um rund 2,5 Stunden verkürzt, die Schnitte erreichen auch bei langen Gravelrennen 35 km/h. Und auch hier liefert die dritte Generation des Grail. Denn sie soll – nach Canyon-Messungen im Windkanal – rund 6 Watt effizienter bei 35 km/h als das Grail 2 sein.
Wie gewohnt kommt das neue Canyon Grail 2027 dabei in drei Carbonqualitäten CF, CF SLX und dem High-End-Modell CFR, die sich aber in wichtigen Details unterscheiden. Und es steht bereits zu Preisen ab 2.499 Euro mit Carboncockpit und Carbonlaufrädern an der Startlinie. Hier die wichtigsten Fakten:
Dritte Generation des Canyon-Grail-Race-Gravelbikes
Reifenfreiheit bis 57 mm / 2,25 Zoll
Nur für 1-fach-Antriebe ausgelegt
Aerodynamik auf Gravel-Geschwindigkeiten bei 35 km/h optimiert
5,7 Watt weniger Luftwiderstand als Grail Gen. 2 bei 35 km/h und 40-mm-Reifen
Neue, race-orientiertere Geometrie mit 15 mm geringerem effektivem Stack und 3 mm kürzerem effektivem Reach
10 mm längere Kettenstreben
Neue Control Drops für das CP0048 PACE Cockpit an CF SLX und CFR
Gear-Groove-Schnittstelle für Licht und Aero-Aufsätze
Load-Unterrohr-Staufach an CF SLX und CFR
Neue SP0093 VCLS Aero Sattelstütze mit höherer Nachgiebigkeit
Neue Canyon GR 50 CF Carbonlaufräder mit 50 mm Felgenhöhe und 27 mm Innenweite
Ausstattung 6 Modelle in CF, CF SLX und CFR
Gewicht 7,8 kg bis 8,6 kg, Herstellerangaben je nach Modell
Preis 2.499 Euro bis 7.999 Euro
Hersteller-Info www.canyon.com
Modelle und Preise
Canyon Grail CF 7 – 2.499 Euro
Canyon Grail CF 7 SPEED – 3.499 Euro
Canyon Grail CF SLX 7 Di2 – 3.999 Euro
Canyon Grail CF SLX 8 AXS – 4.999 Euro
Canyon Grail CFR Di2 – 6.500 Euro
Canyon Grail CFR AXS – 8.000 Euro
Was ist neu?
„Sieht schnell aus“, habe ich auf meinen Canyon Grail CF 7 Speed-Testkilometern oft als Reaktion gehört. Tatsächlich verfügt der neue Rahmen in allen drei neuen Carbon-Versionen über die gleichen Aero-Features. Das an den Trinkflaschen aufgeweitete Unterrohr erinnert dabei an das Canyon Endurace 2027, das im Frühjahr neu erschien. Und auch die neue VCLS Aero-Sattelstütze ist eine direkte Übernahme von den aero-optimierten Modellen Endurace und Aeroad – was sich neben der Aerodynamik auch positiv auf die Fit-Optionen auswirkt. Apropos Fit: Alle neuen Canyon Grail Gen 3 haben die gleiche, stärker race-orientierte Sitzposition mit 1,5 cm geringerem Stack als die Vorgängergeneration. Aber die Geometrie blieb ansonsten wie gewohnt, vor allem an der Front. Aber es gibt auch Unterschiede zwischen CF, CF SLX und CFR außer der Carbonqualität. Vereinfacht könnte man sagen, das CF-Niveau ist bikepackingtauglicher. Und nicht ganz leicht: Unser Testrad in Größe M wog mit 2 Flaschenhaltern 8,7 kg – runde 300 g mehr, als Canyon angibt. Was ist also neu?
57 mm Reifenfreiheit
Das neue Grail nimmt Reifen bis 57 mm beziehungsweise 2,25 Zoll in 700c auf. Damit übertrifft es den Vorgänger deutlich. Aber auch im direkten Vergleich mit jüngeren Gravelbike-Neuheiten steht es hervorragend da – zuletzt erschienen das Scott Addict (57 mm), Ridley Kanzo Fast 2.0 (58 mm), Specialized Crux (53 mm) oder das Argon 18 Anti Matter (55 mm).
Um Platz für die massive Reifenfreiheit zu schaffen, ist die Kettenstrebe an der rechten Seite flach und als Carbon-Vollmaterial ausgeführt, wie man es bereits vom Specialized Diverge kennt. Aber auch die 2-fach-Kompatibilität opferte man den dicken Reifen. Das Grail 2027 ist nur für 1-fach-Antriebe konstruiert. Vorne dürfen Kettenblätter mit bis zu 52 Zähnen montiert werden. An den teureren Modellen können sie sogar direkt im MyCanyon-Custom-Programm gewählt werden.
Aerodynamik: 5,7 Watt gespart zum Vorgänger
Wie es sich für ein Race-Gravelbike heute gehört, war auch das Canyon Grail 2027 im Windkanal, um die entwickelten Aero-Verbesserungen zu überprüfen. Canyon testet dabei im GST-Windkanal in Immenstadt mit Beindummy und betrachtet ausdrücklich auch die geringeren Gravel-Geschwindigkeiten von 35 km/h.
Mit identischen 40-mm-Reifen soll das neue Grail bei diesem Tempo 110,0 Watt benötigen. Der Vorgänger kam auf 115,7 Watt. Mit 45-mm-Reifen sinkt der Grail-Gen-3-Messwert sogar leicht auf 109,5 Watt. Und mit den breiteren Reifen schneidet das neue Grail immer noch effizienter durch den Wind als das alte mit 40 mm. Der aerodynamische Sweetspot liegt also bei den serienmäßig an allen Modellen verwendeten 45-mm-Reifen.
Auch Wettbewerber hat Canyon verglichen, wobei sich das Grail 2027 auf Augenhöhe mit bekannt schnellen Gravelbikes präsentierte:
Canyon Grail Gen. 3: 109,5 Watt bei 35 km/h mit 45-mm-Reifen
Rose Backroad FF: 112,3 Watt bei 35 km/h mit 45-mm-Reifen
Factor Ostro Gravel: 110,3 Watt bei 35 km/h mit 45-mm-Reifen
Cervélo Áspero-5: 109,9 Watt bei 35 km/h mit 45-mm-Reifen
Canyon GR 50 CF Laufräder
Zusammen mit dem Grail Gen 3 erscheinen auch zeitgemäße Aero-Gravel-Laufräder namens Canyon GR 50 CF. Kleiner Vorgriff: Sie waren für mich ein Highlight. Sie kommen an zwei Modellen zum Einsatz, und zwar schon am 3.500-Euro-Testrad Grail CF 7 Speed sowie außerdem am Grail CF SLX 7 Di2. Aber sie sind auch für rund 1.000 Euro separat erhältlich. Dabei versprechen DT Swiss 350 Dicut-Naben, gepaart mit Speichen der Schweizer, solide Laufradtechnik für rauen Einsatz, was auch das etwas höhere Gewicht von 1.675 g (Herstellerangabe) erklärt. Die technischen Daten:
Felgenmaterial Carbon
Felgenhöhe 50 mm
Innenweite 27 mm
Felgenbreite außen 38,5 mm
Bauart Hookless
Empfohlene Reifenbreite 35 bis 60 mm
Naben DT Swiss 350 Dicut
Speichen DT Swiss Aerocomp II
Interne Speichennippel
Als zeitgemäß bezeichne ich sie, weil sie mit 27 mm Innenweite und satten 38,5 mm Außenbreite auf breite Reifen optimiert sind. Zugelassen sind Reifen von 35 bis 60 mm. Dabei lassen die Felgenhöhe von 50 mm und die stark abgeflachte U-Form schon schließen, dass es Canyon bei der Entwicklung vor allem um bessere Aerodynamik mit breiten Reifen und Seitenwindstabilität ging. In letzterem Punkt beeindruckten die GR 50 CF mich im Test mit einfacherem Handling als mancher Straßenlaufradsatz mit weit geringerer Bauhöhe aus Reifen und Felge. Canyon hat das Lenkmoment im Windkanal untersucht. Dabei soll der GR 50 CF über verschiedene Anströmwinkel relativ geringe und vor allem gleichmäßig verlaufende Lenkmomente erzeugen.
Auch aerodynamisch ordnet sich der neue Laufradsatz laut Canyon ziemlich weit vorne ein. Mit einem Schwalbe G-One RS in 45 mm nennt Canyon im Mittel 44,8 Watt, nur 0,2 Watt mehr als für einen DT Swiss GRC 1400 50. Ein Zipp 303 XPLR SW kam im gleichen Test auf 45,6 Watt.
Pace Cockpit mit Control Drops
Nicht zuletzt erbt das Canyon Grail 2027 auch das von den Rennrädern der Marke bekannte Pace Bar System mit all seinen Vorteilen und Nachteilen. Vorteile sind die verstellbare Lenkerbreite, das einfache Verstellen der Lenkerhöhe und austauschbare Lenkerenden – mithin viele ergonomische Optionen, die keine aufwendigen Umbauten erfordern. Nachteil ist, dass keine anderen Standard-Teile angebaut werden können. Deshalb wird es manchen freuen, dass Pace Bar nur an CF SLX und CFR-Niveau kommt. Wogegen die CF-Modelle weiter auf das bekannte CP0039 Cockpit setzen. Es wird konventionell auf einen runden Gabelschaft montiert.
Zusammen mit dem CP0048 Pace Bar kommen neue Control Drops zum Einsatz. Sie haben 120 mm Drop und 17 % Flare und stehen in Breiten von 370 bis 420 mm zur Verfügung. Da das Grail auch Einzug ins MyCanyon-Programm hält, können die Drops dort auch direkt beim Kauf getauscht werden.
An allen Cockpits lassen sich über die Gear-Groove-Schnittstelle wie gehabt Licht und Aero-Aufsätze integrieren.
Bikepacking, Staufach und Schutzbleche
Wie ist das Grail Gen 3 für Bikepacking und Alltag gerüstet? Die kurze Antwort: Die CF-Baureihe bietet am meisten Bikepacking-Optionen. Die längere: Ein Staufach im Unterrohr gibt es nur an zwei Modellvarianten: Grail CF SLX und die CFR-Modelle besitzen das Load Down Tube Storage. Es fasst unter anderem Werkzeug, Pumpe beziehungsweise CO₂-Kartusche und weitere Kleinteile. Bei unserem Testrad mit dem günstigeren CF-Rahmen fehlt das praktische Fach also.
Wer vorne an der Gabel Bikepacking Cages montieren will, kann das wiederum nur an den CF-Modellen. Für die gibt es weiterhin die bekannten „Fork Sleeves“ des Grail, an denen Bikepacking-Halter befestigt werden können.
Auch das Konzept der passenden, anschraubbaren Taschen setzt Canyon am Grail 2027 fort. Die Koblenzer arbeiten hier mit Cyclite zusammen. Vom deutschen Spezialisten für leichte Bikepacking-Taschen gibt es eine aufs Grail 3 abgestimmte Oberrohrtasche. Außerdem sind maßgeschneiderte Rahmentaschen abgestimmt auf die 7 verfügbaren Rahmenhöhen zu haben.
Schutzbleche für den Einsatz beim Pendeln oder als Winter-Trainingsrad können nur an den CF SLX- und CF-Modellen montiert werden. Und schließlich fehlt dem CFR-Modell auch das zusätzliche Gewindepaar unter dem Unterrohr. Die Unterschiede im Überblick:
CF vs. CF SLX vs. CFR
Grail CF: 1128 g Carbonrahmen (M), CP0039 Carboncockpit, Schutzblechaufnahmen, kein Load Storage
Grail CF SLX: 1095 g Carbonrahmen (M), CP0048 PACE Bar, MyCanyon-Optionen, Load Storage, Schutzblechaufnahmen
Grail CFR: 989 g Carbonrahmen (M), leichtester CFR-Layup, CP0048 PACE Bar, MyCanyon-Optionen, Load Storage, keine Schutzblechaufnahmen, kein dritter Flaschenhalter unter dem Unterrohr
*alle Gewichte Herstellerangaben
Ausstattung: 6 Modelle von 2.499 bis 7.999 Euro
Wie gehabt, teilt Canyon das Grail in drei Carbon-Niveaus auf. Insgesamt stehen sechs Modelle zur Wahl, verteilt auf CF, CF SLX und CFR. Der Einstieg ins Grailfahren wird dabei 2027 teurer. Los geht es bei 2.499 Euro für das Grail CF 7 mit mechanischer GRX 1×12. Es hat dann sogar schon Newmen Advanced G34 Carbon-Laufräder an Bord. Das Grail Gen 2 war dagegen noch für 2.199 Euro zu haben, hatte aber nur Alu-Laufräder.
Einen besonders interessanten Sprung macht das Grail CF 7 Speed-Testrad für 3.499 Euro. Für 1.000 Euro Aufpreis kommen die elektronische SRAM Rival XPLR 1×13 und vor allem die neuen 50 mm hohen Canyon GR 50 CF Carbonlaufräder hinzu. Mit 8,4 kg ist es nur geringfügig leichter, ist aber sicher das interessantere Modell der CF-Baureihe. Richtig spannend wird es in Sachen Preis/Leistung aber mit dem Grail CF SLX Di2, das für rund 4.000 Euro alle Vorzüge des Pace-Bar-Systems, das Staufach und die hervorragenden neuen Laufräder mitbringt.
Ohne bei den Modellen in Sachen Ausstattung ins Detail zu gehen, was muss man wissen?
Ab 2.499 Euro: Carbonrahmen, Carboncockpit, Carbon-Laufräder und VCLS Aero-Sattelstütze bereits am Grail CF 7
Ab 3.499 Euro: elektronische SRAM Rival XPLR AXS Schaltung und Canyon GR 50 CF Carbonlaufräder am Grail CF 7 Speed
Ab 4.000 Euro: CF-SLX-Rahmen, Load Storage und CP0048 PACE Cockpit
Ab 5.000 Euro: SRAM Force AXS E1 und DT Swiss GRC 1400 50
Ab 6.500 Euro: CFR-Rahmen und DT Swiss GRC 1100 50
8.000 Euro: SRAM Red XPLR AXS und mit 7,8 kg leichtestes Serienmodell
Oder, anders zusammengefasst: Carbonlaufräder und Carboncockpits gibt es an allen Modellen. Wer außerdem ein Staufach will, muss zum CF-SLX-Niveau greifen. Ab CF SLX ist auch das CP0048 Pace Bar an Bord, das die Breitenverstellung des Lenkers erlaubt und austauschbare Lenkerenden hat. Wer die besten Berggänge will, für den kommen in erster Linie die Shimano-Di2-Modelle in Frage. Aber ein Gang mehr und die geringeren Gewichte gibt es an den SRAM-XPLR-AXS-Modellen.
Außerdem sind Powermeter erst ab 5.000 Euro mit SRAM Force serienmäßig dabei. Und alle Modelle bis auf das CFR-Top-Modell mit SRAM Red AXS XPLR wiegen über 8 Kilo, wobei das Grail CF SLX 8 AXS mit 8,2 kg sogar leichter ist als das CFR-Modell mit Di2.
Hier findet ihr nochmal die Ausstattungen im Detail:
Alle sechs vorgestellten Serienmodelle rollen auf 45-mm-Reifen. An CF und CF SLX kommen je nach Modell Schwalbe G-One R oder G-One RS zum Einsatz, nur die CFR-Modelle bekommen den G-One RS Pro.
Interessant ist beim Blick auf die Ausstattungstabelle auch, was es zunächst nicht mehr gibt: Ein RIFT-Modell mit der DT Swiss F132 One Federgabel fehlt im Programm. Die Geometrie würde jedoch den Einbau einer Federgabel ohne gravierende Änderungen der Fahreigenschaften erlauben – vielleicht folgen später noch Spezial-Modelle. Damit direkt zur Auslegung des Rahmens.
Geometrie: racy und etwas länger
Grundsätzlich gilt „Grail bleibt Grail“, was die Geometrie angeht. Die erwähnte Verschärfung der Sitzposition für den Rennreinsatz ist die größte Änderung von Generation 2 zu Generation 3. So sinkt der Stack um 15 mm. Damit entspricht das Grail 2027 in M in dieser Hinsicht ziemlich genau einem Specialized Crux in 56 und beide gehören insgesamt zu den besonders sportlich ausgelegten Gravelbikes.
Eine andere Änderung ergibt sich unter anderem aus der gestiegenen Reifenfreiheit: Die Kettenstreben wachsen um 10 mm auf durchgängig 435 mm. Der Längenzuwachs geht dabei 1:1 in einen längeren Radstand über, da sich am Lenkwinkel (68,5° bis 71,8°) und an den sonstigen für die Lenkeigenschaften wichtigen Kennzahlen nichts geändert hat. Unterm Strich hat das Canyon Grail 2027 damit eine eher auf Fahrstabilität ausgelegte Geometrie. Auch der Nachlauf von 69 mm in den Größen S bis L schlägt in diese Kerbe. Auffällig ist ansonsten noch der über alle Größen identische Sitzwinkel von 73,5°.
In unserer Geometrie-Datenbank könnt ihr das Canyon Grail 2027 ganz einfach mit anderen Race-Gravelbikes vergleichen. Einfach auf die Links in der Tabelle unten klicken. Eine sehr ähnliche Geometrie, aber kürzere Kettenstreben, hat zum Beispiel das Ridley Kanzo Fast 2.0. Hier gibt es einen Vergleich des Testrades in M.
Insgesamt 7 Größen von 2XS bis 2XL. Noch ein Fitting-Detail: Wie schon beim Endurace setzt Canyon beim Grail 2027 kürzere Kurbeln über alle Größen hinweg ein. Mein Canyon Grail CF 7 Speed-Testrad im M hat entsprechend 165 mm lange Kurbeln. Das hat mich bereits am Endurace überzeugt und mich erneut begeistert. Das ist aber sicher auch eine Frage des persönlichen Fahrstils, es begünstigt in meinem Fall das Fahren in hohen Kadenzen.
Sitzprobe: Perfect fit in M
Das Canyon Grail CF 7 Test-Rad in M erweist sich schon bei der ersten Sitzprobe für meine Körpermaße (siehe Testerprofil unten) als Perfect Fit. Ich sitze leicht aufrecht mit einer Überhöhung von 6 cm bei der maximalen Spacerzahl von 3,5 cm. Dabei landen die Hände wie gewohnt in der Mulde der Griffhöcker – andere passende Fits für mich sind etwa ein Specialized Crux in 56 oder ein Rose Backroad FF in M/L. Nach den ersten 100 km nehme ich kleinere Anpassungen der Sattelhöhe (normal 760 mm) und Sitzlänge vor. So wandert der Sattel ganz nach vorne und ich erhöhe den Auszug der Sattelstütze wie schon beim Endurace CF SLX Test um einige Millimeter, weil es besser zur kurzen Kurbel passt.
Als sehr passend zum Einsatzgebiet empfand ich die Cockpit-Form. Besonders hervorstechend: Außen am Oberlenker existiert eine Art Mulde, worin die Handfläche so richtig schön eingebettet ist am Daumenballen. Auch der Übergang zu den Rival-AXS-Hebeln ist sehr gut. Nicht richtig anfreunden kann ich mich mit der Lenkerbreite. Hier habe ich mich inzwischen an 360 mm bis 380 mm Griffweite an den Hoods gewöhnt.
Generell kann man sagen, dass ein schmaleres Cockpit besser zu einem Race-Gravelbike passen würde. Insofern ist die verstellbare Lenkerbreite des Pace-Cockpit-Systems das Ausstattungsdetail, was ich auf dem CF-Niveau am meisten vermisse. Andererseits erlaubt gerade dieser Aufbau auch den Wechsel auf andere Lenkerformen oder sogar separate Lenker-Vorbau-Kombis und damit einen noch individuelleren Fit als bei den höherwertigen Modellen. Auch eine Überlegung wert.
Auf dem Kurs
Das Canyon Grail 2027 hat mit seinem Launch-Datum unseren großen Race-Gravelbike-Test leider knapp verpasst. Ein echter Vergleich liegt auch schon allein deshalb nicht nahe, weil wir hauptsächlich das zweitgünstigste Modell statt des Top-Modells getestet haben. Erwähnenswert ist aber, dass das vergleichbare CFR-Top-Modell mit 7,8 kg preislich am nächsten am Preis/Leistungssieger Rose Backroad FF gelegen hätte und in Sachen Gewicht in der Mitte des Feldes, aber in puncto Reifenfreiheit an der Spitze. Als ergänzenden Vergleich kann ich persönlich hinzufügen: Der Komfort im Sattel ist am Grail so hoch wie beim Besten der sieben Race-Gravelbikes im Testfeld, während die Fahreigenschaften sich eher auf der beruhigteren Seite einordnen lassen, definitiv wäre das Grail einer der Kandidaten für besonders schnelle Schotterabfahrten.
Apropos schnelle Abfahrten: Ein richtiges Rennen fahren konnten wir mit dem neuen Canyon Grail CF SLX, und zwar gleich die kurze Strecke der Deutschen Meisterschaft Gravel am Nürburgring. Mein Kollege Ingo pilotierte das Grail CF SLX 7 Di2 mit 57-mm-Reifen über den anspruchsvollen Kurs und fuhr in seiner Klasse damit sogar auf Platz 12. Sein Fahreindruck bestätigt, wie wichtig die neu gewonnene Reifenfreiheit auf solchen Rennkursen ist.
Ingo: „Für das Rennen habe ich die Reifen mit 19 psi vorne und 20 psi hinten aufgepumpt. Bei 70 kg Fahrergewicht ergibt sich leichter Sag im Reifen, ideal für die Geländefahrt. Gewöhnt euch an die psi-Angaben: je breiter die Reifen werden, desto mehr Sinn ergibt es, die Angabe in psi und nicht mehr in bar zu machen. Mit immer breiteren Reifen können geringere Drücke gefahren werden und die Angabe in 1,3 bar und 1,4 bar oder doch 1,35 bar wird schwieriger an den Pumpen einzustellen, falls überhaupt möglich.
Das Rennen startet mit einer Runde über die Kurzanbindung der GrandPrix-Strecke, bevor wir auf die Grüne Hölle, die Nordschleife, abbiegen. Kurzanbindung, Hatzenbach und Hocheichen fahren wir auf der asphaltierten Strecke, bevor wir uns den Schotterwegen zuwenden. Das Rad läuft trotz der Reifen erstaunlich gut. Nur massives Arbeiten auf dem Rad quittiert der Reifen mit Walkarbeit. Überholen geht dank des schmalen Lenkers und der eher sportlichen Geometrie des Grails auch mit zig Rädern nebeneinander.
Endlich auf Schotter angekommen, wird der Weg bedeutend enger und der Untergrund ist für viele Mitstreiter, auf schmaleren Reifen, ein echtes Hindernis. Mit den 2,25″ Schwalbe Thunder Burts kann ich diese Passage einfach überrollen, muss mich jedoch mit den langsam fahrenden Hindernissen um den Weg streiten. Das Rad wirkt wegen des längeren Radstands auch bei hohen Geschwindigkeiten stets souverän. Egal, ob Premiumgravel oder Bahndammschotter anliegt.
Auf den Anstiegen merke ich die Traktion der breiten und wirklich ideal aufgepumpten Reifen. Die Schwalbe Thunder Burts verzahnen sich grandios in den Untergrund und es gibt trotz der Steigung hoch zum Adenauer Forst und weiteren Stellen, wie der Hohen Acht und am Schwalbenschwanz, kein Durchrutschen, egal wie lose oder grob der Untergrund ist.
Nach dem Abschnitt Ex-Mühle geht es für die Gravelracer wieder auf die Nordschleife und wir fahren durch Adenau und bergauf bis zum Kesselchen. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits die Rennradfahrer auf der Strecke. In meinem Kopf sehe ich mich schon rechts am Streckenrand den Anstieg hochkämpfen, während alle Rennradfahrer an mir und den anderen Gravelracern vorbeiziehen. Nach wenigen Tritten im Anstieg offenbart das Paket von Canyon, auf dem ich fahren darf, sein volles Potenzial. Leicht, 50 mm hohe Felgen und sauber abrollende Reifen auf dem Asphalt. Lediglich für die von einem Motorrad begleiteten Rennrad-Bundesligafahrer mache ich links Platz, ansonsten kann ich mit dem Grail CF SLX auf dem breiten Asphaltband mich an Rennradfahrer dranhängen und ordentlich Plätze gutmachen.
In meinem Kopf bleibt: ein überaus geländefähiges Gerät, das trotz der Breite seiner Reifen kaum einen Nachteil auf Asphalt für den Fahrer darstellt. Der aero-optimierte Rahmen und die hohen und vor allem breiten Felgen sorgen bei typischen Asphalt-Transits zwischen deinen Gravel-Segmenten nicht dafür, dass du auf ein Allroad-Rad umsteigen möchtest.“
Zurück zum normalen und schnellen Graveln mit dem Canyon Grail CF 7 Speed-Gravelbike: Für mich war der oben erwähnte Komfort eines der Highlights. Die Sattelstütze glättet die typischen Gravel-Unbillen spürbar – das habe ich auch bei höherem Luftdruck gegen gecheckt. Das schont auf Dauer Kraft und Konzentration, weil es einfach zu einem gelasseneren Umgang mit den Gegebenheiten der Strecke führt. Ob der Befund mit Grail CF 7 wirklich auf alle Modelle übertragbar ist, kann nicht 100-prozentig sicher gesagt werden, aber erfahrungsgemäß ist hauptsächlich die Sattelstütze für den Flex verantwortlich.
Auf unserer Gravel-Standard-Teststrecke präsentiert sich das Grail CF7 Speed als besonders fahrsicheres Race-Gravelbike. Wie es auf den schnellen Kategorie-1-Gravel-Abschnitten spurt, der eingeschlagenen Linie in den Kurven folgt und nicht den Hauch einer Unruhe zeigt, unterstützt das Tempomachen auf schnellen Strecken abseits des Asphalts perfekt. Je schneller das Rad auf einer Schotterstrecke bergab rast, desto einfacher fühlt sich das schnelle Fahren im Verhältnis zu anderen in dieser Disziplin an.
Dabei gibt sich das Canyon zwar nicht gerade gierig nach Kurven, aber geht doch willig und vor allem spurtreu hindurch. Naturgemäß wirkt mein 8,7 kg schweres Grail CF 7 Testrad dabei nicht besonders agil und wieselflink. Ein heißer Kandidat für spielerische Spaßmanöver und eingestreuten Trailfun ist das Canyon Grail eher weniger. Es will vor allem eins: schnell fahren und dabei Vertrauen stiften.
Apropos Vertrauen stiften: Die geringe Seitenwind-Anfälligkeit der Canyon GR 50 CF Laufräder hat mich schwer beeindruckt. Windausgesetzte Straßenfahrten mit starken Böen und Abfahrten im Gerade-noch-Windschatten von Lieferwagen lieferten ausreichend Belege dafür, dass die neuen Canyon Gravel-Laufräder gutmütiger und berechenbarer bei wechselnden Luftströmungen sind als viele ähnlich hohe Straßen-Laufräder, die noch dazu eine geringere Reifenhöhe haben. Das Freilaufgeräusch ist dezent.
Stichwort Reifen: Die Schwalbe G-One R laufen gefühlt deutlich schlechter als die Modelle mit „Pro“-Zusatz. Für mich ein bisschen unverständlich, warum man an einem Race Gravel mit derart Speed-Potenzial nicht schnellere Reifen ins Paket gemixt hat. Aber irgendeinen Tribut an den Preis muss man zahlen.
Keine Abstriche außer etwas Mehrgewicht gegenüber höherwertigen Gruppen muss man mit der SRAM Rival AXS XPLR machen. Brems- und Schaltperformance lassen nichts zu wünschen übrig und gehören für Gravel zum Besten, was aktuell zu haben ist. Canyon spendiert ihr mit 40er Kettenblatt zudem eine Übersetzung, die auch weniger ambitionierten Gravelbikern entgegenkommt. Dennoch: Schon auf der Straße habe ich oft das 46er Ritzel genutzt. Wer das Grail allroundiger einsetzen will, ist mit den Shimano-ausgestatteten Modellen mit mehr Bandbreite besser bedient. Echte Racer können im MyCanyon-Programm auch größere Kettenblätter konfigurieren.
Canyon Grail 2027 vs. Canyon Grizl 2027
Da sich mit dem Debüt des neuen Grail 2027 viele fragen werden, ob das Grizl oder das Grail die passendere Wahl wäre, haben wir hier eine Entscheidungsmatrix zusammengestellt. Die offizielle Canyon-Unterscheidung ist „Grizl für Bikepacking“ und „Grail für Rennen“, aber da sich das meiste Fahren irgendwo zwischen diesen beiden Polen abspielt, hier die wichtigsten Unterschiede:
Das ist uns aufgefallen
Reifendiskussion: Klare Sache, breite MTB-Reifen sind auf fast allen üblichen Gravelstrecken außer feinstem, festem Kiesweg ein so großer Gewinn, dass die Fähigkeit, sie zu fahren, relevant für die Kaufentscheidung sein sollte. Wenn, ja wenn, man wirklich viel oder wettkampfmäßig auf solchen Strecken fährt.
Kürzere Kurbeln Für viele (bei angepasster Sitzposition) wahrscheinlich die ergonomischere Alternative. Noch besser sind aber Wahlmöglichkeiten, die es zumindest im MyCanyon-Programm gibt. Das gleiche gilt für die Cockpit-Breiten.
Canyon GR 50 CF Laufräder Etwas schwer, aber im Handling und beim Fahren so gut und so preiswert im Einzelkauf, dass sie definitiv eine Überlegung für Breitreifen-Fahrer sind.
Oberrohrtasche: Wir freuen uns über das Leichtgewicht, aber ein Boden, der Klappern von Transportgut auf dem Oberrohr verhindert, wäre ein Gewinn.
Für wen? Wer ein potentes Race-Gravelbike in der Preisklasse des neuen Grail sucht, findet wenig Vergleichbares. Die CF-Modelle sind im Grunde auch als schnelles Allround-Gravelbike interessant und preislich noch einmal attraktiver.
Für wen besser nicht? Wer das Race-Gravelbike auch als agiles Straßenrad nutzen will oder maximalen Wert auf verspieltes Handling legt, findet Passenderes, aber nicht zu dem Preis.
Fazit – Canyon Grail CF 7 Speed
Das Canyon Grail 2027 ist ein konsequentes Race Gravelbike. Es bietet auf dem Papier massive Reifenfreiheit sowie Aerodynamik auf Augenhöhe mit den Besten und legt im Test hohen Komfort für lange Strecken und top Fahreigenschaften für hohes Tempo obendrauf. Auf die dicken Reifen wollten wir im Wettkampf nicht verzichten. Und die neue rennmäßigere Sitzposition ist ebenfalls ein Gewinn für das Einsatzgebiet. Dazu gibt es das komplette Race ready Paket bereits für 4.000 Euro mit GRX Di2, was sonst nicht oft zu finden ist. Das vielseitigere und günstigere Modell ist aber das Testrad CF 7 Speed für 3.499 Euro.
Canyon Grail CF 7 Speed – Pro / Contra
Stärken
Reifenfreiheit
Tempo-Tauglichkeit
Komfort am Sattel
Einfache Fit-Optionen (CFR und CF SLX)
Preis-Leistung
Schwächen
Gewicht (Testrad)
Wie erwartet oder Knüller – was sagt ihr zum Canyon Grail 2027?
Testablauf
Hier haben wir unsere Fahreindrücke gesammelt:
Bergisches Land Circa 400 km, etwas im Mix 50 % auf Gravel der Kategorie 1, 40 % Straße und 10 % der Gravel-Kategorie 3. Rennrad-News Standard-Gravel-Teststrecke. Teilnahme an der Klingenring Challenge mit Gravelbike. Zwischendurch Wechsel der Bereifung auf Schwalbe Thunder Burt.
Rad am Ring Teilnahme am Rad-am-Ring-Gravelrennen auf dem Kurs der Deutschen Meisterschaft Gravel mit dem Grail CF SLX.
Text/Fotos: Jan Gathmann