Schnuller gegen Stress? Warum Erwachsene plötzlich zum Nuckel greifen!
Haben Erwachsene mit dem Schnuller ein Baby-Accessoire für sich entdeckt? Diese Frage stellt sich in dieser Woche mit dem Einzug der Promis in die „Villa der Versuchung“. Mit dabei in der zweiten Staffel der Realityshow ist Jenny Elvers – und die schläft nachts tatsächlich mit einem Schnuller. Was auf den ersten Blick wie eine Inszenierung für das TV-Format wirkt, entpuppt sich schnell als echte Einschlafhilfe der 54-Jährigen. Eine Zeit lang habe sie am Daumen genuckelt, sich dann jedoch lieber für einen Schnuller entschieden. Dieser helfe ihr nun beim Einschlafen und sorge außerdem für Entspannung. Aber ist da wirklich etwas dran? Kann ein Schnuller Erwachsenen aus psychologischer Sicht helfen – oder hat Elvers lediglich einen TikTok-Trend aufgegriffen? Vom TikTok-Hype zum Trendprodukt für Erwachsene Unter dem Hashtag #adultpaci finden sich auf TikTok zahlreiche Videos, in denen junge Erwachsene mit Schnullern zu sehen sind. Auf Douyin, der chinesischen Schwesterplattform von TikTok, sollen sogar Millionen solcher Clips kursieren. Der Trend ist inzwischen so groß, dass auch der Markt darauf reagiert hat. Mittlerweile gibt es eine eigene Produktsparte mit Erwachsenen-Schnullern. Sie besitzen unter anderem ein größeres Schild und sollen dadurch besser im Mund sitzen. Beworben werden sie als beruhigende Begleiter bei Stress und als mögliche Einschlafhilfe. Einige Anbieter versprechen sogar, dass ihre Produkte das Schnarchen reduzieren und für ein erholteres Aufwachen sorgen oder gar das Aufhören mit dem Rauchen erleichtern. Das klingt verlockend – aber lässt sich diese Wirkung auch belegen? Die Wirkung von Erwachsenenschnullern ist nicht belegt So überzeugend die Werbeversprechen klingen mögen: Bislang gibt es keine belastbaren Studien, die eine stressreduzierende oder schlaffördernde Wirkung von Erwachsenenschnullern nachweisen. Auch als Mittel gegen Schnarchen sind die Produkte nicht wissenschaftlich als wirksame Behandlung anerkannt. Das bedeutet allerdings nicht, dass Jenny Elvers und andere Nutzerinnen und Nutzer sich die beruhigende Wirkung nur einbilden. Einschlafrituale können durchaus dabei helfen, zur Ruhe zu kommen und sich auf den Schlaf einzustellen. Ob diese Entspannung tatsächlich durch das Nuckeln entsteht, durch die vertraute Routine oder durch die Erwartung, dass der Schnuller hilft, lässt sich bislang jedoch nicht sagen. Warum kann sich das Nuckeln trotzdem beruhigend anfühlen? Dass Erwachsene den Schnuller als angenehm oder entspannend empfinden, ist aus psychologischer Sicht durchaus erklärbar. Saugen dient Babys nicht nur zur Nahrungsaufnahme, sondern auch zur Selbstberuhigung. Die Bewegung wird dadurch schon früh mit Trost, Geborgenheit und Entspannung verbunden. Auch im Erwachsenenalter nutzen viele Menschen unbewusst den Mund, um innere Anspannung abzubauen. Sie kauen beispielsweise auf Stiften, knabbern an ihren Fingernägeln oder essen in stressigen Situationen. Das Nuckeln am Schnuller könnte eine ähnliche Funktion erfüllen und zumindest kurzfristig beruhigen. Der Berliner Psychotherapeut Dr. Dirk Stemper ordnet das Verhalten auf seiner Website als eine mögliche Rückkehr zu einer früh erlernten Form der Selbstberuhigung ein. Unter Belastung greifen Menschen demnach mitunter auf Verhaltensweisen zurück, die ihnen bereits in früheren Lebensphasen Sicherheit vermittelt haben. Diese psychologische Erklärung ist jedoch nicht mit einem Wirksamkeitsnachweis gleichzusetzen. Dass sich der Schnuller für manche Erwachsene beruhigend anfühlt, bedeutet noch nicht, dass er eine geeignete Methode zur Behandlung von Stress oder Schlafproblemen ist. Nuckeln: Mögliche Folgen für Zähne und Kiefer Auch wenn das Nuckeln für Entspannung sorgen kann, ist die ungewöhnliche Einschlafhilfe nicht zwangsläufig frei von Folgen. Vor allem bei regelmäßiger Nutzung stellt sich die Frage, welche Auswirkungen es für Zähne und Kiefer haben könnte. Bereits bei Kindern zählen mögliche Veränderungen der Zahn- und Kieferstellung zu den Nachteilen eines Schnullers. Besonders eine häufige und langjährige Nutzung kann sich auf die Entwicklung des Gebisses auswirken. Bei Erwachsenen befindet sich der Kiefer zwar nicht mehr in derselben Wachstumsphase. Der regelmäßige Druck durch einen Schnuller könnte die Zahnstellung und den Biss dennoch beeinflussen. Auch Beschwerden beim Kauen oder Öffnen des Mundes sind denkbar. Wie groß das Risiko bei Erwachsenen tatsächlich ist, wurde bislang allerdings kaum untersucht. Vermutlich kommt es unter anderem darauf an, wie häufig und wie lange der Schnuller verwendet wird.