Schon seit drei Jahren: Niemand will die Ladenräume direkt am Bodensee haben
Seit drei Jahren ist der einstige Spielwarenhändler Schinacher in der Friedrichstraße 57 geschlossen. Auch wenn in den Schaufenstern riesige Playmobil-Figuren im Fußballoutfit samt Bällen passend zur WM stehen, wirkt das Geschäft von außen mehr oder weniger trostlos. Die Schaufenster sind spartanisch dekoriert und der Blick durch die trüben Scheiben zeigt Kleiderständer, auf denen seit drei Jahren Kinderkleidungsstücke vergeblich darauf warten, gekauft und ausgeführt zu werden.
Natalie Adler möchte das ändern. Seit einigen Wochen kümmert sich die Maklerin aus Horgenzell um die Vermittlung der 663 Quadratmeter großen Fläche – das zeigt der Blick auf die Homepage ihrer Immobilienfirma Gewerbeimmobilien - aquila-immobilias Webseite. Gegenüber der Schwäbischen Zeitung möchten weder sie noch die Besitzer des Hauses, eine Immobiliengesellschaft der Familie Schinacher, Auskunft über den aktuellen Stand geben.
Gewerbemarkt schwächelt: Handel und Investoren zögern
Ein Blick in den Markt allerdings zeigt, dass die Vermietung von Gewerbeimmobilien aktuell schwierig ist und Kunden, was Investitionen angeht, eher zurückhaltend sind. Wie schwierig die Lage im Einzelhandel ist, zeigt zudem der Blick zurück auf die einstige Karl-Schinacher GmBH, die im Januar 2019 Insolvenz beantragte. Auch wenn der Insolvenzverwalter Andreas Schoß bereits während des Verfahrens einen Käufer findet, wird es für Schinacher kein gutes Ende nehmen.
Zunächst übernimmt 2019 die Spielwaren Kurtz GmbH aus Stuttgart das Geschäft. Sie ist Teil der Kanz Financial Holding. Doch gut ein Jahr später gerät die neue Eigentümerstruktur selbst in Schwierigkeiten und meldet ebenfalls Insolvenz an. Noch während des Räumungsverkaufs im Juni 2020 findet sich erneut ein Investor: die Unternehmensgruppe um die Mode- und Handelsmarke Bellybutton. Sie kündigt einen Neustart an und setzt auf eine Kombination aus Spielwaren sowie Baby- und Kindermode.
Doch die erhoffte Wende für Schinacher in Friedrichshafen bleibt aus. Als die Bellybutton International GmbH 2023 selbst in ein Insolvenzverfahren gerät, endet die Ära Schinacher in Friedrichshafen endgültig. Seither liegt die Fläche brach. Die Immobilie selbst blieb während der gesamten Zeit im Besitz der Familie Schinacher beziehungsweise ihrer Immobiliengesellschaft.
Friedrichshafen meldet starke Innenstadt-Nachfrage
Die Stadt Friedrichshafen bewertet die Lage rund um den Einzelhandel indes als „sehr positiv“. „Die Nachfrage nach Ladenlokalen und Geschäftsräumen in der Innenstadt ist ungebrochen“, schreibt die Pressestelle auf Nachfrage der Schwäbischen Zeitung. „Dieses Frühjahr war geprägt von großen Neueröffnungen wie die von Douglas, Decathlon oder TK Maxx.“
Und auch in anderen Branchen sei Bewegung zu spüren. So habe kürzlich in der Friedrichstraße 69 das „Restaurant am Uferpark“ – ehemals „Steak & Burger House“ eröffnet. Zudem gebe es in den Räumen der ehemaligen Hypovereinsbank in der Schanzstraße 6 nun eine Praxis für Psychiatrie und Psychotherapie.
Auch weist die Stadt darauf hin, dass in der Friedrichstraße 48 demnächst ein Pro-Optik-Filiale eröffnet und für die zweite Septemberhälfte die Eröffnung des Maybach-Schaudepots in der Karlstraße 41 angekündigt ist.
Ganz so optimistisch sieht August Junker von „Junker Wohnbau“ die Lage nicht. Er ist seit drei Jahren dran, eine 524 Quadratmeter große „attraktive Ladenfläche“ in der Karlstraße 9 und 11 zu vermieten. Auf Nachfrage der Schwäbischen Zeitung erklärt er: „Woher die Stadt ihren Optimismus nimmt, vermag ich Ihnen nicht zu sagen.“