„Schreckgespenst eines Dritten Weltkrieges“ geht um: Polen fängt wieder russische Kampfjets über der Ostsee ab
In mehreren Fällen seit Dienstag musste die polnische Luftwaffe laut offiziellen Angaben russische Kampfflugzeuge abfangen. Das bedeutet: Piloten nehmen in der Luft Sichtkontakt zur gegnerischen Besatzung auf und signalisieren die Aufforderung, sich zu entfernen. Zwar sollen die Russen den Luftraum von Nato-Mitglied Polen nicht verletzt haben. Der polnische Verteidigungsminister sprach aber von einer russischen Überwachung einer Militärübung zur Luftabwehr. Außerdem sah er einen Test „der Leistungsfähigkeit unserer Flugabwehrsysteme“. Auch zuvor hatte es russische Erkundungsflüge gegeben. Allerdings haben sie nun nach einer Pause wieder zugenommen, sagt Warschau. Vor dem Hintergrund einer angespannten Situation wegen der Ukraine-Invasion befürchten Polen sowie die baltischen Staaten russische Provokationen auf ihrem Gebiet. Für das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) ist der Vorfall in Zusammenhang mit der Militärübung ein weiteres Indiz dafür, dass Russland eine sogenannte „Phase 0“ durchführe. Ziel sei es, „die informativen und psychologischen Voraussetzungen für mögliche künftige Provokationen gegen die Nato zu schaffen“, heißt es zur Erklärung im neuen Lagebericht. Das ISW hatte die „Phase 0“ bereits 2025 attestiert und damals explizit vor der Vorbereitung eines möglichen künftigen Kriegs zwischen Nato und Russland gewarnt. Allerdings gab es damals auch Widerspruch anderer Experten. Der deutsche Politikwissenschaftler Andreas Umland sieht es so: Russland ziele mit den Flugmanövern auf „die schwachen Nerven westlicher Politiker und Intellektueller“. Sie sollen „mit diesem Schreckgespenst eines Dritten Weltkrieges beeinflusst werden“, damit sie die Ukraine zu Zugeständnissen gegenüber Russland drängen. Umland sieht darin aber keine Vorbereitung auf einen Krieg gegen Nato-Staaten.