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Schrottbuch über Colonia Dignidad kuriserte weiter

Technologie

Nachdem die F.A.Z. im Juni über ein wahrscheinlich von KI erstelltes Schrottbuch zur Foltersekte Colonia Dignidad berichtet hatte, versprach die „Autorin“, das Werk zurückziehen. Doch blieb das Buch noch monatelang bei Amazon bestellbar. Wie kann das sein? Bei der Suche nach Antworten stoßen wir auf organisierte Verantwortungslosigkeit.

Zur Erinnerung: Das Buch „Abgeriegelte Hölle: Die psychologische Folterkammer der Colonia Dignidad: Sekten, Missbrauch, und das diktatorische deutsche Terrorregime im abgelegenen chilenischen Dschungel, 1961–1990“ stammt von der Immobilienmaklerin Erika Bastian aus Gosheim. Sie hatte den Titel unter dem Pseudonym „Freia Dehmel“ veröffentlicht und erklärte der F.A.Z., ein „freier Mitarbeiter“ habe es geschrieben.

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Halluzinationen deuten auf KI hin

Tatsächlich stammt das Buch wohl von KI, worauf Halluzinationen hindeuten. Bereits der Titel ist fehlerhaft, das Sektengelände hat sich nicht in einem Dschungel befunden. Die Not- und Interessengemeinschaft für die Geschädigten der Colonia Dignidad schrieb in ihrem Rundbrief vom September: „Das reißerisch aufgemachte Buch war offensichtlich mit Künstlicher Intelligenz zusammengestoppelt worden. Seitenweise nahezu inhaltsleeres Wortgeklingel wird abgelöst von Falschdarstellungen. [...] Nach einigen Protesten zog die im Buch genannte Autorin Freia Dehmel das Buch angeblich zurück. Das Buch war aber weiter zum Preis von 16,99 Euro bei Amazon im Internet zu beziehen.“ In der Tat.

Wir fragen im Oktober erneut bei Erika Bastian (alias Freia Dehmel) nach. Sie sagt, sie habe keinen Einfluss mehr auf die Angelegenheit. Der Vertrag mit ihrem Selfpublisher Epupli sei gekündigt. „Dem Verlag wurde meinerseits mitgeteilt, das Buch aus dem Handel zu nehmen. Ich bekomme kein Geld vom Verlag“, erklärt Bastian. Angeboten wurde das Buch bei Amazon noch vom Kölner Unternehmen „Der Büchermann“. Unser Hinweis, das Buch sei KI-Schrott, und man verdiene mit Opferleid Geld, beantwortet Inhaber Helmut Thielen: „Solange das Buch nicht verboten ist oder der Verlag das aus dem Handel zurückzieht, werden wir das weiter anbieten, da ich als liberaler Mensch der Auffassung bin, dass jeder Leser das lesen darf, was er lesen will.“

Sodann Anfrage bei Epubli: Wieso ist das Buch noch nicht gelöscht? Antwort: Es sei gelöscht, und dies seit Sommer! „Von Epubli werden keine weiteren Exemplare produziert oder ausgeliefert.“ Was man bei Amazon sehe, sei das Angebot eines unabhängigen Drittanbieters auf dem Amazon-Marketplace. „Auf etwaige Restbestände eines Händlers haben wir grundsätzlich keinen Einfluss.“ Für bereits rechtmäßig in Verkehr gebrachte physische Exemplare gelte zudem der Erschöpfungsgrundsatz nach Urhebergesetz: Solche Exemplare dürfen grundsätzlich weiter verkauft werden, auch wenn der ursprüngliche Vertrieb inzwischen eingestellt wurde. Epubli schreibt noch: „Unabhängig davon haben wir Amazon in diesem konkreten Fall zusätzlich um Löschung des Angebots gebeten. Dieser Prozess ist derzeit noch nicht abgeschlossen.“ Ob Amazon das Angebot entferne, liege außerhalb des unmittelbaren Einflussbereichs von Epubli.

Gegenüber der F.A.Z. erklärt eine Amazon-Sprecherin, man investiere erhebliche Ressourcen, um die Veröffentlichung von Inhalten, die gegen die eigenen Richtlinien verstoßen, zu verhindern, sie zu erkennen und zu entfernen. „Wir gehen Hinweisen umgehend nach und ergreifen geeignete Maßnahmen.“ Zum konkreten Fall sagt die Sprecherin nichts Zitierbares. Doch kurz nach unserer Anfrage ist das Schrottbuch bei Amazon verschwunden.

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