Schulamtsdirektorin fordert Sanktionen für unzuverlässige Eltern
Florence Brokowski-Shekete ist ein Multitalent. Sie ist nicht nur Lehrerin, Buchautorin und Podcasterin, sondern hat es als erste Schwarze Frau - so sagt sie selbst - auf den Posten einer Schulamtsdirektorin in Baden-Württemberg gebracht. Die 59-Jährige ist die Tochter nigerianischer Eltern, ist aber größtenteils bei einer deutschen Pflegemutter in Buxtehude (Kreis Stade) in Niedersachsen aufgewachsen. Heute lebt sie in Heidelberg und hält nebenbei Vorträge über ihr Lebensthema: Interkulturelle Sensibilität. Doch wenn ihr etwas gegen den Strich geht, dann kann sie auch ungemütlich werden. Wer Elternabende schwänzt, sollte kein Kindergeld bekommen Im SWR-Videopodcast "Zur Sache intensiv" macht Brokowski-Shekete deutlich, dass sie kein Verständnis hat für Eltern, die ihre Kinder mit der Schule alleinlassen. "Wenn ich die Chance hätte und Bundesbildungsministerin wäre, dann würde ich das Engagement der Eltern, die Erziehungs- und Bildungspartnerschaft aktiv zu leben, am Kindergeld festmachen. Eltern, die das nicht machen, die dieses Engagement nicht zeigen, die bekommen dann auch für dieses Kind kein Kindergeld." Deutschland sei da manchmal zu zimperlich. "Das würde ich umsetzen, das gibt es in außereuropäischen Ländern durchaus. Ich glaube, dass Geld wirklich das ist, was manches ändern kann." Aber welches Engagement genau meint sie? "Wenn Leute nicht zum Elternabend kommen, wenn Leute Einladungen von Lehrkräften nicht annehmen und einfach ihren Teil der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft nicht leben. Wir haben zwischen Eltern und Schule eine Erziehungspartnerschaft, die ist nicht nur einseitig", sagt die Schulamtsdirektorin in Mannheim. In ihrer Position kontrolliert und unterstützt sie Schulleitungen sowie Lehrkräfte und prüft unter anderem die Qualität des Unterrichts. Einwanderer müssten sich anpassen und Regeln einhalten Brokowski-Shekete hat auch klare Erwartungen an Einwanderinnen und Einwanderer, wie sie sich in Deutschland zu verhalten haben. Deutschland habe immer noch eine große Willkommenskultur. "Aber es gibt Regeln. Und ich bestehe auch darauf, dass diese Regeln eingehalten werden. Und wenn ich, wenn wir in unserem Zuhause schauen, also wirklich in unseren Häusern, unsere Wohnung, da würden wir es nicht zulassen, dass Menschen, obwohl wir so gastfreundlich sind, unsere Gastfreundschaft ausnutzen." Migrantinnen und Migranten müssten sich die Gepflogenheiten gut anschauen. "Und es heißt ja schon sehr lange: Wenn du in Rom bist, verhalte dich wie ein Römer. Und das, finde ich, ist etwas, das darf man sich gerne zu eigen machen." Dabei gehe es auch darum, die Sprache zu beherrschen. Das habe sie auch ihren Schülerinnen und Schülern eingebläut. "Wenn ich in einem Land bin, in dem ich länger leben möchte, dann muss ich die Sprache lernen. Nicht nur als Bringschuld, sondern ich habe ja was davon. Ich kann mich damit dann artikulieren. Ich werde ganz anders akzeptiert." Schulamtsdirektorin erlebt Alltags-Rassismus Als Buchautorin kam Brokowski-Shekete mit ihrer 2020 veröffentlichten Autobiografie "Mist, die versteht mich ja!" groß raus. Darin schildert sie unter anderem, wie sie aufgrund ihrer Hautfarbe immer unterschätzt wird. Im SWR-Videopodcast "Zur Sache intensiv" spricht sie auch darüber, wie sie im Alltag Rassismus erlebt. "Ich bin in einer Bäckerei. Meine Backware wird mit der Hand genommen. Mit der gleichen Hand wird aber auch kassiert. Die Backware der Frau, die neben mir stand, die war weiß, wird mit der Zange genommen. Das ist für mich eine reale Diskriminierung." Dennoch will sie nicht als Anklägerin auftreten, sondern als Mittlerin zwischen den Kulturen. "Ich hatte einen Chef, der irgendwann kurz vor seiner Pensionierung zu mir sagte: 'Darf ich Sie was fragen? Ich bin mit diesem N-Wort aufgewachsen. Ich weiß jetzt inzwischen, ich darf es nicht sagen, aber ich weiß nicht, warum. Können Sie mir bitte sagen, warum?'" Wenn sich das jemand traue, gehe ihr das Herz auf. "Es geht nicht darum, keine Fehler zu machen, sondern es geht darum, wie man mit Fehlern umgeht."