Schuld ist ein neuer Einkaufstrend
Startseite Wirtschaft Insolvenz-Welle bei Bäckereien: 40 Prozent mehr Pleiten – Schuld ist wohl ein neuer Einkaufstrend Von: Richard Strobl Uns auf Google folgen Eine Welle von Insolvenzen walzt durch Deutschland. Besonders oft trifft es Bäckereien. Das beweisen jetzt neue Zahlen. Dahinter steckt wohl auch ein Wandel im Einkaufsverhalten. München – Der kleine Bäcker an der Ecke. Für viele ein Sehnsuchtsort. Es duftet nach frischem Brot und süßen Leckereien – womöglich auch nach Kaffee. Das Dorf oder Stadtviertel trifft sich hier auch sonntags auf einen kurzen Small Talk. Ein Ort der Begegnung für viele Menschen. Doch immer mehr Bäckereien verschwinden aktuell aus wirtschaftlichen Gründen. Ein Strukturwandel, den wohl die Kunden selbst zu verantworten haben. Die Insolvenzen in der Bäckereibranche haben stark zugenommen. Laut der Auskunftei Creditreform meldeten im ersten Halbjahr bundesweit 63 Betriebe Insolvenz an, was einem Anstieg von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Gemeint sind Unternehmen, die Backwaren selbst herstellen und verkaufen, also klassische Bäckereien und auch Konditoreien. Filialen, die die Produkte nur verkaufen, sind nicht berücksichtigt. Neuer Einkaufstrend wird zur Insolvenz-Falle für Bäckereien Doch nicht nur kleine Bäckereien gingen in die Insolvenz. Auch große Bäckereiketten wie die Mecklenburger Backstuben GmbH, die Bäcker Lampe GmbH & Co. KG, die Keim & Brecht OHG sowie die Bäckerei Kayser GmbH waren betroffen, so Creditreform. Dahinter steckt demnach ein weitreichender Strukturwandel in Deutschland. Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform, sieht einen tiefgreifenden Wandel der Branche in den Zahlen belegt. Schon 2023 habe man ein „erhöhtes Insolvenzgeschehen“ in der ganzen Sparte beobachten können. Hantzsch führt weiter aus, dass das traditionelle Bäckerhandwerk zunehmend unter Druck gerate, da sich die Konsumgewohnheiten verändert hätten. „Viele Verbraucher, auch aus höheren sozialen Schichten, kaufen Backwaren heute an Backstationen im Supermarkt oder beim Discounter, häufig verbunden mit dem Wocheneinkauf.“ Dadurch verlieren traditionelle Fachgeschäfte wichtige Laufkundschaft. Vor allem kleinere, inhabergeführte Betriebe geraten durch steigende Kosten, intensiven Preiskampf und sparsame Konsumenten ins Hintertreffen, erläutert Hantzsch.