Schule: Abitur-Wutrede geht viral - Schülerin Ellenor stellt einige Dinge klar
Mit ihrer emotionalen Wut-Rede bei der Abiturfeier des Robert-Stock-Gymnasiums in Hagenow (Mecklenburg-Vorpommern) ist Ellenor Bockentin deutschlandweit bekannt geworden. Ein Video der Rede, die die Schülerin auf der Abi-Abschlussveranstaltung hielt, verbreitet sich in den sozialen Netzwerken. Zunächst hatte der „Nordkurier“ über die fünfminütige Sequenz berichtet. Die 18-Jährige beklagte darin die extrem hohe Durchfallquote beim diesjährigen Abitur. Wie das Schulamt in Schwein bestätigte, waren 17 von insgesamt 52 Abiturientinnen und Abiturienten durch die Prüfungen gerasselt. Eine Person sei gar nicht erst zum Abitur zugelassen worden. Bockentin, die selbst ihr Abitur nicht bestanden hat, machte in der Rede die Verhältnisse an der Schule sowie den ständigen Lehrerwechsel in einigen Fächern für die Durchfallquote von 34 Prozent verantwortlich. Ihre Rede gipfelte in einem „Fickt euch einfach nur alle!“ Gemeint waren die Personen, die sich angeblich darüber freuen würden, dass so viele Schülerinnen und Schüler ihr Abitur nicht bestanden hätten. Auch interessant Schülerin beklagt Fokussierung auf einen Satz ihrer Rede Im Gespräch mit dem „Nordkurier“ ruderte Bockentin nun ein wenig zurück. „Ich würde die Rede inhaltlich immer noch so halten, aber ich würde sie anders formulieren“, sagte die 18-Jährige der Zeitung. In der Rede sei es ihr nicht darum gegangen, die Schule schlechtzumachen. Vielmehr habe sie auf Missstände hinweisen wollen, so die Schülerin. Die Schülerin ärgert sich darüber, dass sich die Medien vor allem auf den harschen Abschlusssatz gestürzt hätten. Dieser sei aber nur ein Nebenaspekt. Weitaus wichtiger sei ihr die Kritik an den Umständen gewesen, die zu der hohen Durchfallquote geführt hätten. Nach Bekanntgabe der Ergebnisse habe es auch keine ausreichende Möglichkeit gegeben, mit Lehrern über die schlechten Noten zu sprechen, klagte Bockentin und fügte hinzu: „Das hat uns enttäuscht!“ Ihre Abiturrede habe sie dazu nutzen wollen, um auf die Situation aufmerksam zu machen. „Nachdem kein Lehrer etwas dazu gesagt hat oder sagen wollte, habe ich gedacht, dass die Zeugnisübergabe die letzte Gelegenheit ist, um darauf hinzuweisen, dass hier offensichtlich etwas nicht ganz passt“, so die 18-Jährige. Schülerin und Eltern wollen Prüfungsunterlagen einsehen Besonders auffällig sei das extrem schlechte Abschneiden der Abiturienten in den Mathematik-Grundkursen gewesen. „Ungefähr die Hälfte aller Schüler hat null Punkte geschrieben, und soweit ich weiß, haben nur drei Schüler die Klausur überhaupt bestanden“, sagte Bockentin. Selbst Schülerinnen und Schüler, die sich lange auf die Prüfung vorbereitet hätten, hätten nur einen Punkt oder zwei Punkte geschrieben. Dies deute ihrer Ansicht nach darauf hin, dass die Abiturienten von den Lehrern nicht ausreichend auf die Anforderungen des Zentralabiturs vorbereitet worden wären. Auch an einem Lehrer des Deutsch-Leistungskurses übte die Schülerin harte Kritik. Dieser habe nur bei drei Schülern an der mündlichen Prüfung teilgenommen. Mit allen drei habe der Lehrer zuvor „Ärger gehabt“, so Bockentin. Diese drei Schüler seien dann auch durch die Deutsch-Prüfung gefallen. „Ich will niemandem etwas unterstellen, aber ich finde es gut, wenn hier geprüft wird, ob es da Zusammenhänge gibt“, erklärte sie. Mit ihren Eltern habe sie nun Einsicht in die Prüfungsunterlagen beantragt. „Wir wollen verstehen, welche meiner Antworten wie bewertet worden sind“, sagt Bockentin. Die Schule selbst hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. tok