DAX +0,15 % 26.338,61 Pkt 18:00:00 MDAX +0,29 % 32.356,98 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,14 % 6.530,45 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,71 % 53.459,78 Pkt 22:42:57 S&P 500 -0,69 % 7.745,06 Pkt 22:42:27 Nasdaq -0,59 % 26.644,91 Pkt 23:15:59 Nikkei +0,74 % 69.220,25 Pkt 08:45:03 Gold +0,15 % 4.480,50 USD 01:52:22 Silber -0,28 % 66,05 USD 01:52:21 Brent +0,28 % 91,12 USD 01:39:34 WTI +0,46 % 84,89 USD 01:52:23 Bitcoin +2,57 % 64.442,41 USD 02:02:27 EUR/USD +0,10 % 1,15860 USD 02:01:56 EUR/GBP +0,04 % 0,85470 GBP 02:02:33 EUR/CHF -0,16 % 0,93900 CHF 02:02:32 EUR/JPY +0,15 % 184,563 JPY 02:02:32

Schulpsychologen fehlen: Warum zu viele Stellen in SH unbesetzt sind

Wissenschaft

Stand: 02.07.2026 12:02 Uhr Rund jede vierte Stelle von Schulpsychologen in Schleswig-Holstein ist unbesetzt. Opposition und Berufsverband fordern mehr Personal. Ein Schulpsychologe betreut derzeit 6.000 Schüler, empfohlen wird ein Schlüssel von 1 zu 3.000. "Viele Schülerinnen und Schüler wissen gar nicht, was wirklich krank und was gesund ist", sagt Joyce Peters. Die 18-Jährige ist Landesschülersprecherin. Sie besucht die 12. Klasse der Gemeinschaftsschule Probstei in Schönberg in Holstein (Kreis Plön). Nächstes Jahr will sie ihr Abitur machen. Zwischen Kriegen, Klimakrise und Social Media lastet ein hoher Leistungsdruck auf vielen Klassenkameradinnen und Klassenkameraden, so die 18-Jährige. "Ich denke, es sollte einfach mehr Anlaufstellen geben, um sich zu informieren und beraten zu lassen", so Peters weiter. Schulpsychologen in SH: So sehen die Zahlen aus Der Verband Schleswig-Holsteinischer Schulpsychologen (VSHS) beklagt, dass es zu wenige Schulpsychologinnen und Schulpsychologen gibt. Der aktuellen Erhebung zufolge (zuletzt 2024) betreut eine Stelle derzeit 5.964 Schülerinnen und Schüler. Damit liegt Schleswig-Holstein etwas über dem Bundesdurchschnitt von 1 zu 5.200. In Deutschland müssen wir leider immer noch quantitativ von einer schulpsychologischen Mangelversorgung sprechen. Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen Jörg Lorenzen-Lemke, 1. Vorsitzender des Verbands, fordert kurzfristig einen Schlüssel von 1 zu 3.000. Er verweist darauf, dass Berlin und Hamburg sowie Flächenländer wie Bayern und Mecklenburg-Vorpommern diesen Schnitt nahezu erreichen. Beraten, aber nicht therapieren Die Schulpsychologie steht Lehrkräften und Schulleitungen zur Seite sowie Eltern und Schülerinnen und Schülern. Die wesentliche Aufgabe ist es zu beraten und Konzepte aufzuzeigen. Laut einer aktuellen Studie der Robert Bosch Stiftung sind 25 Prozent der Jugendlichen psychisch auffällig. Etwa die Hälfte aller Befragten gibt an, hohen Leistungsdruck zu empfinden. Zudem sind Kinder aus einkommensschwachen Familien besonders anfällig für Probleme bei der mentalen Gesundheit. Bei der Schulpsychologie stehen nicht allein die Schülerinnen und Schüler im Fokus. Laut Lorenzen-Lemke vom Verband ist es wichtig, eine "Trendwende von der klassischen Einzelfallberatung hin zu einer systemischen Sichtweise" zu ermöglichen. Allein durch eine Beratung der Schülerinnen und Schüler oder der Eltern verbessere sich noch nicht notwendigerweise die (schulische) Situation der Schülerin oder des Schülers, so Lorenzen-Lemke. "Hier bedarf es in der Regel niedrigschwelliger Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team, was durch die jetzige Vorgehensweise aber stark behindert beziehungsweise verkompliziert wird." Ressourcen bündeln An Schulen arbeiten multiprofessionelle Teams unterschiedlicher Berufsgruppen abgestimmt zusammen: Etwa Schulsozialarbeiter, Schulbegleiter und auch Schulpsychologen. An der Gemeinschaftsschule Probstei ist Sven Grapatin vor Ort, ist hier als Schulsozialarbeiter angestellt. Er beklagt, dass die Kinder und Jugendlichen mit Problemen kommen, die nicht in das Beratungsspektrum gehören - dafür wären Psychologen nötig. "Wir schicken dann viele zum Psychologen, doch nicht immer reicht es für eine stationäre Aufnahme. Am Ende sitzen die Kinder dann wieder bei mir auf dem Sofa." Dann muss die Zeit bis ein Therapieplatz frei wird, überbrückt werden. Sven Grapatin würde sich wünschen, dass für die Schule ein Psychologe zur Verfügung steht. "Wir haben den Bedarf, hier gehen rund 1.100 Kinder und Jugendliche auf die Schule", so Sven Grapatin. "Den Ausbau nicht gleich wieder einsparen" Der Verband betont, dass der Landtag in den vergangenen Jahren den schulpsychologischen Dienst gut ausgebaut hat. Die Stellen haben sich seit 2012 mehr als verdreichfacht: von ursprünglich 17 Stellen auf heute 60 Stellen, so ein Sprecher des Bildungsministeriums. Der Berufsverband spricht von 59 Stellen in der Schulpsychologie: 16 Stellen für Berufliche Schulen. 43 Stellen für allgemeinbildende Schulen sowie Förderzentren. Für diese Gruppe wurden zuletzt zu den 31 ursprünglichen Planstellen zwölf weitere Stellen ins Leben gerufen. Die Zahlen des Bildungsministeriums weichen um eine Stelle ab. Hier wird von 44 Stellen für allgemeinbildende Schulen sowie Förderzentren gesprochen, in Summe demnach 60 Stellen. Auch die SPD fordert in einem Antrag das Ausschöpfen der Planstellen. CDU und Grünen reicht das nicht. In einem eigenen Antrag fordern sie den Ausbau des schulpsychologischen Dienstes. Heute Nachmittag wird das Thema im Bildungsauschuss diskutiert. Nicht jede Schule hat einen Schulpsychologen "Das war bisher eine große Leistung", sagt Jörg Lorenzen-Lemke.Doch der Psychologe mahnt an, dass derzeit rund sieben Stellen von insgesamt 31 Planstellen unbesetzt sind. "Das ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar. Hier sollte man schnell handeln. Denn unserem Verständnis nach hat der Landtag den Ausbau nicht beschlossen, um diese gleich wieder einzusparen". Insgesamt gibt es in Schleswig-Holstein laut Bildungsministerium in diesem Jahr 370.200 Schulkinder. Schulpsychologen sind entweder einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt organisatorisch zugeordnet. Angespannter Arbeitsmarkt und Fachkräftemangel Ein Sprecher des Bildungsministeriums verweist auf offene Stellenanteile, vor allem durch Elternzeit, Mutterschutz oder befristete Teilzeitstellen. Zudem sei der Fachkräftemangel auch in dieser Branche deutlich zu spüren. Der Arbeitsmarkt für qualifizierte Psychologinnen und Psychologen sei angespannt. Termine beim Schulpsychologen immer ausgebucht Nicht jede Schule hat eine eigene Kraft - mehrere Einrichtungen teilen sich einen Ansprechpartner. Besuche und Termine an der Gemeinschaftsschule Probstei finden laut Joyce Peters unregelmäßig und lediglich wenige Male im Jahr statt. "Die Termine sind schnell weg, meist muss man Monate vorher nachfragen. Und dann auch im Sekretariat", so Joyce Peters. Ihrer Meinung nach ist das eine weitere Hemmschwelle, um sich Hilfe zu holen. Landesschülervertreterin Joyce Peters würde sich für die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler vor allem Präventionstage wünschen. "Nach den Ferien, wenn viele oft demotiviert in die Schulzeit starten, wären Kurse sinnvoll. Dann könnte man etwa lernen, wie man mit dem Leistungsdruck umgeht oder die eigene Stressresilienz stärken", so die 18-Jährige. Prävention ist laut Jörg Lorenzen-Lemke vom Berufsverband jedoch derzeit nicht Teil der Aufgaben. "Das wäre aber wirklich wünschenswert", sagt er.

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren