Schüsse in Stade: Sechs Tote, mutmaßlicher Täter festgenommen
Tödliche Schüsse in Stade: Drei Opfer Mitarbeiter der Region Hannover Stand: 30.06.2026 15:17 Uhr Nach tödlichen Schüssen in Stade ist die Trauer in der Stadt groß. In einer Jugendhilfeeinrichtung starben sechs Menschen. Die Polizei hat den mutmaßlichen Schützen festgenommen. Bei den sechs Toten handelt es sich um vier Frauen und zwei Männer. Drei Opfer sollen nach NDR Informationen beim Jugendamt der Region Hannover gearbeitet haben, die anderen in der Einrichtung selbst. Die Jugendamtsmitarbeiter sollen für ein Gespräch mit dem mutmaßlichen Schützen, der weiteren Informationen zufolge in Garbsen (Region Hannover) wohnen soll, nach Stade gefahren sein. Die Region Hannover hat die Informationen auf NDR Anfrage inzwischen bestätigt. Man sei ob der Tat "zutiefst erschüttert" und "fassungslos". "Aus Respekt vor den Betroffenen und ihren Angehörigen sowie mit Blick auf die laufenden Ermittlungen werden wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter zu dem Geschehen äußern", heißt es. Hintergrund war wohl Sorgerechtsstreit Bei dem Termin soll es sich um ein sogenanntes Hilfeplangespräch mit dem 45 Jahre alten Verdächtigen handeln, wie Lüneburgs Polizeipräsidentin Kathrin Schuol am Montag auf einer Pressekonferenz sagte. Dabei sei es um das Sorgerecht für die drei Monate alte Tochter des Beschuldigten gegangen. Weil der Vater als auffällig galt, sollte das Gespräch in großer Runde stattfinden. Mutter und Tochter unverletzt Die Tochter war den Informationen von NDR und WDR zufolge aus der Familie genommen worden. Unter Auflagen habe das Kind zurück zur Mutter gedurft, aber nicht an deren Wohnort in Hannover, sondern in der Jugendhilfeeinrichtung in Stade. Mutter und Tochter sind Schuol zufolge bei der Tat nicht verletzt worden. Das Kind kam zunächst in Obhut des Jugendamts, die 34-jährige Mutter in Gewahrsam. Die Frau sollte gestern vernommen werden. Polizei stoppt Fluchtwagen mit Schüssen Der genaue Ablauf der Tat in der Jugendhilfeeinrichtung ist bisher nicht öffentlich bekannt. Die Ermittler verwiesen auf die aufwendige und detaillierte Arbeit der Spurensicherung. Am Montagmittag gingen gegen 12 Uhr laut Polizeipräsidentin Schuol zeitgleich mehrere Notrufe in der Leitstelle ein. Mehrere Streifenwagen seien ausgerückt. Die Polizisten hätten "ein grausames Bild" in der Jugendhilfeeinrichtung vorgefunden. Vier Menschen seien tot gewesen, eine weitere Person sei nach erfolgloser Reanimation gestorben. Eine sechste Person erlag später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Laut Polizeipräsidentin Schuol flüchtete der mutmaßliche Täter in einem Auto, das eine 65-jährigen Frau gesteuert hat. Die Polizei stoppte den Wagen durch Schüsse und nahm beide Personen fest. Verdächtiger hat keine Erlaubnis für Waffe Die Beamten stellten dabei auch eine Waffe sicher. Um welche Art es sich handelte, teilte die Polizei mit Verweis auf ermittlungstaktische Gründe nicht mit. Woher der mutmaßliche Täter die Waffe hatte und ob mehrere Waffen zum Einsatz kamen, sei noch unklar, sagte Schuol. Eine Erlaubnis zum Tragen einer Waffe habe er nicht gehabt. Die 65-jährige Fahrerin soll den Ermittlern zufolge eine enge Verbindung zur Familie des Verdächtigen haben. Ermittler: Keine Clan-Verbindung bekannt Wie Schuol bei der Konferenz mitteilte, handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen 45-jährigen Mann aus Hannover. Laut Polizei Lüneburg wurde er in Deutschland geboren und ist türkischer Staatsbürger. Er war polizeilich bekannt, galt laut Schuol aber "bisher nicht als absolut gewalttätig". Nach Informationen von NDR und WDR soll der mutmaßliche Täter einem großen Clan aus Hannover angehören. Auf der Pressekonferenz hatten Polizei und Innenministerium gesagt, ihnen sei eine Clan-Verbindung nicht bekannt. Er befindet sich derzeit in Polizeigewahrsam. Nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft wurde bisher kein Haftbefehl gegen den Mann erlassen. Ob und wann dieser am Dienstag beantragt werde, sei noch offen, sagte er am Montagabend. Das hänge von den weiteren Ermittlungsergebnissen der Polizei ab. Ermittlungen dauern an - Polizei schaltet Hinweisportal Die Ermittlungen dauern an. Wer Hinweise zu den tödlichen Schüssen in Stade geben kann, wird von der Polizei gebeten, sich zu melden. Die Hinweise sowie Fotos und Videos können online in diesem Portal der Polizei Niedersachsen abgegeben werden. Kanzler Merz zeigt sich erschüttert Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb auf der Plattform X: "Die Nachricht aus Stade erschüttert bis ins Mark." Viele Menschen, "die helfen und schützen wollten", hätten ihr Leben verloren oder seien verletzt worden. Er dankte den Polizistinnen und Polizisten "für ihren schnellen Einsatz". Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) teilte seine Anteilnahme mit. "Ich bin zutiefst schockiert über das Ausmaß der Gewalt an einem Ort, der Schutz bieten soll", erklärte er. Behrens: "Kaltblütige Gewalttat" Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) bezeichnete das Geschehen als erschütternd. Gleichzeitig warnte er vor voreiligen Schlüssen. Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sprach in der Pressekonferenz am Montagabend von einer "kaltblütigen Gewalttat", die Spuren hinterlassen werde. Niedersachsens CDU-Vorsitzender Sebastian Lechner drückte ebenfalls sein Mitgefühl aus. Er sagte: "Wir verfolgen die Ermittlungen aufmerksam und vertrauen darauf, dass die Hintergründe dieser unfassbaren Tat lückenlos aufgeklärt werden."