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"Schwarze Witwen" in Russland: Perfide Betrugsmasche um Kreml-Soldaten

Welt

Betrugsmasche um Kremlsoldaten In Russland gehen die "Schwarzen Witwen" um Von Simon Cleven 07.08.2026 - 10:31 UhrLesedauer: 4 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Der Kreml wirbt mit hohen Entschädigungen, wenn Soldaten an der Ukraine-Front fallen, und lockt damit Betrügerinnen an. In Russland nehmen Fälle sogenannter Schwarzer Witwen wohl massiv zu. Bereits im vergangenen Jahr verbreitete sich eine Geschichte in Russland wie ein Lauffeuer. Eine Krankenschwester soll verwundete Soldaten, die in ihrer Klinik behandelt wurden, in eine Falle gelockt haben. Der Militäraktivist Roman Aljochin berichtete im August 2025, dass die Frau in insgesamt fünf Fällen schwer verwundete Kriegsversehrte mit geringer Lebenserwartung geheiratet haben soll. Nach deren Tod habe sie jeweils die einer Witwe zustehenden staatlichen Zahlungen erhalten – was offenbar ihr einziges Ziel war. Als dies aufflog, wurde die Frau demnach verhaftet. Ob sich der Fall tatsächlich genau so zugetragen hat, lässt sich trotz zahlreicher Medienberichte kaum verifizieren. Und doch wirft der Fall ein Schlaglicht auf eine Betrugsmasche, die in Russland immer größere Verbreitung findet. Sie wird "Schwarze Witwe" genannt: Frauen heiraten Soldaten, die entweder kurz vor dem Kriegsdienst stehen oder schwer verwundet von der Front in der Ukraine zurückkehren. Manchmal geschieht dies unter Zwang, manchmal sind sogar Staatsbedienstete involviert. Es ist eine Wette auf den Tod. Kritischer Punkt in der Ukraine? Kiew und Warschau geben dem Krieg noch 100 Tage Krieg in der Ukraine: Putin befiehlt Zangenangriff Und die Lebenserwartung der Kremlsoldaten an der Ukraine-Front ist überaus gering: Manche überleben nur wenige Minuten ihres ersten Einsatzes, andere überstehen zumindest einige Wochen. Mindestens 236.000 getötete Soldaten haben die BBC und das russische Medium "Mediazona" namentlich identifiziert. Die wahre Zahl der Gefallenen liegt vermutlich bedeutend höher. Und für jeden toten Soldaten zahlt der Staat mindestens fünf Millionen Rubel (rund 52.000 Euro) an die Hinterbliebenen, weitere Entschädigungen können hinzukommen. Laut einer Recherche des US-Senders CNN haben die Fälle "Schwarzer Witwen" in den vergangenen Monaten nochmals zugenommen. Über die Gründe für den Anstieg lässt sich nur spekulieren, doch die zunehmend prekäre gesellschaftliche und wirtschaftliche Lage in Russland führt offenbar zu einem immer lauter werdenden Aufschrei gegen die Betrugsmasche. So forderte der Duma-Abgeordnete Leonid Sluzki bereits, dass die Familienangehörigen von Soldaten "Schutz vor dreisten Kriminellen, vor sogenannten 'Schwarzen Witwen‘, vor Finanz- und Telefonbetrügern sowie vor Ausbeutern, die es auf diejenigen abgesehen haben, die Geldzahlungen erhalten haben", brauchen. Solche "Verbrechen" nähmen mittlerweile "ernsthafte Ausmaße" an, fügte er laut CNN hinzu. Dabei ist das Problem hausgemacht. Einerseits setzt der Kreml zur Mobilisierung von Soldaten insgesamt auf finanzielle Anreize: Bonuszahlungen sollen Russen in den Kriegsdienst locken, die Entschädigungen für Gefallene sollen das Gefühl vermitteln, dass die Hinterbliebenen zumindest finanziell abgesichert sind. Andererseits vermittelt Kremlchef Wladimir Putin ein erzkonservatives Familienbild und fördert wegen des demografischen Wandels auch die traditionelle Ehe zwischen Mann und Frau. "Es ist ein Geschäft" Vor dem Hintergrund des Überfalls auf die Ukraine haben diese Aufrufe nochmals zugenommen: Putin appelliert regelmäßig besonders an Soldaten, eine Frau zu heiraten – wohl um die heimische Unterstützung für den Krieg zu fördern oder die Kampfmoral zu steigern. Dazu ermöglichten Behörden Militärangehörigen beschleunigte Eheschließungen. Auch Massenhochzeiten werden durchgeführt und teils im Staatsfernsehen übertragen. Manche russische Frauen witterten darin offenbar ein Geschäftsmodell. Teils wird sogar offen darüber gesprochen. So zitiert CNN aus einem Podcast aus der sibirischen Stadt Tomsk, in dem es eigentlich um Immobiliengeschäfte ging. Gastgeberin Darya Tscherdazewa fragte dabei eine Immobilienmaklerin im vergangenen Jahr, woher sie als 30-jährige Frau das Geld für einen Wohnungskauf bekommen könnte. "Es ist ganz einfach", antwortete die Maklerin Marina Orlowa demnach. "Man sucht sich einen Mann, der an der militärischen Sonderoperation (die in Russland offizielle Sprachregelung für den Angriffskrieg gegen die Ukraine, Anm. d. Red.) teilnimmt, und wenn er getötet wird, bekommt man acht Millionen Rubel", erklärte sie lachend. Viele Frauen würden so heutzutage günstige Wohnungen kaufen, fügte sie hinzu, "Es ist ein Geschäft." Beide Frauen wurden daraufhin zu Sozialstunden verurteilt und mussten sich bei Soldaten und ihren Angehörigen entschuldigen. Ukrainische Angriffe in Russland: "Das schiere Ausmaß war schockierend" Flugabwehr für die Ukraine: "Da werden sich die Amerikaner verweigern" "Schwarze Witwen" nehmen vor allem sozial Schwache ins Visier Der russische Exiljournalist Alexej Kowalew berichtete für das Magazin "Foreign Policy" über einen Fall aus dem Jahr 2023. Der damals 40-jährige Soldat Serhij Chandoschko aus der Region Brjansk habe nur einen Tag, bevor er an die Ukraine-Front zog, eine Angestellte des örtlichen Wehrdienstamts geheiratet. Einige Monate später fiel er im Kampf, seine Witwe beantragte die Entschädigung. Doch Chandoschkos Bruder ging dazwischen und focht die Auszahlung mit Verweis auf eine Scheinehe an. Die Behörden gaben ihm statt. Loading... Loading... Loading... Autor Kowalew schreibt weiter, dass es Teil der Betrugsmasche sei, dass die "Schwarzen Witwen" sich vor allem alleinstehende und sozial schwache Männer aussuchten, um die Auszahlungen dann mit niemandem teilen zu müssen. "Unter Zwang unterzeichnete ich eine Vollmacht, die ihr Zugriff auf meine Bankkonten gewährte" Jüngst wurde online das russische "Ethnografische Wörterbuch des Krieges" veröffentlicht. Es basiert unter anderem auf Beschwerden russischer Soldaten an Tatjana Moskalkowa, die Menschenrechtsbeauftragte der Russischen Föderation. Auch der Begriff "Schwarze Witwe" hat es in die Publikation geschafft. Was das für Soldaten bedeuten kann, berichtete ein russischer Militärangehöriger. Eine Familie habe ihn zunächst unter Alkohol und womöglich auch Drogen gesetzt und dann in ein Komplott verwickelt. Am folgenden Tag sei er zur Eheschließung mit Kamilla F. gezwungen worden. "Unter Zwang unterzeichnete ich außerdem eine Vollmacht, die ihr Zugriff auf meine Bankkonten gewährte, auf die Zahlungen des russischen Verteidigungsministeriums eingehen." Unmittelbar nach der Hochzeit sei er von der Familie seiner neuen Ehefrau an die Ukraine-Front geschickt worden. Während seiner Abwesenheit habe Kamilla F. rund 1,2 Millionen Rubel von seinen Konten abgehoben. Nur vier Monate nach der Hochzeit reichte seine Frau dann die Scheidung ein – angeblich, weil ihr Mann sie verlassen habe. CNN berichtet unter Berufung auf russische Medien über einen weiteren Fall. Im vergangenen Jahr wurden ein Feldwebel, ein Unteroffizier und ein Militärbuchhalter bezichtigt, schutzbedürftige Männer für den Krieg rekrutiert und Ehen für sie arrangiert zu haben. Demnach gehörten dazu Waisenkinder oder Männer ohne nahe Verwandte. Anschließend schickte man sie mutmaßlich an besonders gefährliche Frontsektoren, wo die Lebenserwartung besonders gering sei. Es soll Ermittlungen in dem Fall gegeben haben – doch darüber, wie sie ausgingen, gibt es keine Berichte. Verwendete Quellen cnn.com: "‘Black widows’: Women accused of marrying Russian army recruits to claim death payouts" (Englisch) slovar-svo.online: "Черная вдова" (Russisch) en.zona.media: "Russian losses in the war with Ukraine. Mediazona count, updated" (Englisch) foreignpolicy.com: "The Deathonomics of Putin’s War" (Englisch) lenta.ru: "В российском военном госпитале вычислили 'черную вдову'. Она пять раз выходила замуж за тяжелораненых бойцов СВО" (Russisch) wsj.com: " Russia’s New War Grifters—‘Black Widows’ Duping Soldiers Into Marriage " (Englisch) sueddeutsche.de: "'Am Ende hört man nur noch, wie er an seinem Blut erstickt'" (kostenpflichtig) Quellen anzeigen Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... ShoppingAnzeigen Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading... Loading...

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