"Schwarzwaldklinik"-Star Anja Kruse kritisiert Branche scharf
TV-Star rechnet ab Anja Kruse: "Jeder tätowierte Hiwi bei RTL ist ein Star" Von t-online, sow 08.08.2026 - 09:17 UhrLesedauer: 2 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Anja Kruse hat in den Achtzigern und Neunzigern die deutsche TV-Landschaft geprägt. Jetzt erkennt sie ihre Branche kaum wieder, erzählt sie in einem Interview. Ob "Schwarzwaldklinik" oder "Forsthaus Falkenau": Anja Kruse hat quotenstarke Serien des deutschen Fernsehens geprägt. Als leukämiekrankes Kindermädchen Claudia war sie die große Liebe von Dr. Udo Brinkmann (Sascha Hehn), in "Forsthaus Falkenau" spielte sie in 38 Folgen eine Tierärztin. Insgesamt wirkte Kruse in mehr als 100 Film- und Fernsehproduktionen mit. Wenn Anja Kruse also über die aktuellen Entwicklungen in der Branche wettert, findet das Gehör. In einem neuen Interview mit der "Welt" macht die 70-Jährige ihrem Ärger Luft. Als sie auf den "Jugendwahn im Filmgeschäft" und die wachsende Anzahl an Influencern, die in die Produktionen fluten, angesprochen wird, sagt sie: "Ich will auch nicht ungerecht sein. Sicherlich gibt es unter Influencern auch mal ein Naturtalent, eine Perle, obwohl ich noch keine kennengelernt habe. Selbst wenn es eine Ausnahme geben sollte, könnte ich mit der nicht spielen." "Die Reichweite ersetzt keine Ausbildung" Kruse begründet ihren Klartext so: "Eine große Reichweite in sozialen Netzwerken ersetzt nun einmal keine schauspielerische Ausbildung." Dann wird Kruse noch deutlicher. Ob es ihr Selbstwertgefühl beeinflusse, wenn heute Influencer Schauspieler überstrahlen, wird sie in dem Interview gefragt und Kruse antwortet: "Bitte lassen Sie das mit dem Star. Das ist so ein inflationärer Begriff. Jeder tätowierte Hiwi bei RTL ist ein Star. Ich bin ein Profi und war ein Quotenhit. Ich bin, was ich bin, und weiß, was ich kann." Für sie sei es selbstverständlich, "riesigen Applaus vom Publikum und Wertschätzung vonseiten des Theaters und der Kollegen" zu erhalten. Dies gebe ihr die nötige Bestätigung, doch ihr Selbstwertgefühl habe sie "nie an ihrer Popularität festgemacht", sagt sie. Video "Was soll der Quatsch?" Dann wendet sich Anja Kruse an die Entscheider in ihrer Branche. Sie fordert Film- und Fernsehbosse auf, Schauspielerinnen nicht allein nach ihrem Alter zu besetzen, sondern nach Talent und Ausstrahlung. "Mein großer Wunsch ist es, dass die Caster bei Besetzungen danach gehen, welches Bild ein Darsteller verkörpert, wie er rüberkommt, was er schauspielerisch kann und nicht zuerst auf das Alter schauen", erklärt sie. Altersdiskriminierungen sehe sie regelmäßig – und habe dafür absolut kein Verständnis. "40-jährige Kolleginnen werden für Großmutter-Rollen auf alt geschminkt. Was soll der Quatsch? Es gibt genügend wunderbare und talentierte Schauspielerinnen im passenden Alter", sagt Kruse.