Schweinepreis von 1,50 €/kg - mehr als nur ein weiteres Preistief
Schweinehalter kennen sich aus mit Preis- und Absatzkrisen. Sie erleben diese Phasen regelmäßig und viele wissen, wie man damit umgeht. Doch die aktuelle Krise hat es aus vielerlei Hinsicht in sich.
Falscher Zeitpunkt: Mitten in der Grillsaison, wenn die Nachfrage eigentlich steigen müsste, bleibt die Erholung aus. Die Verbraucher halten sich offensichtlich beim Einkauf von Schweinefleisch zurück.
Exportprobleme: Wir sehen derzeit mehr Marktverwerfungen als üblich. Das liegt vor allem an den Exportbeschränkungen infolge der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland und Spanien. Viel zu viel Ware fließt jetzt auf den EU-Binnenmarkt – vor allem aus Spanien. Normalerweise gehen große Teile des spanischen Fleisches in Drittländer.
Kostenexplosion: Der Erlös von 1,50 €/kg bedeutete im Jahr 2010 etwas völlig anderes als heute. Futter, Energie, Löhne und Baukosten liegen heute deutlich höher, sodass der aktuelle Preis klar unter der Vollkostenschwelle liegt. Das führte zu zweistelligen Verlusten je Mastschwein im Juni 2026.
Weggefallener Steuerpuffer: Seit 2022 ist die umsatzsteuerliche Pauschalierung an die 600.000-€-Grenze gekoppelt. Viele spezialisierte Betriebe verloren damit einen Liquiditätspuffer, der frühere Krisen abgefedert hat.
Die Folgen der Krise sind mittlerweile deutlich zu spüren. Der Strukturwandel beschleunigt sich. Besonders betroffen ist die Sauenhaltung, die vor teuren Umbauten im Deckzentrum und Abferkelstall steht. Viele Betriebe müssen in den nächsten Jahren erhebliche Investitionen stemmen. Doch Investitionen entstehen nur dort, wo eine realistische Aussicht besteht, die eingesetzten Mittel langfristig auch wieder zu erwirtschaften. An genau dieser Perspektive mangelt es aktuell vielen Betrieben.
Verlässlichkeit der Politik fehlt
Marktanalysten gehen davon aus, dass die Krise vorerst weitergehen wird. Der europäische Markt ist gut mit Schweinefleisch versorgt und es fehlen klare Rahmenbedingungen. Was die Schweinehalter dringender denn je brauchen, sind verlässliche Förderbedingungen. Das Bundesprogramm Umbau der Tierhaltung (BUT) läuft nur noch bis Ende August 2026, danach übernehmen uneinheitliche Länderprogramme. Und es braucht schnellere Genehmigungsverfahren sowie eine konsequentere Herkunfts- und Haltungskennzeichnung. Das muss auch für Importware, Gastronomie und Verarbeitung gelten.
Über eines müssen sich alle klar sein: Es geht derzeit nicht nur um die Frage, wann der Preis wieder steigt, sondern auch darum, ob genug Betriebe bis dahin wirtschaftlich durchhalten. Handel, Schlachtbetriebe und Politik müssen Verantwortung übernehmen: Wer heimische Erzeugung, Tierwohl und Versorgungssicherheit will, muss dafür sorgen, dass sich die Produktion auf den Höfen wirtschaftlich trägt. Andernfalls entscheidet am Ende nicht, wie gut ein Betrieb geführt wird, sondern schlicht die fehlende wirtschaftliche Perspektive über den Ausstieg aus der Schweinehaltung.
Annika Frank ist Referentin für Unternehmensführung in der Veredlung bei der Landwirtschaftskammer NRW. Für top agrar ordnet sie die aktuelle Preiskrise am Schweinemarkt ein.
Schweinehalter kennen sich aus mit Preis- und Absatzkrisen. Sie erleben diese Phasen regelmäßig und viele wissen, wie man damit umgeht. Doch die aktuelle Krise hat es aus vielerlei Hinsicht in sich.
Die Folgen der Krise sind mittlerweile deutlich zu spüren. Der Strukturwandel beschleunigt sich. Besonders betroffen ist die Sauenhaltung, die vor teuren Umbauten im Deckzentrum und Abferkelstall steht. Viele Betriebe müssen in den nächsten Jahren erhebliche Investitionen stemmen. Doch Investitionen entstehen nur dort, wo eine realistische Aussicht besteht, die eingesetzten Mittel langfristig auch wieder zu erwirtschaften. An genau dieser Perspektive mangelt es aktuell vielen Betrieben.
Marktanalysten gehen davon aus, dass die Krise vorerst weitergehen wird. Der europäische Markt ist gut mit Schweinefleisch versorgt und es fehlen klare Rahmenbedingungen. Was die Schweinehalter dringender denn je brauchen, sind verlässliche Förderbedingungen. Das Bundesprogramm Umbau der Tierhaltung (BUT) läuft nur noch bis Ende August 2026, danach übernehmen uneinheitliche Länderprogramme. Und es braucht schnellere Genehmigungsverfahren sowie eine konsequentere Herkunfts- und Haltungskennzeichnung. Das muss auch für Importware, Gastronomie und Verarbeitung gelten.
Über eines müssen sich alle klar sein: Es geht derzeit nicht nur um die Frage, wann der Preis wieder steigt, sondern auch darum, ob genug Betriebe bis dahin wirtschaftlich durchhalten. Handel, Schlachtbetriebe und Politik müssen Verantwortung übernehmen: Wer heimische Erzeugung, Tierwohl und Versorgungssicherheit will, muss dafür sorgen, dass sich die Produktion auf den Höfen wirtschaftlich trägt. Andernfalls entscheidet am Ende nicht, wie gut ein Betrieb geführt wird, sondern schlicht die fehlende wirtschaftliche Perspektive über den Ausstieg aus der Schweinehaltung.
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