Schweiz: Prognose für Alpengletscher - "Keine Überlebenschance"
Verheerendes Jahr für Gletscher
Prognose für Alpengletscher: "Keine Überlebenschance"
Von dpa
Aktualisiert am 01.10.2026 - 02:28 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Gletscher in den Alpen haben in diesem Jahr erneut massiv an Eis verloren. Das Gletschermessnetz Glamos schreibt von einem "verheerenden Jahr".
Die starke Sommerhitze und wenig Schnee im vergangenen Winter haben den Gletschern im Alpenraum schwer zugesetzt. Insbesondere in der Schweiz wurden massive Rückgange beobachtet. Dort sind rund 5,5 Prozent des Eisvolumens bereits geschmolzen, wie das Gletschermessnetz (Glamos) berichtet. Das Jahr sei verheerend für die Gletscher gewesen. Es war der zweitstärkste Verlust seit Beginn der Messungen, nach dem Rekordjahr 2022. Die Messreihen gehen teils rund 140 Jahre zurück.
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Der wenige Neuschnee habe die Gletscher während der langanhaltenden und intensiven Hitzewellen zwischen Mai und September nicht schützen können, er sei teils bereits im Juni verschwunden gewesen. Die Nullgradgrenze habe in diesen Monaten an 76 Tagen über 4.000 Metern gelegen. Das sei ein Rekord gewesen und liege mehr als doppelt so hoch wie im langjährigen Mittel. Im Durchschnitt habe die mittlere Eisdecke der Gletscher zwischen 2,5 und vier Metern abgenommen.
Die Monate Juni, Juli und August waren nach Angaben des Schweizer Wetterdienstes die heißesten in der Schweiz seit Beginn der Aufzeichnungen 1864. Dem Glamos-Bericht zufolge war die schützende Schneedecke auf den Gletschern in diesem Jahr bereits während der Hitzewellen im Juni teilweise verschwunden. Bis September war sie demnach selbst in großen Höhen komplett weggeschmolzen. "Unter solchen Bedingungen haben die Alpengletscher keine Chance, langfristig zu überleben", erklärte Glamos.
Glamos-Leiter Matthias Huss sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von einem "katastrophalen Jahr". Ihm zufolge waren die 2026 geschmolzenen Eismengen "enorm". Besonders sichtbar sei dies am Gletscher Scex Rouge. Dieser Gletscher wird dem Forscher zufolge "nicht überleben". "In zehn oder vielleicht fünfzehn Jahren wird es wahrscheinlich kein Eis mehr geben", sagte Huss.
Insgesamt betrage der Verlust in den vergangenen fünf Jahren nun fast 20 Prozent. "Alpengletscher haben unter solchen Bedingungen langfristig keine Überlebenschance", teilte Glamos mit. Insgesamt hat die Schweiz rund 1.400 Gletscher, von denen das Messnetz regelmäßig 23 vermisst und danach Hochrechnungen macht.
Das Volumen der Gletscher in den Alpen geht seit mehr als einem Jahrhundert zurück. In den vergangenen Jahrzehnten beschleunigte sich diese Entwicklung aufgrund der vom Menschen verursachten Erderwärmung.
In der Schweiz, wo fast 50 Gipfel auf einer Höhe von über 4.000 Metern liegen, haben die Gletscher zwar bessere Chancen als in Österreich, die immer heißeren Sommer zu überstehen. Dennoch warnen Wissenschaftler, dass die Schweizer Gletscher bis zum Ende dieses Jahrhunderts fast vollständig verschwinden könnten. Für Österreich und den gesamten Alpenraum gilt das Gleiche.