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Schwierige Mehrheiten stellen CDU in Sachsen-Anhalt vor große Herausforderungen

Nation

Landtagswahl Schwache Partner, starke Konkurrenz: CDU sucht Weg zur Regierungsbildung Stand: 15.07.2026 18:38 Uhr Kurz vor der Landtagswahl spitzen sich die Debatten innerhalb der CDU zu: Einzelstimmen sorgen für Unruhe, offene Briefe heizen die Diskussion an und die Frage nach möglichen Mehrheiten bleibt unbeantwortet. Während die Parteiführung klare Abgrenzungen betont, wächst der Druck, Antworten auf die schwierige Ausgangslage zu finden. Eine Analyse. von Sabine Falk-Bartz und Doreen Jonas, MDR SACHSEN-ANHALT Die Spekulationen um eine mögliche Zusammenarbeit der CDU nach der Landtagswahl mit links oder rechts schießen ins Kraut. Der Grund dafür sind zum einen die hohen Zustimmungswerte der AfD, zuletzt bei 41 Prozent, und zum anderen die eher schwachen Werte der CDU, zuletzt 26 Prozent (Umfrage infratest dimap vom 07.05.2026). Zum anderen wackeln die kleineren Parteien. FDP und Grüne wären gar nicht mehr im Landtag vertreten und die SPD ist nur noch einstellig. Stark dagegen die Linke, zuletzt lag sie bei zwölf Prozent in der Umfrage. Das sind Momentaufnahmen, viele Wähler entscheiden sich erst in den Wochen kurz vor der Wahl, weiß Politikberater Frank Stauss. Spekulationen als Mittel im Wahlkampf Für die CDU könnte es sehr schwierig werden mit dem Weiterregieren - weil die Mehrheit für eine Wiederwahl von Sven Schulze fehlen könnte. Aber er hätte keinen Einfluss darauf, sich weder von AfD- noch von Linken-Abgeordneten zum Ministerpräsidenten wählen zu lassen. Und laut Berichten von Focus online soll ein Teil seiner Fraktion darüber nachdenken, nach der Wahl eine eigene Fraktion zu gründen, um dann den AfD-Kandidaten Ulrich Siegmund zum Regierungschef zu wählen. Nach Recherchen von MDR SACHSEN-ANHALT lässt sich das nicht bestätigen. Eine Abspaltung der Fraktion – dafür bräuchte man fünf Personen – ist schon mit Blick auf die Landesliste der CDU abwegig. Das Gros der Kandidaten steht zu Schulze und seinem Kurs. Alles andere seien gezielt gestreute Gerüchte. Das Dilemma bleibt aber. Schwierige Regierungsbildung: Wer könnte künftig zusammenarbeiten? Da die CDU im Land Sachsen-Anhalt für sich das Ziel ausgegeben hat, wieder eine Landesregierung anführen zu wollen, stellt sich die Frage: Mit wem? Denn für eine solide Mehrheit reicht es im Moment nicht. Die bisherigen Partner der aktuellen "Deutschlandkoalition" bleiben hinter allen Erwartungen zurück. CDU und SPD kämen zusammen auf rund 33 Prozent – das wäre eine Minderheitsregierung. Diese müsste sich tolerieren lassen. Weil es einen Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU gibt – an dem auch CDU-Parteichef und Spitzenkandidat Sven Schulze nicht rütteln will – geht es mit den Linken maximal allenfalls als Tolerierungspartner. Das könnte sich ändern, wenn die Grünen es ins Parlament schafften. Die AfD dagegen sieht sich als die starke Macht im Land und würde am liebsten allein regieren. Dafür reicht es aktuell nicht. Einzelne Abgeordnete fordern Ende der Brandmauer Wenn man vielleicht fragen würde: "Wie hältst Du es mit der AfD?", gäbe es CDU-Fraktionsmitglieder, die man mindestens als wankelmütig bezeichnen könnte. Der Harzer Abgeordnete Alexander Räuscher stellt sich offen gegen die Brandmauer zur AfD. In einem Interview, das er der rechtsnationalen Zeitung Junge Freiheit gab, behauptet er, wenn die Landes-CDU selbst entscheiden könnte, wäre die Brandmauer längst weg. Räuscher ist in der Fraktion aber mindestens umstritten, Listenplatz 36 ist dafür Beleg. Nach der Wahl wird auch die CDU-Fraktion eine andere sein. Jetzt stellt sie 40 Abgeordnete mit Direktmandat – also mit sehr starkem Rückhalt aus ihrer Region. Das dürfte nach der Wahl weniger komfortabel aussehen. Und dann den Schritt zu wagen – sich gegen die Leitlinien ihrer Partei, gegen ihren Parteichef zu stellen, wäre das Ende der sachsen-anhaltischen CDU. Offene Briefe aus den eigenen Reihen Gerd Gies und Karl-Heinz Dähre haben einen Brief geschrieben. Der eine wurde nach nicht mal einem Jahr als Ministerpräsident abgesetzt, das war 1991 und der andere wäre gern Ministerpräsident geworden. Hätte vielleicht auch geklappt, wenn nicht gerade das Magdeburger Modell, also die Tolerierung einer SPD-geführten Minderheitsregierung durch die PDS (aus der Die Linke hervorging) dazwischengekommen wäre. Beide sind über 80 und warnen die CDU davor, sich von den Linken tolerieren zu lassen. Aus der Vita der beiden heraus betrachtet, sind die Sorgen für den einen oder anderen vielleicht nachvollziehbar. Aber im Jahr 2026 ist die Linke in Sachsen-Anhalt längst eine andere. Der Einsatz von Fraktionschefin Eva von Angern auf dem Bundesparteitag der Linken in Potsdam sprach Bände, als sie sich vehement gegen die Äußerung des neuen Bundes-Co-Vorsitzenden Pantisano zur vermeintlich "faschistischen Politik" der CDU positionierte. Darüber hinaus könnte man den Brief auch als illoyal Sven Schulze gegenüber ansehen. Denn der will sich ja vor der Wahl gar nicht dazu äußern. Außer, dass er Koalitionen mit der Linken und der AfD sowie Minister aus diesen Parteien ausschließt. Viele offene Fragen bis zur Wahl Sogenannte Gestaltungsmehrheiten mit der AfD finden im kommunalen Raum längst statt. Auf Landesebene ist das im Moment nicht vorstellbar. Denn die Linke hat kategorisch ausgeschlossen, einen Ministerpräsidenten Schulze zu unterstützen, sobald er sich Mehrheiten über die AfD organisiert. Aber wenn es keine Mehrheit mehr gibt für die CDU mit ihren bisherigen Partnern, dann wird sich Sven Schulze einen Weg überlegen müssen. Wie auch immer das aussähe - dafür bräuchte es dann auch einen Parteitagsbeschluss Aktuell beobachtet die hiesige CDU sehr genau, wie die Ministerpräsidenten-Kollegen Michael Kretschmer in Sachsen und Mario Voigt in Thüringen agieren. Begeistert wäre Schulze davon nicht. Aber bis zur Wahl sind es jetzt noch knapp zwei Monate. Zeit für alle Parteien, von sich und ihren Programmen zu überzeugen. MDR (Doreen Jonas, Sabine Falk-Bartz, Oliver Leiste)

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