Scott Scale 200 im Test: Silberpfeil für schmalen Taler?
Steckbrief: Scott Scale 200 Scott bietet neben technisch führenden, aufwendig entwickelten Mountainbikes und Rennrädern (Hausbesuch bei Scott Bikes in der Schweiz) auch spezielle Bikes für Kinder an. Im Falle des 20″ Scott Scale 200 orientiert sich der Name klar am führenden Cross-Country-Hardtail, dem Scott Scale; das Scale 200 kommt aber sogar als Starrbike ohne Federung daher. Farbtechnisch gibt es schlichtes Silber oder knalliges Orange („grapefruit orange“) zur Auswahl; der Rest ist vorgegeben. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 499 €, wobei ein Ständer zum Lieferumfang gehört. Scott empfiehlt das Scale 200 für Kinder ab 115 cm Körpergröße, Hinweise zum Alter werden nicht gegeben, ebenso wenig wie Angaben zur passenden Innenbeinlänge. Das Scott Scale 200 ist freigegeben bis zu 50 kg Systemgewicht (also Kind + Fahrrad + Gepäck). Außerdem ist das Bike für Belastungen der ASTM-Kategorie 3 freigegeben, wodurch der moderate Mountainbike-Einsatz abgedeckt ist. Unser Test des Scott Scale 200 ist Teil unseres großen 20″-Kinder-MTB-Vergleichstests 2026, in dem wir sechs aktuelle Mountainbikes für Kinder zwischen vier und sieben Jahren in der Praxis auf die Probe gestellt haben. Mit dabei sind Bikes von KUbikes, Propain, Scott, Sqeeder, VPace und Woom. Hier findest du alle Artikel des 20″-Kinder-MTB-Vergleichstests 2026! Im Detail Ein Scott, das mit einem Neupreis von 499 Euro das mit Abstand günstigste Bike im Vergleichsfeld ist … das ist etwas, das man von Erwachsenen-Bikes in der Regel nicht erwarten würde. Und dabei werden keine offensichtlich faulen Kompromisse oder übermäßigen Abstriche gemacht: hydraulische Scheibenbremsen, Aluminiumrahmen und ordentliche Ausstattung – das Scott Scale 200 liegt mit Pedalen unter 9 kg und ist damit klar der vernünftigste Einstiegspunkt im Test. Scott ist eine der wenigen großen Marken, die im Kinder-MTB-Segment ein Einstiegsmodell anbieten, das auch für schmalere Budgets attraktiv ist und nicht nach billiger Massenware aussieht. Klar: Im direkten Vergleich mit den Premium-Bikes um 800–1.300 Euro sieht man, wo gespart wurde. Für Familien, die nicht sicher sind, wie ernst ihr Kind das Mountainbiken nimmt, oder die schlicht nicht 800+ Euro für ein Kinderfahrrad ausgeben möchten, ist das Scott Scale 200 dennoch und gerade deshalb eine gute Wahl. Geliefert wird das Scott Scale 200 vormontiert, sodass nur noch der Lenker gerade gedreht und die Pedale angeschraubt werden müssen. Schauen wir es im Detail an. Rahmen & Gabel Der 20″-Rahmen mit Scheibenbremsen ist aus 6061-Aluminium gefertigt und ansprechend lackiert. Die Starrgabel ist ebenfalls aus Aluminium gefertigt und wie der Rahmen auch nur für Scheibenbremsen geeignet. Obwohl Scott hier gegenüber den bei woom oder KUbikes montierten Carbon-Gabeln Gewicht liegen lässt, ist das Scale 200 mit unter 9 kg immer noch gut im Rennen. Die Leitungen sind allesamt sauber geführt und als schönes Detail ist über dem Vorbau ein Gummischutz angebracht, der bei Stürzen die scharfen Kanten abdeckt. Bremsen Scott setzt auf die Tektro HD-M276 Short Reach Scheibenbremsen mit 160-mm-Scheiben vorne und hinten. Etwas auffällig war, dass die Verstellung der Hebelweite relativ schwergängig war und die Ergonomie der Hebel im Vergleich zu den Bremsen des Wettbewerbs unsere Testkinder weniger überzeugte. Sicher zum Stehen kamen sie jedoch alle. Antrieb Bei der Schaltung vertraut Scott auf den Branchenriesen Shimano, der die gruppenlose SL-RV300-7R-Drehgriffschaltung mit sieben Gängen am Shimano RD-TY300-Schaltwerk beisteuert. Scott ist damit das einzige Bike im Vergleichsfeld, das mit einem Drehgriff geliefert wird, und hat gleichzeitig die wenigsten Gänge. Kombiniert wird dieser Antrieb mit einer SunRace-Kassette mit 11–34 Zähnen, was einer Spreizung von 309 % entspricht. Das bedeutet zwar, dass bei nur sieben Gängen die Sprünge zwischen den Gängen sehr groß ausfallen, doch im Umkehrschluss sind die Unterschiede auch deutlich spürbar und in Verbindung mit den 28 Zähnen an der Kurbel ergibt sich ein gutes Klettervermögen am Berg bei vernünftiger Endgeschwindigkeit in der Ebene oder bergab. Die Kurbelarme messen 114 mm und sind damit hinreichend kurz für eine gute Tretergonomie. Als Innenlager kommt ein konventionelles Kartuscheninnenlager (68er-Gehäuse) mit Vierkantwelle zum Einsatz … nicht mehr unbedingt der Stand der Technik, aber von den Belastungen am Kinderfahrrad her kein echtes Problem. Zum Q-Faktor, also dem horizontalen Abstand zwischen den Pedalen zueinander, macht Scott keine Angaben. Das Schaltwerk ist hingegen ein klarer Punkt, bei dem Scott gespart hat. Das zeigt sich in der fehlenden Kupplung oder Reibungsdämpfung, wodurch die Kette stark schlackert und das Schaltwerk im Gelände klappert. Kettenabwürfe hatten wir im Test jedoch dank der doppelten Führungsbleche neben dem Kettenblatt keine – ideal ist es dennoch nicht. Hinzu kommt, dass der Drehgriffschalter mit integrierter Ganganzeige zwar intuitiv zu bedienen ist und gutes Feedback darüber gibt, in welchem Gang das Kind gerade ist. Er ist jedoch so dick, wie ein Griff für Erwachsene auch ist, und erfordert daher ein Umgreifen zum Schalten. Außerdem lässt er den Bremshebel nach innen rücken, wodurch auch zum Bremsen teilweise umgegriffen werden musste. In der Summe erscheint uns das aus der Beobachtung heraus die schlechtere Lösung zu sein. Cockpit & Sattel Besonders auffällig wird, wie dick der Drehgriff ausfällt, wenn man den kindgerecht dünnen Syncros-Griff daneben sieht. Der misst schlanke 25,5 mm und kann so gut von Kindern gegriffen werden. Das Cockpit kommt von Leadtec und ist mit einem 540 mm breiten Lenker mit 20 mm Rise sowie einem 50 mm langen Vorbau mit 10° Steigung ausgestattet. Diese Werte sind durchweg gut auf die zu erwartenden Körpergrößen angepasst und bringen das Kind in eine ergonomisch ordentliche Position auf dem Bike. Der Syncros KIDS III-Sattel mit passender Sattelstütze rundet das Bild ab. Ausstattung Das Scott Scale 200 ist das einzige Bike im Test, das serienmäßig mit Ständer geliefert wird. Außerdem finden sich an Rahmen und Gabel Aufnahmepunkte für Schutzbleche – ein klares Signal, dass Scott dieses Bike auch für den Alltag positioniert. Das ist je nach Realität der Kinder ein echter Pluspunkt gegenüber den reinen Gelände-Bikes im Testfeld; auch wenn echte MTB-Kids natürlich keinen Ständer oder Schutzbleche am Rad haben wollen werden. Die restliche Ausstattung des Scott ist unspektakulär: 21 mm breite Felgen aus Aluminium drehen sich um Formula-Naben, die Reifen steuert Kenda in 2,2″ Breite und mit einfacher 30-TPI-Karkasse bei. Alles guter Standard und, wie eingangs erwähnt, ohne die Waage zu schwer zu belasten! Bleibt als Wermutstropfen, dass man bei Scott keine Möglichkeiten zur Individualisierung jenseits der Rahmenfarbe hat. Aber das braucht eben auch nicht jeder. Geometrie Scott verspricht, dass das Scale 200 das „Selbstvertrauen bietet, egal ob es durch die Stadt oder auf Trails geht“ und speziell für Anfänger gut geeignet sein soll. Konkret wird es Kindern ab 115 cm Körpergröße empfohlen. Tatsächlich ist das Rad bereits schon für kleinere Kinder geeignet (ca. 110 cm), denn die minimal mögliche Sattelhöhe beträgt 530 mm und lässt sich bis auf 707 mm ausziehen. Damit deckt es eine große Bandbreite ab. Im Unterschied zu anderen Bikes im Test ist das Sitzrohr mit 260 mm etwas länger (der „Standard“ im Test liegt bei 240 mm) und auch das Steuerrohr fällt mit 110 mm Länge eher lang aus, was für einen hohen Stack von 465 mm sorgt. Konkret bedeuten die letzten beiden Werte, dass das Kind eher aufrecht auf dem Rad sitzt und der Lenker relativ höher vor der Brust positioniert ist. Der Reach beträgt 306 mm, was nur minimal über dem Durchschnitt der Mitbewerber liegt. Entsprechend ist das Scott durch die Bank auf der eher großen, aber nicht gestreckten Seite angesiedelt. Die tiefe Innenlagerabsenkung gegenüber den Achsen von fast 46 mm sowie die langen Kettenstreben von 452 mm sorgen für viel Laufruhe und Fahrsicherheit, limitieren jedoch auch die Agilität. Damit passt die Geometrie gut zum Versprechen von Scott, dass sich das Rad einfach auch für Anfänger fahren lassen soll. Von der Grundcharakteristik her ist es hier dem woom OFF 4 sehr ähnlich. Wie sich die Geometrie im Detail im Vergleich zum Wettbewerb verhält, haben wir im umfangreichen 20″-MTB-Vergleichstest für euch zusammengefasst. Wie fährt sich das Scott Scale 200? Einstellung auf Körpergröße Scott empfiehlt das Scale 200 ab einer Körpergröße von 115 cm; in unserem Test haben jedoch bereits etwas kleinere Kinder gut auf dem Rad fahren können – und das trotz des langen Sitzrohrs. Grund hierfür ist das tief abgesenkte Innenlager, das die Kurbelwelle relativ zu den Achsen der Räder absenkt. Über den serienmäßigen Schnellspanner kann der Sattel in einem weiten Bereich eingestellt werden (530 bis 707 mm). Für eine weitere Anpassung an die Körpergröße kann der Vorbau mit positiver oder negativer Steigung gedreht montiert werden (10°), was den Lenker höher oder tiefer positioniert. Die von der Geometrie und dem Fahrverhalten her ähnlichsten Räder im Vergleich sind das woom OFF 4 sowie das KUbikes 20S Trail – beide sind jedoch klar teurer (v. a. KUbikes), jedoch auch nochmals deutlich leichter (knapp über 8 kg statt knapp über 9) und so nochmals einfacher zu handhaben. Doch damit ab auf den Trail. Um einen belastbaren Fahreindruck bei unseren Testkindern zu gewinnen, sind wir mit dem Scott Scale 200 auf verschiedenen Untergründen und Strecken unterwegs gewesen. Allen gemein ist dabei gewesen, dass die Kinder schnell Vertrauen in das Fahrverhalten gefunden haben und das Scale 200 gerne ausgewählt wurde. Die detaillierteren Beobachtungen im Folgenden: Pumptrack Sein gutes Gewicht und die leicht rollenden Kenda-Reifen sowie die Starrgabel sorgen dafür, dass das Scott Scale 200 auf dem Pumptrack einen wirklich guten Eindruck hinterlässt. Zwar ist der Sattel minimal höher als bei den niedrigsten Bikes im Test, doch war die Bewegungsfreiheit soweit von außen erkennbar hinreichend groß. Insgesamt waren alle Kinder mit dem Scale 200 schnell und sicher auf dem Pumptrack unterwegs und hatten sichtbar ihren Spaß dabei. Die Ganganzeige des Drehgriffschalthebels wurde dabei explizit positiv erwähnt; die Hebelkräfte waren jedoch am oberen Ende. Trail Bei der Verwendung auf einfachen Trails und Schotterwegen zeigte sich ein etwas durchwachseneres Bild. Von außen betrachtet wusste die einfach zu fahrende Geometrie mit tiefem Innenlager an sich zu überzeugen, der dicke Drehgriff an der Schaltung, die nur schwer auf die passende Hebelweite einstellbaren Bremsen sowie der klappernde Antrieb (aufgrund des Schaltwerks ohne Käfigbremse oder -dämpfung) sorgten jedoch dafür, dass keines der Kinder im Test das Scott für mehr als eine Abfahrt ausgewählt hat. Die nach Ansicht der Kinder fehlende Federgabel war dabei weniger das Argument als die gefühlte Vertrautheit mit dem Rad. Wermutstropfen: Auch gegen Aufpreis liefert Scott das Scale 200 nicht mit Federgabel aus. Den Eltern sei gesagt: Wenig Luftdruck und gegebenenfalls nochmals breitere Reifen würden ohnehin den größeren Unterschied in den meisten Anwendungsfällen machen … und ein Gerät für den Bikepark will das Scale ohnehin nicht sein. Auf leichten Trails und Schotterwegen: solide Leistung. Der Drehgriff kombiniert mit Bremsen ist die größte koordinative Hürde. Auf technischeren Trails fehlt die Federgabel, und das klappernde Schaltwerk ist ein ständiger Begleiter. Alltag Im Alltag kann das Scott Scale 200 voll überzeugen: Mit Ständer und Schutzblechaufnahmen ist es ein echter Allrounder. So klar für den Alltag positioniert ist kein anderes der Testräder in unserem Vergleichstest gewesen. Fazit – Scott Scale 200 Das Scott Scale 200 ist das mit Abstand günstigste Kinder-MTB im Test und stellt eine vernünftige Wahl für den Preis-Leistungs-bewussten Einstieg in die Mountainbike-Welt dar. Trotz einer klar kostenorientierten Ausstattung (z.B. ungedämpftes Schaltwerk, einfache Reifen) ist es kaum schwerer als die fast doppelt so teure Konkurrenz. Zu konfigurieren gibt es außer der Farbe nichts; dafür gibt es eine ausgewogene Geometrie und einen Einstieg ohne Reue. Scott Scale 200 – Pro / Contra Stärken Fairer Preis Ausgewogenes, gutmütiges Handling Voll alltagstauglich aufrüstbar (Ständer Serie, Schutzbleche montierbar) Gutes Gewicht trotz des Preises Schwächen Drehgriffschaltung ergonomisch nachteilig, da Umgreifen erforderlich zum Bremsen Schwergängige Hebelweitenverstellung an der Bremse Ungedämpftes Schaltwerk klappert und springt im Gelände Mein erstes Bike war ein Scott – wie wichtig ist für euch die Marke beim ersten Mountainbike für eure Kinder? Testablauf Das Scott Scale 200 ist uns vom Hersteller für die Dauer des Tests zur Verfügung gestellt worden. Die Teilnahme am Test ist auf Anfrage der Redaktion erfolgt – ebenso erfolgte die Konfiguration (Farben, Ausstattung, sofern möglich) auf Vorschlag der Redaktion. Für den Test haben wir das Scott Scale 200 im direkten Vergleich mit den anderen Bikes gefahren und haben dabei das Münchener Umland unsicher gemacht. Insbesondere haben wir die Bikes auf den DIMB-Würm-Trails bei Gauting sowie auf den umliegenden Pumptracks gefahren. Hinzu kamen die verschiedensten Fahrten im Alltag, um ein stimmiges Gesamtbild beobachten zu können. Das Scott Scale 200 haben wir als Teil eines umfangreichen Vergleichstests getestet. Die weiteren Einzeltests aus unserem 20″-Kinder-Mountainbike-Vergleichstest findest du hier: