Sechs Jahre Funkloch: Ehemaliger E-Plus-Sender offline
Der Landkreis Vulkaneifel (Rheinland-Pfalz) ist durch einen Großbrand im benachbarten Hürtgenwald (Nordrhein-Westfalen) derzeit in den Schlagzeilen. Die folgende Geschichte ist aber schon 6 Jahre älter. Ein teltarif.de-Leser berichtet uns, dass in 54570 Betteldorf (Landkreis Vulkaneifel) im Dezember 2020 (!) an einem ehemaligen E-Plus-Standort neue "Flexi" Sendemodule von Nokia und weitere Hardware für LTE 800 aufgebaut wurden. Teure Technik im Leerlauf 2020: Damals neue "Flexi" Technik von Nokia. Doch sie ging nie auf Sendung. Leserfoto: Michael aus Betteldorf / teltarif.de Das langjährige Problem: "Seitdem brummt die Technik munter vor sich hin, der Standort war immer komplett offline. Früher war die Station per E1-Leitung angebunden, seitdem scheint man keine Richtfunk- oder Glasfaser-Anbindung realisieren zu können." Eine sogenannte "E1"-Zweidrahtverbindung (maximal 2048 kBit/s) war nur zu GSM-Zeiten für Mobilfunk-Sendestationen nutzbar. Für den heutigen Datenbedarf im 4G/LTE und 5G/NR-Zeitalter sind diese Leitungen nicht mehr geeignet. Die Verwendung von Glasfasern scheitert oft an den immensen Kosten von Bau, Verlegung oder Miete, welche den Kostenrahmen vieler Netzbetreiber sprengen würden. Neue Technik - weiter ohne Leitung 2020: Ein Sendemast in der Winterlandschaft, der nur zum Teil senden konnte. Leserfoto: Michael aus Betteldorf / teltarif.de Ungefähr im Jahre 2024 sei die ungenutzte Technik, so wissen Eingeweihte, von Nokia "Flexi" auf Nokia "Airscale" erneuert worden. Die Hardware dieser SRAN-Technik (SRAN = SingleRAN) erlaubt es, softwaremäßig mehrere Frequenzen und Protokolle in einer "Kiste" zu betreiben. Auch sie war 2024 mangels Anbindung noch nicht nutzbar. Eine Nachfrage bewirkt Wunder Der o2-Sender wird über eine Richtfunkverbindung versorgt (rechts mittlere Antenne). Leserfoto: Michael aus Betteldorf / teltarif.de Zeitgleich mit unserer Nachfrage bei o2-Telefónica geschah quasi ein Wunder: Vor wenigen Tagen ging besagte Station endlich für o2-Kunden wieder "on air". o2-Telefónica teilte uns auf Nachfrage mit: "Unsere Techniker haben den Standort am 10. August (2026) in Betrieb genommen. Im ersten Schritt funkt er mit 4G/LTE und 2G/GSM. Nach aktueller Planung soll der Standort Ende des kommenden Jahres in modernisierter und optimierter Konfiguration funken - unter anderem mit zusätzlichen Netzkapazitäten und Frequenzbändern." Die erzielbaren Datenraten können sich sehen lassen. Leserfoto: Michael aus Betteldorf / teltarif.de Wie aus Branchenkreisen zu erfahren war, will o2 von dort künftig auf 700, 800, 900, 1800, 2100 und 2600 MHz senden, dann - so die Informationen - allerdings auf nur 2 Sektoren. Die lange Funkstille hatte offenbar wirklich an einer lange Zeit nicht realisierbaren Richtfunkverbindung gelegen. o2 zu Gast am DFMG-Standort Antennen von Telekom (oben) und o2-Telefónica mit Vorverstärkern, der Turm gehört der DFMG Leserfoto: Michael aus Betteldorf / teltarif.de Beim Standort in Betteldorf handelt es sich übrigens um einen DFMG-Standort, wovon der Auftraggeber Telekom die ganze Zeit problemlos senden und die Region versorgen konnte. Nun haben Mobilfunknutzer auf Wunsch eine Alternative.