Sein Produkt erhielt den „Goldenen Windbeutel“: LaVita-Chef spricht von „falschen Darstellungen“
TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen Landshut – „Dreisteste Werbelüge“, „Abzocke“, „Irreführung“ – die Verbraucherorganisation Foodwatch teilte mächtig aus gegen das Nahrungsergänzungsmittel LaVita aus Kumhausen bei Landshut (Bayern). Der Drink gewann nach einer Online-Abstimmung den zweifelhaften Preis „Windbeutel des Jahres“. Ist dieses Kritik-Beben berechtigt? Wie geht es mit LaVita jetzt weiter? Jetzt spricht Firmen-Chef Gerd Truntschka. Er war 20 Jahre Eishockey-Star (acht Meistertitel, Rekord von 943 Torvorlagen). Das kreidet Foodwatch dem Produkt an, die Kritik ist hart: „Das Produkt besteht zu 70 Prozent aus Fruchtsaftkonzentrat. Hinzu kommen 26 zugesetzte Vitamine und Nährstoffe . Trotzdem kostet ein Liter umgerechnet krasse 100 Euro.“ „Der Saft steht beispielhaft für die Abzocke mit irreführenden Gesundheitsversprechen“, erklärte Alina Nitsche von Foodwatch. Die Werbung mit „Saubertrank“ habe das Unternehmen inzwischen gestoppt. Fest steht aber: Begriffe wie „rundum gut versorgt“, „Treibstoff für die Zellen“, „Produkt mit vielen Wirkungen“, „Fit fürs Leben“ und die breite Aufzählung fast aller relevanten Körperbereiche können beim Verbraucher den Eindruck erzeugen: Wer LaVita nimmt, tut umfassend etwas für seine Gesundheit. „Insgesamt acht der Vitamine und Nährstoffe überschreiten die Referenzmenge für eine tägliche Zufuhr bei der vom Hersteller empfohlenen Menge von zehn Millilitern pro Tag. Bei einer Einnahme von zweimal 10 ml pro Tag sind sogar 14 Vitamine und Nährstoffe überdosiert enthalten.“ Foodwatch stellt fest: „Die Häkchen in der Nährwerttabelle statt einer Angabe zur Referenzmenge verschleiern die enorm hohe Dosierung. Die Empfehlung, bei Stress die doppelte Menge LaVita einzunehmen, öffnet Tür und Tor dafür, den Saft unkontrolliert zu sich zu nehmen. Dabei sind Langzeiteffekte von Multivitaminpräparaten bislang nicht eindeutig geklärt.“ Wie geht LaVita damit um? Die heile LaVita-Welt ist schwer erschüttert, selbst Stammkunden wenden sich ab, ist in Foren zu lesen. LaVita präsentiert sich als ehrliches mittelständisches Unternehmen aus der bayerischen Provinz. Der Tenor: Hier ist die Welt noch in Ordnung. Marketing-Experten sagen BILD: Nach so einem Shitstorm wird’s schwer, wieder Vertrauen aufzubauen. Jetzt äußert sich Gerd Truntschka gegenüber BILD. Er leitet seit 1999 zusammen mit seiner Frau Silke die Geschicke des Familienunternehmens. Was ist seit der zweifelhaften Ehrung passiert? Truntschka: „Natürlich hat das Thema für Aufmerksamkeit gesorgt und viele Fragen ausgelöst, weil ein komplexes Produktkonzept auf plakative Vorwürfe und falsche Darstellungen reduziert wurde.“ Gibt es Umsatzeinbrüche? Der Firmenchef: „Die Berichterstattung hat viele Menschen erst mal verunsichert. Vor allem die Aussage ‚100 Euro pro Liter Fruchtsaft‘ ist ja irreführend. LaVita ist kein Fruchtsaft, und der Literpreis eines Konzentrats sagt wenig aus – ein Liter Espresso kostet je nach Café ebenfalls bis zu 100 Euro, wird aber auch nicht auf einmal getrunken. Wir konzentrieren uns aktuell darauf, die Vorwürfe faktenbasiert aufzuklären. An unserem Produktkonzept halten wir selbstverständlich fest.“ Wie geht er persönlich mit den Angriffen um? Truntschka: „Persönlich hat mich vor allem die Art der Darstellung getroffen. Mein Team und ich arbeiten seit fast 30 Jahren mit viel Leidenschaft und Überzeugung an LaVita. Umso mehr ärgert es mich, wenn komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge auf wenige Schlagzeilen und aus unserer Sicht falsche Behauptungen reduziert werden.“ Foodwatch ordnet das Unternehmen dagegen so ein: „LaVita nutzt das zunehmende Bedürfnis nach natürlichen Nahrungsergänzungsmitteln aus, um Profit zu machen. Gestresste Eltern oder Berufstätige könnten schnell ein Glas zwischendurch trinken und seien dann mit allem versorgt. LaVita vertreibt auch Kinderbücher. So etabliert sich die Firma in einer breiten Zielgruppe.“