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Selbst das Atmen fällt ihr schwer: Zweifache Mutter hofft auf Hilfe, „es ist aber aussichtslos“

Gesundheit

Kerstin Ladeuille ist 54 Jahre alt, verheiratet und Mutter von zwei erwachsenen Söhnen. Ihre Freundin Andrea Linder, die für sie auf der Spendenplattform gofondme unter dem Stichwort „Assistenzhund für Kerstin – Hilfe für ihren Alltag“ eine Seite eingerichtet hat, bezeichnet sie als einen echten Familienmenschen: „Wer sie kennt, beschreibt sie als warmherzig, hilfsbereit und immer gut gelaunt. Sie war diejenige, die für andere eingesprungen ist, wenn Hilfe gebraucht wurde – engagiert im sozialen Bereich, immer mit einem Lächeln im Gesicht und voller Lebensfreude.“ Ladeuille ist noch immer lebensbejahend und optimistisch, auch wenn sie inzwischen stark eingeschränkt und an den Rollstuhl gefesselt ist. Doch was ist passiert? Vor sechs, sieben Jahren konnte Kerstin Ladeuille mit dem Begriff ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) noch nichts anfangen. Damals war sie voll berufstätig, arbeitete bei „Vom Fass“ in Waldburg und im Security-Dienst und war mit ihrem Leben mehr als zufrieden. Nach der ersten Corona-Impfung 2021 ging es los. „Schon da habe ich Pots bekommen“, erinnert sich Ladeuille. Unter dieser Begrifflichkeit (ausgeschrieben: Posturales Tachykardiesyndrom) versteht man eine Fehlfunktion des autonomen Nervensystems. Typisches Merkmal ist ein extremer Pulsanstieg kurz nach dem Aufstehen. Die zweite Impfung und eine Corona-Infektion fielen praktisch zusammen. Alles strengt an – selbst das Atmen „Ich fühlte mich schlapp, ohne Energie, kaputt“, erzählt Ladeuille. Symptome, die auch nach der Infektion nicht besser wurden, sondern sich verschlechterten und noch weitere hervorriefen. Alles strengte an. Licht. Geräusche. Lesen. Die eigene Körperpflege. Jedes Bimmeln des Handys. Selbst das Atmen. Die Erschöpfung führte bis hin zur Ohnmacht. Immer wieder kamen Herzrasen und Blutdruckabfälle. An die Wiederaufnahme der Berufsfähigkeit war nicht zu denken. Es dauerte auch, bis die Diagnose gestellt wurde: ME/CFS, eine schwere Multisystemerkrankung, verbunden mit dem sogenannten Post-Exertional Malaise (PEM) – eine starke Zustandsverschlechterung nach minimaler körperlicher oder geistiger Belastung. Das Schlimme sei, dass man Menschen diese im Übrigen neuroimmunologische und nicht psychische Erkrankung nicht ansehe und die Schwere ihrer Einschränkungen nicht verstanden werde, sagt Ladeuilles Ärztin Dr. Daniela Grimm, Wangener Fachärztin für innere Medizin. Drei bis fünf ME/CFS-Fälle gibt es in ihrer Praxis, manche seien auch reversibel: „In dem Stadium, in dem sich Kerstin Ladeuille befindet, ist das allerdings ganz, ganz selten.“ Zu 80 Prozent, sagt Grimm, werde ME/CFS von Viren ausgelöst. Neben Corona kann auch das Pfeiffersche Drüsenfieber die Krankheit hervorrufen. In Einzelfällen sind aber laut Grimm auch Geburten, Impfungen oder das Halswirbelsäulensyndrom Auslöser. Ladeuille erhielt mit GdB 100 den höchstmöglichen Behindertengrad und wurde in Pflegestufe drei eingestuft. Sie wandte sich an ihre Krankenkasse, da sie sich durch einen Assistenzhund bessere Lebensumstände verspricht. Ihre Hoffnung ist nicht unbegründet. Immerhin hat sie vor ihrer Erkrankung in Berlin eine Hundeführer-Ausbildung absolviert, weiß, wie man mit Vierbeinern umgeht und was tierische Begleiter alles leisten können. Inzwischen ist auch der pflegende Mann erkrankt Von ihrer Ärztin bekam sie eine Bescheinigung zur Führung eines Assistenzhundes. Ladeuille: „Es ist aber aussichtslos. Nur Blindenhunde werden von Krankenkassen unterstützt, Assistenzhunde nicht.“ Dabei erkennt ein entsprechend ausgebildeter Hund laut Kerstin Ladeuille Bluthochdruck, einen hohen Puls oder andere gesundheitliche Schwierigkeiten und lebensbedrohliche Situationen. Er kann den Notrufknopf drücken oder seine zu betreuende Person in die stabile Seitenlage bringen. Inzwischen ist Ladeuilles Mann, der sie auch pflegt, selbst erkrankt. Viele Tage schafft es Ladeuille noch nicht einmal aus dem Bett, weil ihr Körper keine Kraft hat. An manchen Tagen kann sie sich noch nicht einmal alleine im Bett drehen und benötigt Hilfe. Für den Pressetermin mit der Schwäbischen Zeitung hat sich Kerstin Ladeuille im Vorfeld drei Wochen geschont. Hat Energie „gespart“ und beispielsweise keine Nachrichten mehr auf dem Handy geschrieben, um überhaupt in der Lage zu sein, über eine gute Stunde lang sprechen zu können. Und natürlich ist da bei ihr auch die Sorge um die Zukunft, darum, wie es weitergeht, wenn etwa ihr Mann die Pflege nicht mehr gewährleisten kann. Auch deshalb wäre ein Assistenzhund, der entsprechende Aufgaben übernehmen kann, für sie äußerst wichtig. Ausbildung eines solchen Hundes kostet 45.000 Euro Hoffnung gibt ihr die Spendenaktion ihrer Freundin Andrea Linder, der es naheging, dass Ladeuilles Herzenswunsch nach einem Begleiter mit vier Pfoten, einem belgischen Schäferhund, der ihr auch Türen öffnen oder sie neben dem Rollstuhl begleiten könnte, an einem scheitert: Geld. „Die Ausbildung eines solchen Hundes kostet um die 45.000 Euro“, sagt Linder. Die hohen Kosten sind mit einer Vollsozialisierung des Hundes und einer spezialisierten Ausbildung verbunden, die exakt auf die Bedürfnisse des zu Betreuenden abgestimmt sind und in etwa ein Jahr dauern. Schon im vergangenen Jahr war Linder gemeinsam mit ihrer Freundin Kerstin dran, einen Welpen eines Züchters zu „adoptieren“. Da aber zu diesem Zeitpunkt lediglich die Hälfte der benötigten Gelder zusammen waren, sagten beide aus Vernunftgründen wieder ab. Für den Herbst plant der Züchter nun seinen nächsten Wurf – und für Linder und Ladeuille keimt damit das nächste Sprösslein Hoffnung. Dankbar sind die beiden den ehemaligen Arbeitgebern Ladeuilles, die bereits gespendet haben, der Bäckerei Schellinger für einen speziell für die Aktion gestarteten Brotverkauf und eine Verbreitung Ladeuilles Geschichte über soziale Medien. Schließlich dem großen, helfenden und spendenden Freundeskreis, aber auch dem Amtzeller Café Herzraum, das im Ludwig-Steimle-Haus ein Spendenkäschen aufgestellt hat – und jedem noch so kleinen Unterstützer. „Alles hilft“, sagt Andrea Linder. Und sie weiß: „Mit einem Hund hätte Kerstin nicht nur eine Aufgabe und wertvolle Hilfe, sondern auch wieder ein Stück Lebensqualität zurück.“ Ladeuille plant schon weiter: „Sollte es mir irgendwann wieder etwas besser gehen, könnte ich mit dem Hund auch in Krankenhäuser oder Altenheime gehen und versuchen, diesen Menschen Freude zu bereiten.“ Träumen darf man ja, sagt sie noch – und sackt kurz danach, beim Blutdruckmessen und im Beisein ihrer Ärztin, zusammen und wird ohnmächtig. „Es war jetzt einfach zu viel“, sagt ihre Freundin Andrea Linder, die das Schicksal ihrer Freundin mitnimmt. Sie hofft auf viele weitere Spenden, um Ladeuille den „Herzenswunsch Assistenzhund“ erfüllen zu können: „Gemeinsam schaffen wir das!“

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