Selbstgekocht oder Fertiggerichte - was ist günstiger?
Schnell, günstig, praktisch – so bewerben Hersteller ihre Fertiggerichte. Doch ein Vergleich der Verbraucherzentrale Hamburg zeigt bei fünf beliebten Klassikern ein überraschend klares Bild zugunsten der Pfanne daheim.
Einfach Packung oder Dose auf und in Pfanne, Topf oder Röhre erhitzen - fertig! Der große Vorteil von Fertiggerichten ist zweifellos, dass sie ruckzuck gemacht sind. Doch sind sie auch günstiger als selbstgekochte Gerichte? Oftmals sind sie es nicht - und schon gar nicht gesünder als vergleichbare Fertiggerichte. Das zeigt ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Hamburg.
Die Verbraucherschützer bereiteten fünf beliebte Gerichte zu - Pizza Margherita, Bolognese, Pfannkuchen, Linseneintopf und Wraps mit Thunfisch - und verglichen Preise, Zutaten, Zeitaufwand und Geschmack mit vergleichbaren Fertiggerichten. Ihr Fazit: Die Fertiggerichte punkteten mit einer kurzen Zubereitungszeit, die Hersteller sparten aber an wertgebenden Zutaten. Was den Marktcheckern im Einzelnen auffiel:
Wann Fertigprodukte deutlich teurer sind
In zwei Fällen waren die Fertiggerichte deutlich teurer als die selbstgekochten Varianten:
Die fertigen Pfannkuchen aus der Backmischung in einer Quetsch-Shaker-Flasche (5,90 Euro pro Kilo) kosteten rund 180 Prozent mehr als die selbstgemachten aus Zutaten für 2,11 Euro pro Kilo.
Bei den Wraps betrug der Preisunterschied 93 Prozent, konkret Wrap Thunfisch vom Discounter zum Kilopreis von 10,47 Euro gegenüber 5,43 Euro für die Zutaten bei eigener Zubereitung.
"Fertigprodukte sind keineswegs automatisch die günstige Alternative. Wer wertschätzt, was auf dem Teller landet, kommt beim Selbstkochen in der Regel besser weg", so Frederike Rauer, Referentin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Hamburg.
Für sie sind die größten Vorzüge selbstgemachter Gerichte, dass sie sich durch frische, werthaltige Zutaten auszeichnen und wenig Salz, kaum Zucker und auch keine zugesetzten Geschmacks- und Konservierungsstoffe enthalten. "Selbstgekochte Gerichte sind einfach die gesündere Wahl", fasst Rauer zusammen.
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Ausnahme ist die Fertig-Bolognese
Eine Ausnahme war für die Marktchecker allerdings unübersehbar: Bolognese:
Die Fertig-Bolognese. Hier betrug der Kilopreis 3,45 Euro. Im Vergleich zu 8,09 Euro fürs Selberbrutzeln der frischen Variante. Das lag aus Sicht der Verbraucherschützer vor allem daran, dass das Fertiggläschen rund 66 Prozent weniger Fleisch als die selbstgemachte Sauce enthielt.
Auch am Gemüse sparen Fertigprodukte
Der selbstgemachte Linseneintopf bestand zu knapp 90 Prozent aus Gemüse, das Fertiggericht aus der Dose laut Zutatenverzeichnis nur zu 48,4 Prozent. Zudem enthielten die Fertigprodukte teilweise zugesetzten Zucker. Preislich bestehen zwischen gekauftem Linseneintopf (Kilopreis 3,38 Euro) und selbst zubereitetem (3,05 Euro pro Kilo) kaum Unterschiede.
Preislich ähnlich endete auch der Vergleich bei der Pizza Margherita: 3,32 Euro pro Kilo für die Fertig-Pizza und 3,59 Euro für die selbstgemachte.
Fertiggerichte punkten bei Zeit
Wie lautet das Fazit der Verbraucherschützer? Der größte Vorteil der Fertiggerichte ist ihre kurze Zubereitungszeit. Die meisten waren in weniger als einer Viertelstunde zubereitet, die Wraps sogar sofort verzehrfertig.
Beim Geschmackstest gewannen bei vier Gerichten die frisch zubereiteten Varianten. Die Tester lobten die angenehmere Konsistenz, die Würzung und den höheren Anteil an Fleisch und Gemüse. Lediglich bei den Wraps endete der Test unentschieden. (dpa/bearbeitet von sbi)